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Ältere treffen auf viele Alltagshindernisse

Köln. Zu hohe Stufen, zu kleine Schilder, zu leise Ansagen: Ältere Menschen fühlen sich im alltäglichen Leben mitunter benachteiligt - auch, wenn keine Absicht dahinter steckt. Ein positiveres Altersbild könnte das Bewusstsein dafür schärfen, meinen Experten.

Ältere treffen auf viele Alltagshindernisse

Fehlt ein Aufzug, haben es Senioren mit einer Gehbehinderung schwer, in ein anderes Stockwerk zu kommen. Foto: Arno Burgi/dpa-Zentralbild

Das Preisschild ist kaum zu entziffern, der Weg in die Arztpraxis führt über hohe Stufen, der Beitrag zur Kfz-Versicherung erhöht sich plötzlich rapide: Ältere Menschen fühlen sich im Alltag mitunter diskriminiert.

„Es gibt viele Situationen, in denen Senioren allein durch die Gestaltung der Umwelt benachteiligt werden - seien es fehlende Rolltreppen zu U-Bahnstationen, keine Sitzgelegenheiten in Geschäften oder technische Geräte mit winzigen Tasten“, sagt die Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO), Ursula Lenz. Der Internationale Tag der älteren Menschen am 1. Oktober will den Fokus auf die Situation von Senioren richten.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet eine nachteilige Behandlung, die ohne sachlichen Grund allein wegen des Alters erfolgt. Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes gehen nach Angaben von Sprecher Sebastian Bickerich jährlich etwa 3400 Beschwerden zum Thema Alterdiskriminierung ein. Die meisten davon bezögen sich auf das Arbeitsrecht.

„Das Problem ist allerdings, dass es gerade in diesem Bereich viele Ausnahmen gibt“, erläutert Bickerich. Außerdem sei es für den Betroffenen oft schwierig nachzuweisen, dass tatsächlich sein Alter der Grund dafür ist, dass er zum Beispiel eine Arbeitsstelle nicht bekommen hat. Ähnlich sei es, wenn es um verweigerte Bankkredite oder den Abschluss von Versicherungen gehe.

Nach einer Studie des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) aus dem Jahr 2014 gab etwa jeder zehnte Befragte ab 40 Jahren an, in den zurückliegenden zwölf Monaten Altersdiskriminierung erlebt zu haben. Die wahrgenommene Benachteiligung im Alltag steigt demnach mit zunehmendem Alter.

Nach Ansicht von BAGSO-Sprecherin Lenz bewegt sich der Umgang mit Älteren häufig in „Grenzgebieten zwischen missachtendem Verhalten, Benachteiligung und Diskriminierung“. Beispiele seien schwer zu öffnende Verpackungen, der zunehmende Druck, Sachen online erledigen zu sollen, oder auch zu kleine Preisetiketten im Handel. „Es ist zwar ganz nett, dass manche Geschäfte Lupen zur Verfügung stellen - aber warum macht man die Preisschilder nicht einfach so groß, dass man sie lesen kann?“

Tatsächlich ist eine entsprechende DIN-Norm zurzeit in der Mache. Bei dem Entwurf wurden nach Angaben des Deutschen Instituts für Normung vor allem die demografische Entwicklung und die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung berücksichtigt. Der Handelsverband HDE verweist überdies auf seine Initiative „Generationenfreundliches Einkaufen“. Mit diesem Zertifikat würden Läden ausgezeichnet, die Kriterien wie gute Preisauszeichnungen, barrierefreie Zugänge und Sitzgelegenheiten erfüllen.

Prof. Klaus Rothermund vom Institut für Psychologie der Uni Jena rät beim Thema Altersdiskriminierung zu einer differenzierten Betrachtungsweise: „Manchmal fühlen ältere Menschen sich benachteiligt, ohne dass eine entsprechende Absicht dahinter steckt.“ So seien Aufschriften auf Produktverpackungen oft deshalb sehr klein, weil dort wegen gesetzlicher Vorgaben immer mehr Informationen untergebracht werden müssten. Wenn jemand leise spreche und schwer zu verstehen sei, mache er das in der Regel nicht, um Senioren zu ärgern.

Fakt sei jedoch, dass viele Ältere sich als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt fühlten, sagt Altersforscher Rothermund. „Das hängt damit zusammen, dass das Thema Alter in unserer Gesellschaft nicht besonders positiv besetzt ist.“ In der öffentlichen Diskussion stünden oft Aspekte wie Rentenlücke und Gesundheitsprobleme im Vordergrund. In der Werbung würden Produkte meist mit Attributen wie jung, innovativ und dynamisch in Verbindung gebracht.

Die Herausforderungen der demografischen Entwicklung im alltäglichen Leben praktisch umzusetzen, sei ein langwieriger Prozess, der in den Köpfen beginnen müsse, meint BAGSO-Sprecherin Lenz und räumt ein: „Für Junge ist es schwer, sich in die Lage Älterer hineinzuversetzen“. Die mit dem Alter einhergehenden Veränderungen - etwa nachlassende motorische Fähigkeiten - könne ein jüngerer Mensch sich schlichtweg nicht vorstellen. „Deshalb sollten Unternehmen und Politiker viel häufiger Senioren als Ratgeber hinzuziehen“, meint Lenz. Ältere Menschen sollten sich nicht scheuen, immer wieder auf Diskriminierungen hinzuweisen. Nur so könne in der Gesellschaft das Bewusstsein dafür wachsen.

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