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Theater Dortmund

In „Eugen Onegin“ wird ein Mädchen zur Fürstin

DORTMUND Tschaikowskys „Eugen Onegin“ ist ein Stück über Niederlagen. Im Dortmunder Opernhaus feierte die Oper als ruhig erzähltes Seelendrama Premiere.

In „Eugen Onegin“ wird ein Mädchen zur Fürstin

Tatjana (Emily Newton) hat ein Rendezvous mit Eugen Onegin (Simon Mechlinski) im Garten. Foto: Sundermeier Foto: Copyright: Anke Sundermeier | St

Viel Handlung hat Tschaikowskys „Eugen Onegin“ nicht, deshalb hat der Komponist ihn auch nicht Oper, sondern „Lyrische Szene“ genannt. Tina Lanik, Regisseurin der schönen „Traviata“ in Dortmund, hat das Seelendrama nach dem Versepos von Alexander Puschkin im Dortmunder Opernhaus auf die Bühne gebracht. Bei der Premiere am Samstag war das Haus jedoch nur zur Hälfte gefüllt. Diese Oper ist wohl zu unbekannt, dabei ist die Musik wunderschön.

Ruhige Regie im Würfel

Sehr ruhig erzählt Tina Lanik die Geschichte des Landmädchens Tatjana und ihres Nachbarn Onegin, die aneinander vorbei lieben. Eine sängerfreundliche Inszenierung ist das, in der die Solisten ohne viel Aktion in der sparsam dekorierten Guckkastenbühne (Jens Kilian) zum Publikum singen dürfen. Historische, leicht russisch folkloristische Kostüme (Johanna Hlawica) in den ersten beiden Akten versetzen ins ländliche Russland des 19. Jahrhunderts. Sechs Jahre war Onegin auf einer Weltreise, bevor er im dritten Akt zurückkehrt und Tatjana als Fürstin wiedersieht. Tina Lanik macht diesen Zeitsprung größer, zieht ihn in die Gegenwart.

Einen Würfel hat Kilian für alle drei Akte auf die Bühne gestellt. Holzvertäfelt ist der in den beiden ersten Akten. Mitunter ist das etwas eintönig anzuschauen. Im dritten Akt verwandelt sich die Holzkiste in einen Glaspalast, der stark an die Bühne von Philipp Fürhofer für Stefan Herheims „Eugen Onegin“ in Amsterdam erinnert. Kilian hat in der drehbaren Glaskiste jedoch noch einen alten Ford Mercury geparkt.

Eindrucksvolles Schattenspiel

Schöne Bilder bietet die Inszenierung wie Tatjanas Szene mit Briefen auf der Wäscheleine oder das Duell zwischen Lenski und Onegin. Lenski ahnt seinen Tod in einem eindrucksvollen Schattenspiel bei seiner Abschiedsarie (toll gesungen von Thomas Paul) voraus und stirbt dann poetisch im Schnee.

Einen blutjungen, erst 24-jährigen Onegin hat das Dortmunder Theater. Und Simon Mechlinski war nicht nur ein stimmlich eleganter Dandy, sondern entspricht auch optisch einem Beau und Mädchenschwarm. Als Tatjana gab Emily Newton ihr Rollendebüt – gewohnt spielstark und mit großem, runden Sopran. Wunderbar zeigte sie die Entwicklung vom traurigen Mädchen, das in Bücherwelten flüchtet, zur glamourösen Fürstin à la Grace Kelly. Ileana Mateescu war ihre lebenslustige Schwester Olga, Almerija Delic ihre mehr toughe als sehnsuchtsvolle Mutter.

Leidenschaft im Graben

Generalmusikdirektor Gabriel Feltz setzte musikalisch Kontraste zu Tina Laniks lyrisch-poetischer Regie und rückte Leidenschaft in den Vordergrund. Das machte die ruhige Inszenierung spannender, und kleine Ungenauigkeiten zwischen Philharmonikern und Opernchor werden sich glätten. Sehenswert und hörenswert ist dieser Onegin – schon, weil er ganz ohne Regie-Mätzchen auskommt.

Termine: 7./20./25./30.12., 5./21./28.1.; Karten: Tel. (0231) 5027222.

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