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Im Kino

In dem Animations-Film „Loving Vincent“ ist ein van Gogh-Gemälde der Star

Essen Der Trickfilm „Loving Vincent“ zeigt die Welt so, wie der Maler van Gogh sie gesehen hat. Ein Gemälde des Essener Folkwang-Museums spielt die Hauptrolle.

In dem Animations-Film „Loving Vincent“ ist ein van Gogh-Gemälde der Star

In der Mitte das echte Gemälde von Armand Roulin. Der Schauspieler Douglas Booth (l.) hat die Szenen zuerst gespielt, danach wurde er im Stil van Goghs gemalt (r.). Fotos Weltkino

Ende Dezember kommt der neue Animationsfilm in die deutschen Kinos. Aber eine Programmzeitschrift hat ihn schon jetzt als den „wohl schönsten Film aller Zeiten“ gelobt. Zumindest hat es so etwas noch nicht gegeben: Die gesamte Handlung ist im Malstil von van Gogh gehalten. Hier einige Fragen und Antworten zum Thema.

Worum geht es in dem Film?
Vincent van Gogh ist bereits ein Jahr tot, da taucht ein Brief des Künstlers an seinen Bruder Theo auf. Der junge Armand Roulin wird beauftragt, den Umschlag zu Theo nach Paris zu bringen. Von einem Farbenlieferanten erfährt er, dass Theo, tief betrübt über den Tod des Bruders, ebenfalls gestorben ist. Armand geht auf Spurensuche, reist zu Vincents Weggefährten und Freunden wie Dr. Paul Gachet. Ist der Maler wirklich durch Selbstmord ums Leben gekommen?

In dem Animations-Film „Loving Vincent“ ist ein van Gogh-Gemälde der Star

Wie lebte und starb Vincent van Gogh? Der Film „Loving Vincent“ erzählt davon – in den Bildern des Künstlers. Foto Weltkino

Was hat der Film mit dem Folkwang-Museum zu tun? Dort hängt das „Bildnis des Armand Roulin“. Es ist eines der kostbarsten Besitztümer des Hauses. Vincent van Gogh hat es im Dezember 1888 gemalt und der Sammler Karl Ernst Osthaus hat es 1903 für sein erstes Folkwang-Museum in Hagen gekauft. 1922 zogen Museum und Bild dann nach Essen um.

Der Filmregisseur Hugh Welchman hat sich das Gemälde in Essen angesehen, es fotografiert und gefilmt – und es zum „Helden“ seines Filmes gemacht. Peter Daners, Kurator für Bildung und Vermittlung, vom Folkwang-Museums erinnert sich gut an den Besuch vor einigen Jahren. „Welchman war höchst konzentriert, höchst professionell – jemand, der seine Ziele eloquent verfolgt.“ Das Projekt habe Welchman dann wohl „gegen alle auch finanziellen Probleme durchgesetzt“.

Wer war Armand Roulin in Wirklichkeit?
Der attraktive junge Mann im gelben Jackett war damals 17 Jahre alt und der älteste Sohn des Postmeisters Joseph Roulin. Die Familie wohnte in Arles neben van Gogh. Die Nachbarn freundeten sich an, und van Gogh malte Joseph sowie dessen ganze Familie. Der echte Armand Roulin starb 1945.

In dem Animations-Film „Loving Vincent“ ist ein van Gogh-Gemälde der Star

Eines der Szenenbilder des Films à la van Gogh Foto Weltkino

Wie funktioniert der Film technisch?
Die Regisseure Dorota Kobiela und Hugh Welchman – ein Paar im Leben und bei der Arbeit – haben sechs Jahre an dem Film gearbeitet. Sie haben die Handlung mit echten Schauspielern vor Blue- oder Green-Screens gedreht. Das sind Leinwände, auf die beliebige Hintergründe projiziert werden können.

In den zwei darauf folgenden Jahren haben über 120 Maler im polnischen Danzig alle Szenen des Films in Stil van Goghs nachgemalt. Sie erschufen insgesamt 65.000 Einzelbilder – immer mit leichten Varianten, so dass sich durch ihre Montage die Bewegung ergab. Peter Daners: „Eine unfassbare Leistung.“ 94 Gemälde des Künstlers werden im Film naturgetreu lebendig – etwa das berühmte Café bei Nacht.

Gibt es Zweifel, dass sich van Gogh umgebracht hat?
Nein, sagt Peter Daners: „Der Selbstmord ist nicht fraglich, er hat sich erschossen.“ Eine Ausstellung in Amsterdam habe 2016 sogar die mutmaßliche Pistole präsentieren können. Allerdings behaupten die Pulitzer-Preisträger Steven Naifeh und Gregory White Smith in ihrer Van-Gogh-Biografie „Sein Leben“ (S. Fischer Verlag), dass Jugendliche den Maler umgebracht hätten.

Sie hätten ihn ärgern wollen, dabei sei es zu dem tragischen Unfall gekommen. Van Gogh lebte nach dem Schuss vom 27. Juli 1890 noch 30 Stunden. Die Antwort des Sterbenden auf die Frage eines Polizisten, ob er es selbst getan habe, lautete: „Ich denke schon.“ Dass er hinzusetzte „Beschuldigt niemanden anderen“, erschien dem Autoren-Duo Naifeh/Smith verdächtig.

Wo wird der Film zu sehen sein?
Ab 28. Dezember läuft der Film im Kino. Das Folkwang-Museum, die Essener-Filmkunst-Theater und der Verleih Weltkino planen vorher eine NRW-Filmpremiere im Essener Filmstudio Glückauf an der Rüttenscheider Straße 2. Dort wird am Sonntag, 17. Dezember, ab 20 Uhr Hugh Welchmann eine Einführung in englischer Sprache halten, danach ist der Film zu sehen. Schon vorher bietet das Folkwang-Museum um 16 und 17 Uhr die Themenführung „Ein Leben in Leidenschaft“ zu den van-Gogh-Bildern des Hauses an.

Karten für die Kino-Premiere: Tel. (0201) 43936633.

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