Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Konzerthaus Dortmund

An Bachs Oratorium mit Dirigent Marc Minkowski fehlte das nötige Fleisch

Dortmund Der Dirigent Marc Minkowski ließ nur Solisten im Oratorium singen – wie Bach es einst auch getan hat. Bleibt die Frage, ob es wirkt.

An Bachs Oratorium mit Dirigent Marc Minkowski fehlte das nötige Fleisch

Marc Minkowski hat sich mit seinen „Musiciens du Louvre“ an einer Aufführung von Bach orientiert. Foto: Coddington

In fast jeder Stadt führt in der Adventszeit ein Chor in großer Besetzung Kantaten aus Bachs „Weihnachtsoratorium“ auf. Und das mächtige „Jauchzet, frohlocket“, laut und von vielen Stimmen gesungen, verfehlt nie seine Wirkung. Musikwissenschaftler der jüngeren Bach-Forschung betonen nun, dass Bach das Werk 1734 in Leipzig lediglich mit vier Solisten statt Chor aufgeführt hat.

Es erklang die ausgedünnte Fassung der Kantaten

Marc Minkowski hat sich mit seinen „Musiciens du Louvre“ daran orientiert. Am Mittwochabend erklang die ausgedünnte Fassung der Kantaten eins, zwei, vier und sechs zum ersten Mal im Konzerthaus Dortmund.

Das dritte Klavierkonzert von Rachmaninow, von Musikern „Rach 3“ genannt, gilt als eines der schwersten Werke der Gattung. Bis zu hundert Töne pro Sekunde (davon einige in Akkorden) muss der Solist im Finale spielen. Nikolai Tokarev ist Spezialist für Virtuosen-Literatur und sitzt in Xin Peng Wangs Ballett „Rachmaninow/Tschaikowsky“ im Dortmunder Opernhaus noch vier Mal als Solist mit den Tänzern auf der Bühne. Julia Gaß sprach mit dem 34-jährigen Russen.mehr...

Wenn Minkowski alle Chorsätze so dirigiert hätte wie den Eingangschor der fünften Kantate als Zugabe, wäre es spannend gewesen. Da entstand ein swingend-federnder, mitreißender Bach-Klang. Dem „Jauchzet, frohlocket“ fehlte das Monumentale, Festliche. Aus gerade einmal elf Sängern bestand der Chor, aus 25 Musikern das Orchester, das deutlich voller klang

Viele Chorsätze wirkten langatmig

Zu den Chorälen und der pastoralen zweiten Kantate passte Minkowskis Anlage; viele andere Chorsätze wirkten so schlank und leise gesungen langatmig. Zumal Tenor Paul Schweinester die Evangelisten-Partie zwar mit hellem, klaren Tenor, aber sehr langsam und gedehnt sang. Arien wie die des starken Bassisten James Platt ließ Minkowski dann rasant schnell singen. Herausragend war auch Altistin Helena Rasker.

Schön gesungen von den Solisten waren die Chöre, aber es fehlte das Fleisch. Wirkungsvoller ist das Oratorium, wenn es von einem großen Chor in einer Kirche gesungen wird.

Anzeige
Anzeige