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Traurige Nachricht im Essener Landgericht

Apotheker-Prozess: „Whistleblowerin“ klagt Missstände an

ESSEN/BOTTROP Im Prozess um angeblich gestreckte Krebsmedikamente erhebt eine Ex-Mitarbeiterin schwere Vorwürfe. Begonnen hatte der achte Verhandlungstag am Essener Landgericht allerdings mit einer ganz traurigen Nachricht.

Apotheker-Prozess: „Whistleblowerin“ klagt Missstände an

Der angeklagte Apotheker geht im Landgericht in Essen zu seinem Platz. Eine ehemalige Mitarbeiterin erhob schwere Vorwürfe. Foto: dpa

Die Verhandlung am Landgericht in Essen hatte am Mittwoch eigentlich noch gar nicht richtig angefangen, als Richter Johannes Hidding mitteilte, dass eine der krebsbetroffenen Nebenklägerinnen in der vergangenen Woche verstorben ist. Sofort ging ein Seufzen durch den Zuschauerraum. Viele im Saal sahen betroffen nach unten.

Keinerlei Wirkstoff

Die schlimme Nachricht wurde auch von einer ehemaligen Mitarbeiterin der Bottroper Apotheke aufgenommen, die die Ermittlungen gegen den angeklagten Bottroper Apotheker erst richtig ins Laufen gebracht hatte. Die pharmazeutisch-technische Angestellte, die als „Whistleblowerin“ gilt, hatte der Polizei ein Krebsmedikament übergeben, in dem sich keinerlei Wirkstoff befunden haben soll.

Die 55-Jährige war seit März 2015 in der Bottroper Apotheke angestellt. „Ich habe mich sehr gefreut, dass ich dort Arbeit bekommen habe“, sagte sie den Richtern. Es habe jedoch nicht lange gedauert, bis ihr erste Hygiene-Missstände aufgefallen seien. So habe es für die Reinigung des Labors nur einen „alten Wischmop“ gegeben, außerdem habe ihr Chef das Labor in Straßenkleidung betreten. „Das kannte ich von meiner früheren Stelle in einem Krankenhaus nicht“, sagte die Zeugin den Richtern.

Prozess gegen Bottroper Apotheker

Die ehemalige Mitarbeiterin der Bottroper Apotheke wartet am Mittwoch vor dem Gerichtssaal in Essen.
Der Angeklagte steht an seinem Platz zwischen seinen Anwälten. Der 47 Jahre alte Apotheker soll seit 2012 fast 62 000 Krebsmedikamente gepanscht haben.
Der Angeklagte auf dem Weg zu seinem Platz im Gerichtssaal.
Die Zeugin betritt den Gerichtssaal.
 Für die Reinigung des Labors in der Bottroper Apotheke habe es nur einen „alten Wischmop“ gegeben, sagt die Zeugin im Prozess aus.

Später sei dann aber noch ein anderer schlimmer Verdacht hinzugekommen. Sollten Krebsmedikamente möglicherweise gestreckt worden seien? „Ich hatte Zweifel an der richtigen Dosierung“, sagte die Zeugin den Richtern. So seien ihr bei einem knallroten Wirkstoff trotz gleicher Mengenangaben unterschiedliche Rottöne aufgefallen.

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Um auf Nummer sicher zu gehen, habe sie sich mehrere Antikörper-Therapien herausgesucht und geschüttelt. „Ich wusste aus der Klinik, dass sie dann schäumen“, sagte sie den Richtern. „Diese hier schäumten aber nicht.“

Am Ende sei sie schließlich zur Polizei gegangen. „Ich konnte nicht mehr zugucken und mir vorstellen, wie viele Menschen da zu Schaden kommen, die ihre letzte Hoffnung in die Therapie stecken.“ Nach der anschließenden Durchsuchung der Bottroper Apotheke und nach der Festnahme ihres Chefs war der 55-jährigen sofort fristlos gekündigt worden.

Für die Weitergabe interner Kenntnisse war die Zeugin in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem früheren kaufmännischen Leiter der Bottroper Apotheke mit dem Whistleblowerpreis ausgezeichnet worden.

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