Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Abschied in Schwarz-Rot-Gold: König Bhumibol wird verbrannt

Bangkok. Mit einer weltweit einzigartigen Zeremonie wird der Leichnam von Thailands beliebtem König Bhumibol eingeäschert. Ein Jahr nach seinem Tod sind in Bangkok wieder Hunderttausende auf den Straßen - ein endgültiger Abschied auch mit Deutschland-Bezügen.

Abschied in Schwarz-Rot-Gold: König Bhumibol wird verbrannt

Thailands König Maha Vajiralongkorn (M.) beim feierlichen Trauerzug: Die Zeremonie wurde von allen großen thailändischen Fernsehsendern live übertragen.. Foto: Sakchai Lalit

Auf diesen Moment haben sie alle gewartet. Den ganzen Tag schon, seit sieben Uhr morgens. Aber eigentlich bereits ein ganzes Jahr.

Am späten Abend, längst ist es in Bangkok dunkel geworden, setzt Thailands König Maha Vajiralongkorn die Zeremonie in Gang, mit welcher der Leichnam seines Vaters nun wirklich verbrannt wird: der alte König Bhumibol, gestorben schon im Oktober 2016, mit 88 Jahren, als dienstältester Monarch der Welt, seither nach allen Regeln der Kunst konserviert und jetzt auf dem Weg in eine andere Welt. Zuhause wird er längst wie ein Gott verehrt.

Nur, dass den Moment zunächst niemand sieht. Im Fernsehen, das den ganzen Tag über live übertragen hat, laufen jetzt alte Aufzeichnungen. Auf dem Sanam-Luang-Gelände, wo Thailands Könige traditionell eingeäschert werden, erklingt laute Orchestermusik. Die Zeremonie ist nur für einen ganz kleinen Kreis zu erleben. Für die Menschen in Thailand jedoch geht damit eine Ära zu Ende, die weltweit ihresgleichen sucht.

70 Jahre und 126 Tage war Bhumibol ihr König, so lange wie hier noch nie ein Monarch zuvor. Trotz seines immensen Reichtums (geschätztes Vermögen: mehr 35 Milliarden Euro) galt er als jemand, der die kleinen Leute nie aus den Augen verlor. Zwar wird von offizieller Seite viel dafür getan, damit dieses Bild gewahrt wird - unter anderem durch ein strenges Majestätsbeleidigungsgesetz.

Aber vermutlich ist die kollektive Trauer tatsächlich echt. Die „Bangkok Post“ spricht am Donnerstag gar vom „Tag der tiefsten Trauer der Nation“. Mehr als 100 000 Königstreue, alle in schwarz, haben sich einen Platz am Rand der zwei Kilometer langen Prozessionsstrecke ergattert.

Viele haben tage- und nächtelang dafür gewartet, trotz Regenzeit, trotz der feuchten Hitze von mehr als 30 Grad. Als die mannshohe symbolische königliche Urne auf einem zwei Jahrhunderte alten goldenen Streitwagen an ihnen vorbeigezogen wird - 200 Männer braucht es dafür -, verbeugen sie sich, so tief es nur geht. 7500 Priester, Soldaten und Höflinge marschieren mit. Es ist ein weltweit einzigartiges Spektakel. Anderswo in Bangkok sind Hunderttausende, die keinen Platz mehr bekommen haben, auf den Straßen.

Fünf Tage ziehen sich die Trauerfeiern hin, bis Sonntag noch. Alles folgt einem uralten Ritual, einer Mischung aus buddhistischen und hinduistischen Traditionen, wie es hier seit vielen Jahrhunderten nach dem Tod von Regenten üblich ist. Allerdings hat das Land seit 1950 keine solche Bestattung mehr gesehen. Damals wurde Bhumibols Bruder Ananda Mahidol eingeäschert, der unter bis heute nicht geklärten Umständen durch eine Kugel getötet wurde.

Für Bhumibol - bekannt auch als Rama IX. - wurde nun eigens ein Tempelkomplex mit einem 58 Meter hohen Krematorium errichtet, ein goldener Nachbau des mythischen Berges Meru, der für Buddhisten und Hindus Mittelpunkt des Universums ist. Zehn Monate zogen sich die Arbeiten hin. Geschätzte Gesamtkosten: 75 Millionen Euro.

Geschmückt ist der Bau mit 622 Skulpturen von Göttern und Fabelwesen. Aber auch lebensgroße Abbildungen von Bhumibols beiden Lieblingshunden sind dabei. Wie es überhaupt, bei aller Tradition, auch Anklänge an die Moderne gibt. Dazu gehört, dass neben alter Thai-Musik auch eigene Kompositionen des Königs gespielt werden. Bhumibol war als großer Jazz-Liebhaber bekannt.

Drei Farben sind bei dem Spektakel vorherrschend: das Schwarz, das die Trauernden am Straßenrand tragen, das Rot der Uniformen, welche viele Höflinge und auch der neue König anhaben, sowie all das Gold der Bauten. Ein Abschied in Schwarz-Rot-Gold gewissermaßen.

Für Deutschland ist - inmitten von Königinnen, Königen, Kronprinzen aus allen möglichen internationalen Häusern - der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff in Bangkok dabei. Viel Prominenz, aber nicht über die Maßen. Dass Thailand nach einem Putsch 2014 immer noch vom Militär regiert wird, spielt durchaus eine Rolle.

Im Mittelpunkt: die königliche Urne, die über zwei Kilometer vom Palast zum Krematorium auf dem Sanam-Luang-Feld gebracht wird. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Gefäß, in das die Asche kommt. Es ist eine Art Schrein, mit dem eigentlich der Leichnam zur Einäscherung gebracht wird. Und jetzt hat die Urne zudem nur symbolischen Wert - sie ist leer. Bhumibols Leichnam wurde bereits am Abend zuvor in aller Stille zum Ort der Einäscherung gefahren.

Im Thailändischen nennt man dies Luk Phra Sop - wörtlich übersetzt: den königlichen Körper stehlen. Wobei damit natürlich kein echter Diebstahl gemeint ist. Man hat das auch schon früher gemacht, um Probleme bei der eigentlichen Prozession zu vermeiden. Bhumibol verfügte allerdings als erster König überhaupt, im Sarg verbrannt zu werden. Seine Asche soll auf ewig im Großen Palast aufbewahrt werden.

Und nun? Viele Thai verbinden mit dem Abschied von Bhumibol eine ungewisse Zukunft. Saengjan Klantanon, eine der vielen Frauen am Straßenrand, weint: „Unsere Majestät war alles für mich. Jetzt ist mein Herz gebrochen.“ Der Künstler Apichai Klapiput fasste die Gefühle vieler, die nicht wissen, wie es weitergeht, so zusammen: „Das ist unser Lady-Di-Moment.“

Erwartet wird, dass das politische Klima in Thailand jetzt wieder härter wird. Zudem dürfte der neue König, der sich bislang noch oft in seiner Villa am Starnberger See aufhält, zuhause mehr in Erscheinung treten. Mit der Krönung wird noch dieses Jahr gerechnet. Was am Donnerstag noch auffiel: wie oft er seinen Sohn Dipangkorn Rasmijoti (12) an der Seite hatte, der in Bayern zur Schule geht - ein Hinweis darauf, wer einst König Rama XI. werden könnte.

Anzeige
Anzeige