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Schauspielhaus Bochum

Shakespeares Sonette werden griffige Pop-Songs

BOCHUM Karsten Riedels Liebesliederabend in Bochum ist nur scheinbar chaotisch.

Shakespeares Sonette werden griffige Pop-Songs

Irgendwann springt bei Karsten Riedels (Mitte) Liederabend doch noch die Bühnenmaschinerie an. Foto: Kirch Foto: Sebastian Kirch

Der literarisch-musikalische Abend „Der Liebe Lust, der Liebe Schmerz“ in den Kammerspielen des Bochumer Schauspielhauses ist die ganz persönliche Rückkehr eines Typen, der sich nicht verbiegen lässt.

Von Bochum aus hat Karsten Riedel die Theaterwelt erobert, hat Inszenierungen an den großen Häusern in Hamburg, Berlin, Zürich und Wien mit seiner Musik veredelt. Was jeder Regisseur dabei im Hinterkopf behalten musste: Riedel bleibt immer der Punk am Klavier, einer, mit dessen Eigensinn man rechnen muss.

Chaos-Prinzip
Auf der Kammerbühne hat er diesen Eigensinn, seine störrische Rebellion gegen allzu fest gefügte Formen, mit etwas Hilfe selbst inszeniert: Als die Zuschauer ihre Plätze einnehmen, herrscht vermeintlich noch hektisches Treiben um die letzten technischen Einrichtungen, das Saallicht ist an. Riedel schaut ins Publikum und zuckt die Achseln: „So ist das, wenn man nicht probt.“

Irgendwann versteht man, dass das scheinbar Chaotische Prinzip des Abends ist. Als zum Beispiel Schauspielerin Johanna Eiworth in vollem elisabethanischen Kostüm auftritt, um Shakespeares Sonett 142 zu rezitieren, da ist die Bühne leer – die Inspizientin hat die Musiker aus undurchsichtigen Gründen ’rausgerufen.

Zusammengehalten wird dieser turbulente Abend durch das Thema Liebe und die Konzentration auf drei Autoren: Shakespeare, dessen Sonette Riedel schon seit vielen Jahren vertont, Dylan Thomas und Frank Wedekind.

Gossen-Charme
Shakespeares Zauberbildersprache, Dylan Thomas’ von Alkohol vernebeltes Pathos und Wedekinds Gossen-Charme – Riedel verwandelt alles in griffige Songs – manchmal mit Rock’n’Roll-Charakter, aber vor allem viel Pop-Appeal, den Kontrabassist Nils Imhorst und Christoph König an Geige und Bratsche im wahrsten Sinne des Wortes unterstreichen.

Wenn das Zusammenspiel in Perfektion gelingt oder plötzlich die Bühnenmaschinerie anspringt und starke Bilder schafft, ahnt der Zuschauer: Hier wurde sehr wohl geprobt.

Termine: 5./ 27.11., 9./ 15./30.12.; Karten: Tel. (0234) 33335555.

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