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Angst - Der Feind in meinem Haus

Berlin. Im TV-Film „Angst - Der Feind in meinem Haus“ (ZDF) ist ein anfangs scheinbar freundlicher Nachbar plötzlich gar nicht mehr so nett.

Angst - Der Feind in meinem Haus

Randolph Tiefenthaler (Heino Ferch, l) und seine Frau Rebecca (Anja Kling, r). Foto: Simon Vogler

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt“ - so ließ der Dichter Friedrich Schiller einst seinen Helden Wilhelm Tell sprechen. Von dieser Thematik erzählt der TV-Psychothriller „Angst - Der Feind in meinem Haus“, der an diesem Montag (20.15 Uhr) im ZDF zu sehen ist.

Es beginnt ganz harmlos mit Plätzchentellern, die der ältere Herr vor die Tür der neuen Nachbarn in einer schönen Villa in Berlin stellt. Das Ehepaar Randolph (Heino Ferch) und Rebecca (Anja Kling) Tiefenthaler kann sich darüber nicht allzu lange freuen, denn bald darauf steht der Nachbar, Dieter Tiberius (großartig: Udo Samel), plötzlich im Waschkeller, macht Rebecca leicht anzügliche Komplimente und spricht von deren „niedlichen Kindern“. Nach einer guten halben Stunde ist es mit der vorsommerlichen Idylle endgültig vorbei, denn in einem Brief beschuldigt der allein lebende Mann das Ehepaar, die eigenen Kinder sexuell zu missbrauchen.

Beide hatten Herrn Tiberius zunächst für einen Spinner gehalten. Als der jedoch sogar eine Anzeige gegen die Tiefenthalers stellt, bietet Randolph ihm die Kostenübernahme für den Umzug in eine neue Wohnung an, plus 10 000 Euro. Tiberius schlägt das Angebot aus, sie streiten sich, und es kommt zu einer Verzweiflungstat, in die auch Randolphs Vater Hermann (mutig: Dietrich Hollinderbäumer) verstrickt wird.

Es ist spannend zu sehen, wie angesichts der ungeheuren Verleumdungen die pure Verzweiflung immer mehr von dem zunächst hilflos agierenden Ehepaar Besitz ergreift, das von Anja Kling (sehr emotional) und Heino Ferch (sehr beherrscht) ebenso eindringlich wie glaubhaft verkörpert wird. Sie stehen das gemeinsam durch, obgleich sie vermutet, dass er eine Affäre hat, weil sie ihn oft nicht in seinem Architektenbüro erreicht - doch er arbeitet lieber im Restaurant, weil die Atmosphäre ihn dort inspiriert und er offenbar nicht gerne nach Hause kommt.

Dabei ist es daheim schön, das Wetter im Film ist meist sonnig, doch Kameraführung (Frank Küpper) und Musikaufbau (Christoph Zirngibl) wirken ständig bedrohlich. Regisseur Thomas Berger (57, hat für die ARD und mit Heino Ferch zwei „Allmen“-Filme gedreht) sagte dem ZDF über den Drehbuchautor: „Dirk Kurbjuweit hat diese Geschichte am eigenen Leib erlebt. Er hat in seinem gleichnamigen Roman die Angstspirale minutiös nachgezeichnet. Er stellt die moralischen und ethischen Vorstellungen seiner Hauptfiguren auf eine harte Probe und lässt uns an deren Verfall teilhaben - Wie hättest Du gehandelt? Diese Frage steht unsichtbar unter jeder Seite, die Kurbjuweit geschrieben hat.“

Das stimmt, nur das zwar überraschende, jedoch nicht ganz passend wirkende Ende (Stichwort: Selbstjustiz) ist sehr krimilastig und ziemlich unrealistisch. Es bleibt die Frage, wie sehr auf die Justiz und den Rechtsstaat in so einem Fall noch Verlass ist und wie solch eine Geschichte im echten Leben überhaupt auszuhalten ist - hier sei zum Schluss die Mutter im Film zitiert: „Die Angst vor der Hölle ist schon die Hölle“.

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