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Neu im Kino

Familiendrama „Sommerhäuser“ erzählt von einer Idylle auf Zeit

Dortmund Was ist die große Tugend des deutschen Kinos? Es ist in der Lage, Leben abzubilden, wie wir es kennen. Wo Hollywoods Entwürfe vom normalen Alltag nach Plastik müffeln, sind heimische Filme näher dran an unser aller Wirklichkeit – im Glücksfall so nah wie das Familienstück „Sommerhäuser“ von Sonja Maria Kröner (Buch und Regie).

Familiendrama „Sommerhäuser“ erzählt von einer Idylle auf Zeit

Frieda (Christine Schorn), Erich (Günther Maria Halmer) und Bernd (Thomas Loibl) empfangen Besuch.Foto Prokino

Ihr Film begleitet eine Münchner Sippe durch einen Sommer in den 70er-Jahren. Auf der Straße hängt ein Wahlplakat mit dem Gesicht Helmut Schmidts, ein Kreuzworträtsel fragt nach dem Mädchennamen von Königin Silvia, die Herren tragen knappe Höschen und Polohemden im Stil der Zeit.

Präzise beobachtet

Man sitzt im Garten, in dem eine Datscha steht und ein Baumhaus für die Kinder. Die Kleinen spielen und führen ihre Wespentöter-Liste, Eltern aalen sich im Liegestuhl, Omas tischen Kuchen auf. Ein Idyll, Ort einer paradiesischen Kindheit, die ein jähes Ende findet. Der Donnerschlag zu Beginn ist als Vorahnung zu verstehen. „Sommerhäuser“ imponiert durch ruhige, präzise Beobachtungen. Julia Daschners Kamera stellt Intimität zu den Figuren her, schlüpft in die Haut der achtjährigen Jana (Emilia Pieske), belauscht die Erwachsenen, die über den Verkauf des Grundstücks streiten.

Kein falscher Ton

Die Dialoge sind von einer Natürlichkeit, die selten ist. Kein falscher Ton, alles wirkt wie selbst erlebt: das Nörgeln der Kinder, die Wespenplage, die Sticheleien zwischen Gitti (Mavie Hörbiger) und ihrer Schwägerin (Laura Tonke). So fühlt sich Alltag in einer Familie an. In der sensiblen Inszenierung des Unspektakulären liegt die große Kunst des Films.

Spektakulär sind nur die Horrormeldungen um einen Kindesmörder, die in der Zeitung stehen. Das eigentliche Drama wispert leise: In der Familie tun sich Verwerfungen auf, man spürt, dass die Idylle in Gefahr ist. Gute Darsteller am Werk: Günther Maria Halmer ist dabei, Thomas Loibl, Christine Schorn, Ursula Werner. Intelligentes deutsches Kino.

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