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Zukünftiger Intendant vorgestellt

Olaf Kröck will mehr Fest rund um die Ruhrfestspiele

RECKLINGHAUSEN Das sind große Fußstapfen. Olaf Kröck übernimmt ab 1. August 2018 die Leitung der Ruhrfestspiele von Frank Hoffmann. Schon jetzt telefoniert Kröck mit Hollywood.

Olaf Kröck will mehr Fest rund um die Ruhrfestspiele

Der designierte Intendant Olaf Kröck stellte seine Vision der Ruhrfestspiele vor. Foto dpa Foto: dpa

Frank Hoffmann, der beliebte und bekannte Noch-Intendant der Ruhrfestspiele bis zum Sommer 2018, hat Rekordmarken gesetzt. Rund 80.000 Besucher pro Jahr pilgern auf den Grünen Hügel von Recklinghausen. Sie haben in den 13 Jahren der Ära Hoffmann mit großer Zuverlässigkeit Qualitätstheater, oft sogar Sternstunden erlebt. Und immer mal wieder schaute ein Hollywoodstar vorbei. Das Publikum feierte Kevin Spacey, Jeff Goldblum oder Cate Blanchett.

Vertrag beginnt 2018

Olaf Kröck war Anfang des Monats zu Hoffmanns Nachfolger gekürt worden. Ab 1.8.2018 läuft sein Vertrag. Die Festspiele richtet er ab Mai 2019 aus. Am Freitag stellte er sich der Presse vor. „Mit dem ersten Hollywoodstar spreche ich schon“, verriet er. Allerdings nicht direkt – der Kontakt laufe in solchen Fällen über diverse Stationen.

Überhaupt möchte Kröck das „herausfordernde Erbe“ Hoffmanns bewahren und weiterentwickeln. „Die Ruhrfestspiele sind ein Publikumsfestival, das viele Menschen erreicht“, sagte er. Es soll ein Festival „für alle“ bleiben. „Ich werde mich bemühen, die unglaublichen Zahlen im Blick zu behalten“, versprach der „Neue“. Der Aufsichtsrat – Kröck wurde am Freitag flankiert vom Vorsitzenden Stefan Körzell (DGB) und dessen Stellvertreter, dem Bürgermeister Christoph Tesche – dürften es gern gehört haben.

Als Schauspielerfestival erhalten

Die Festspiele lobte Kröck als einziges „Schauspielerfestival“ weit und breit, in dem sich die berühmtesten Darsteller die Ehre geben. „Wir werden große Schauspieler und große Ensembles einladen. Das bedeutet, dass auch große Regisseure kommen.“

Anderes findet er verzichtbar: das Uraufführungsfestival zum Beispiel, das sich mit den „Stücken“ in Mülheim doppele. Arbeiten will er am „Gesamterlebnis“ der Festspiele. „Das Festival ist zu defensiv, was die Geste des Einladens betrifft“, sagte er und will mehr festliches Drumherum im Außenbereich und in der Stadtmitte organisieren. So plant er ein kostenloses „sinfonisches Picknick“, bei dem die Bürger im Park speisen und klassische Musik hören können. Das Jugendfestival Fringe findet er toll, Poetry-Slams auch, den Anteil der beliebten Avantgarde-Zirkusse will er stärken.

Vater von zwei Kindern

Wer ist eigentlich Olaf Kröck? Ein schlanker Theatermacher im schicken blauen Anzug, ein ehemaliger Chefdramaturg von quirliger, blitzender Intelligenz. Fast 25 Minuten lang entwickelte er am Freitag eine brillant formulierte Vision der Festspiele. Das entsprach in jeder Hinsicht (auch in der Länge) der Eloquenz von Frank Hoffmann.

Kröck ist Vater von zwei Kindern, 9 und 6 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Bochum und arbeitet dort am Schauspielhaus als Interims-Intendant, bis im nächsten Jahr Johan Simons kommt. „Ich wechsle vom schönsten Theater der Welt ins schönste Festspielhaus der Welt“, lächelte Kröck. Er will weiterhin in Bochum wohnen und per Pkw und Rad pendeln. Sein Vertrag läuft drei Jahre.

Poesie und Politik

In Bochum hatte der gebürtige Viersener, der sich selbst als gut in Europa vernetzt bezeichnet, anlässlich der Schließung des Opel-Werkes das „Detroit-Projekt“ aufgelegt. Die Kooperation mit den Urbanen Künsten Ruhr war künstlerisch gelungen, hatte aber nicht viel Zuschauer. Politik soll auch in Recklinghausen eine Rolle spiele – insbesondere der Wandel des Ruhrgebietes anlässlich der Schließung der Bottroper Zeche Prosper-Haniel 2018.

Ruhrgebiet muss neue Identität finden

Kröck: „Damit fällt eine Säule der Identität weg. Die letzte Zechenschließung wird blutende Herzen hinterlassen – nicht nur bei den Kumpeln.“ Daher müssten die Ruhrfestspiele den Mut haben, wirklich Neues zu bieten, sich dem Veränderungsprozess zu stellen. Armut, Entsolidarisierung und Ausgrenzung will Kröck thematisieren. Es sollen „poetische und politische“ Festivals werden. Kröck fragte: „Wenn die Kunst keine Utopien formuliert, wer soll es sonst tun?“

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