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69. Frankfurter Buchmesse

Buchhändler zeigen Flagge gegen Rechts

FRANKFURT/MAIN. Schon im Vorfeld gab es Diskussion um die Teilnahme rechter Verlage an der 69. Frankfurter Buchmesse. Bei vielen Veranstaltungen ist die Meinungsfreiheit ein Hauptthema.

Buchhändler zeigen Flagge gegen Rechts

Protest gegen Rassismus und rechtes Gedankengut auf der Frankfurter Buchmesse

Meinungsfreiheit ist für die 17-jährige Hannah nicht nur ein Wert. Das Thema hat ihr am Dienstagabend bei der Eröffnung der 69. Frankfurter Buchmesse auch eine Begegnung mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel eingebracht. Am Mittwoch diskutierte Hannah dann öffentlich mit Autorin Tanja Kinkel.

„Du hast das Wort“ – unter diesem Motto hatte die Schülerin aus Bochum-Langendreer an einer Aktion teilgenommen, bei der sich im Sommer 30 Jugendliche aus Frankreich und Deutschland in Frankfurt getroffen haben, um über das Thema Demokratie zu diskutieren.

„Gift hat Hochkonjunktur“

„In der Schule wird über Meinungsfreiheit nur dann geredet, wenn es in den Büchern steht“, sagte Hannah. Diskussionen? Fehlanzeige. Sie kritisiert: „Weil wir jung sind, wird unsere Meinung oft nicht ernst genommen.“ Das hat sich bei der Eröffnungsfeier der Buchmesse schlagartig geändert: Den Film, den die Camp-Teilnehmer im Sommer gedreht haben, hat unter den Augen von Emmanuel Macron und Angela Merkel ein Zeichen gesetzt. Für die Freundschaft beider Länder. Und für das Privileg, freiheraus seine Gedanken äußern zu dürfen. Und damit haben die Jugendlichen den Nerv getroffen. Die Freiheit der Worte wird auf der Messe fast so gefeiert wie das Buch selbst. Anlässe, sich um dieses Grundrecht zu sorgen, gibt es reichlich. „Wir liberal-demokratisch gesinnten Büchermenschen müssen in Zeiten, in denen giftige Narrative Hochkonjunktur haben und die Verbreitung von Angst und Hass wieder gesellschaftsfähig wird, mit attraktiveren Gegenentwürfen antworten“, sagte Juergen Boos, Chef der Frankfurter Buchmesse, bei seiner Begrüßungsrede.

Rechter Verlag ist zugelassen

Dass es die Verantwortlichen ernst meinen mit der uneingeschränkten Äußerungsmöglichkeit, auch wenn es nicht immer leicht zu ertragen ist, zeigt die Tatsache, dass rechte Verlage wie Antaios – wo das höchst umstrittene und antisemitische Machwerk „Finis Germania“ erscheint – nicht von der Bücherschau ausgeschlossen werden. „Meinungsfreiheit umfasst alle“, betonte Alexander Skipis, Geschäftsführer des Börsenvereins. „Aber es ist unsere Pflicht, laut und deutlich für unsere Werte und gegen Rassismus einzutreten.“ Und das haben sie getan. Wie es sich für Mitarbeiter des Börsenvereins gehört mit der Macht der Worte. Auf ihren Schildern stand: „Gegen Rassismus“ und „Für Freiheit und Vielfalt“. Aber die subtilen Botschaften sind oft noch wirkungsvoller. Gegenüber dem Verlagsstand von Antaios haben die Organisatoren der Buchmesse die „Amadeu Antonio Stiftung – Initiativen für Zivilgesellschaft und Demokratische Kultur“ platziert.

Ein Zeichen setzen

Zudem sollen viele Veranstaltungen zum Thema Meinungsfreiheit ein Zeichen setzen. Eine davon ist die von Hannah. Gemeinsam mit drei ihrer Camp-Kolleginen saß die 17-Jährige am Mittwochnachmittag auf dem Podium. Und weil Prominente einer Diskussion immer ein bisschen mehr Gewicht verleihen, engagiert sich auch die Autorin Tanja Kinkel an der Seite der vier Jugendlichen für unzensierten Gedankenaustausch. Allerdings: „Wir leben mehr und mehr in einer Echokammer“, findet Tanja Kinkel. Soll heißen: Sag mir Deine Meinung und ich zeige Dir Deine Freunde. Deshalb ist es wichtig, sich auszutauschen. Wie gut das funktioniert, haben die Jugendlichen bewiesen. Und sie sind sich einig: „Wenn wir die Meinungsfreiheit nicht aufrechthalten, wird es auch die Demokratie nicht mehr geben.“

 

 

 

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