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Serie Gartenkunst

Trümmerschutt schafft einen Garten der Erinnerung

Die Internationale Gartenausstellung (IGA) kommt 2027 ins Ruhrgebiet. Das ist noch lange hin. Aber das Thema „Garten“ ist schon jetzt wichtig. Wer kein eigenes Fleckchen beackert, der genießt die vielen grünen Lungen der Metropole. In unserer Serie „Gartenkunst“ wollen wir aber nicht die großen Parks vorstellen. Denn auch weniger bekannte öffentliche oder halböffentliche Gärten sind wunderbare Ausflugsziele, haben eine bemerkenswerte Geschichte oder komponieren aus Kunst und Natur ein Erlebnis.

Trümmerschutt schafft einen Garten der Erinnerung

Die Rasenwelle führt den Besucher in Richtung Innenhafenbecken und lädt im Sommer zum Entspannen ein.

Direkt am Ufer des Duisburger Innenhafens ist von der Spar-Zentrale und dem Gebäude der Allgemeinen Land- und Seetransport AG nicht viel übrig geblieben. Genauer gesagt zwei Treppentürme, das Gerüst einer Lagerhalle und Metallstreben einer weiteren Halle. Dazu noch eine Menge Trümmerschutt. Um den zu erkennen, müssen Besucher genau hinsehen.

Mosaikartiger Weg

Ein langer, mosaikartiger Weg durchzieht den Garten in Richtung einer kleinen Erhebung, die seit der Eröffnung des Gartens 1999 überwuchert ist. Es ist ein Steingarten und besteht, wie der Weg, der Besucher dorthin führt, aus den Trümmern der Gebäude, die abgerissen wurden.

Direkt dahinter steht das Seniorenzentrum, deren Besucher zunächst gar nicht zufrieden damit waren, dass Schutt vor den Fenstern liegt.

Künstler auf dem Bagger

Überhaupt wurden die Duisburger um die Jahrtausendwende nicht richtig warm mit dem Garten, der durch die Betonruinen und den Schutt sehr kahl daherkommt. Manche Leute dachten gar, der Stadt sei das Geld ausgegangen.

Doch auf die Fragezeichen der Senioren hatte Künstler Dani Karavan eine Antwort. Er setzte sich selbst auf einen Bagger und trug Schutt des Steingartens ab. Ganz Künstler, brachte er ihn danach wieder in Form.  

Treppenhäuser sind Landmarken

Formen bestimmen auch den drei Hektar großen Garten. Karavan hat die Grundrisse beibehalten und sie mit für ihn typischen weißen Betonbänder sichtbar gemacht. Auf ihnen können die Besucher verweilen. Die Treppenhäuser sind zudem echte Landmarken. Allein schon deshalb, da Karavan Bergkiefern auf ihnen anpflanzte.

Es sind nicht die einzigen Bäume im Garten. Im Ludwigsforum, dem Gerüst der alten Lagerhalle, stehen drei Gleditschien, die das imaginäre Dach der Ruine durchbrochen haben. Früher waren davor sogar noch Getreide- und Sonnenblumenfelder, Karavan wollte damit dem Ort als „Brotkorb des Ruhrgebiets“ gerecht werden.  

Dass dieser Ort eine Renaissance hin zum Garten erfahren hat, ist der Internationalen Bauausstellung zu verdanken. Im Zuge dessen gründete sich 1993 die Innenhafenentwicklungsgesellschaft – damals waren die alten Hallen noch da. Zur Eröffnung des Gartens sechs Jahre später kamen der israelische Botschafter und Lea Rabin, Frau des ehemaligen Ministerpräsidenten Israels. An den Garten grenzt das jüdische Gemeindezentrum.  

Beliebte Rasenwelle  

„Der Garten soll lebendig sein“, sagt Dagmar Bongardt, City-Managerin der Stadt Duisburg. Auch deshalb gibt es so viele Kultur-Veranstaltungen. In einem der Treppenhäuser finden Ausstellungen statt, mal Malerei, mal Fotografie. Sechs- bis siebenmal im Jahr finden auch Musik- oder Tanzevents im Ludwigsforum statt. Im Sommer ist besonders die Rasenwelle beliebt, die nur durch eine Baumkette vom Ludwigsforum getrennt ist.

Die Welle ist die moderne Seite des Gartens, das genaue Gegenteil sind die Moniereisen, die aus den Treppenhäusern hervorstehen. Sie zeigen den Charme der alten Gebäude. Und es ist ja auch ein Garten der Erinnerung an das Industriezeitalter, das die Fläche bis Ende des vergangenen Jahrtausends geprägt hat.

Der Garten liegt am Philosophenweg im Innenhafen und ist frei begehbar.

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