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Schauspielhaus Bochum

Den Peter-Weiss-Preisträger Milo Rau treibt das Staunen über Gewalt an

Bochum Der Theater- und Filmemacher Milo Rau erhält den Peter-Weiss-Preis der Stadt Bochum – und erweist sich auf eindrucksvolle Weise als würdiger Preisträger.

Den Peter-Weiss-Preisträger Milo Rau treibt das Staunen über Gewalt an

Der Schweizer Regisseur Milo Rau (Mitte, mit Laudatorin Carolin Emcke und Kulturdezernent Michael Townsend) trug sich ins Goldene Buch der Stadt Bochum ein. Foto: Leitmann /Stadt Bochum Foto: Stadt Bochum

Der Beweis, dass der Theatermacher Milo Rau ein mehr als würdiger Träger des mit 15.000 Euro dotierten Peter-Weiss-Preises der Stadt Bochum ist, gelang äußerst eindrucksvoll: Vor der Verleihung konnte das Publikum in den Kammerspielen des Schauspielhauses Bochum eine Regie-Arbeit bestaunen: „Empire“ von 2016.

Schauspieler agieren als Zeugen der eigenen Geschichte

Das Stück ist ein Beispiel dafür, wie Milo Rau die Kunst des Dokumentarischen Theaters, die Peter Weiss mit „Die Ermittlung“ zu einem Höhepunkt geführt hat, neu belebt. Auf der Bühne stehen vier Schauspieler, die aber nicht als solche agieren, sondern als Zeugen der eigenen Geschichte von politischer Verfolgung.

Mit leiser Stimme vorgetragene, und dadurch umso eindringlichere Berichte aus dem „alten Europa“, in dem Menschen wie die Schauspielerin Maia Morgenstern („Die Passion Christi“) unter faschistischen Diktaturen leben mussten, überlagern sich in der klug gebauten Inszenierung mit aktuellen Fluchterfahrungen von zwei Darstellern syrischer Herkunft.

„Wenn man über Milo Rau spricht, dann gilt es zu allererst, über das Staunen zu sprechen“, setzte Carolin Emcke, Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, zur Laudatio an. Es sei ein Staunen über extremes Unrecht und Gewalt und die Verstörung darüber, die den Theatermacher antreiben. „Er wagt es, sich nicht zu verschließen gegen das, was schmerzt.“


Rau hat die Form des Justiz-Spektakels gefunden

Mit seiner Theater- und Filmproduktionsgesellschaft IIPM – International Institute of Political Murder hat Rau unter anderem die Form des Justiz-Spektakels gefunden. Neben der Dokumentation geschehenem Unrechts wie dem Bürgerkrieg im Kongo oder den Moskauer Künstler-Prozessen scheint in ihr auch utopisches Potenzial auf: Wie hätte es sein können, wenn rechtsstaatliche Grundsätze gegolten hätten?

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Nachdem er den Preis von Bochum Kulturdezernent Michael Townsend überreicht bekam, geriet Milo Raus Dankesrede ebenfalls wie eine Laudatio – auf das Werk Peter Weiss‘, der genau wie er die Felder Theater, Film und Literatur beackert hat (und außerdem noch Maler und Grafiker war) und das ihn seit Jahren begleitet.

„Ich inszeniere, um mich selbst durch den Außenblick besser kennenzulernen“, sagte er. Dabei helfe ihm die selbstironische Haltung von Peter Weiss, der sich am Ende seiner Geschichte des Avantgarde-Films selbst als Filmemacher vorstellt.

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