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Anschlag in New York

„Das erste, was ich dachte, war: Terroristen“

New York Tausende Geschäftsleute, Schüler und Touristen halten sich täglich an der Südspitze Manhattans auf. Der Kleinlaster-Angriff eines 29-Jährigen mit acht Toten zielt auf eine der geschäftigsten Gegenden New Yorks - die mit der Angst vor Terrorismus allzu vertraut ist.

„Das erste, was ich dachte, war: Terroristen“

Endstation nach 20 Häuserblocks und vielen Toten: Polizisten untersuchen den Pick-up-Truck des Attentäters.

Es ist gegen 15 Uhr nachmittags (Ortszeit), als Eugene Duffy seine Arbeitsschicht als Koch in einem Restaurant im Süden Manhattans beendet. Er will rausfahren auf die Halbinsel Rockaway, um mit seinem Vater das Baseball-Endspiel der World Series zu gucken, die Mütze der Houston Astros trägt er schon.

Doch als Duffy eine Kreuzung unweit des World Trade Center überquert und eine Frau schreien hört, merkt er, dass etwas nicht stimmt. Er sieht einen Kleintransporter, der mit hohem Tempo über einen Fahrradweg rauscht, dann zwei Fahrradfahrer, die tot am Boden liegen. „Das erste was ich dachte, war: Terroristen.“

Viele Menschen unterwegs Der Terrorakt mit mindestens acht Toten und elf Verletzten trifft eine der geschäftigsten Gegenden New Yorks, mitten am Dienstagnachmittag - und dazu noch an Halloween. Tausende Menschen arbeiten hier in Büros, gehen einkaufen, allein die nahegelegene Stuyvesant High School besuchen mehr als 3300 Schüler. Und mit Terrorismus ist diese Gegend allzu vertraut - das Denkmal für die Opfer der Anschläge vom 11. September 2001 besuchen täglich Tausende Touristen oder Angestellte, die mittags etwas Ruhe suchen und durchatmen wollen.

„Er fuhr sehr schnell, vielleicht 40 oder 50 Meilen pro Stunde“, sagt Augenzeuge Duffy der Deutschen Presse-Agentur über den Wagen, den er aus ein, zwei Blocks Entfernung sah. Trotz der rund 70 Stundenkilometer habe es gewirkt, als habe der Fahrer noch beschleunigt. Duffy habe sich gefragt: „Wer fährt um drei Uhr nachmittags auf einem Fahrradweg?“ Der Verkehr auf der West Street, die am Hudson River entlang führt, sei völlig normal gewesen, kein Stau oder dergleichen. „Jemand muss mehr haben als eine aggressive Fahrweise, um so etwas zu tun.“ Der 43-Jährige ist aufgelöst, er hat sich vor Reportern den Mund fusselig geredet und kaum verarbeiten können, was er da gesehen hat.

Reifenspuren auf der Brust Kurz nach dem Angriff sind die ersten Retter schon am Einsatzort. Die zwei Leichen, die er gesehen hat, beschreibt Duffy mit grauenvollen Details: Einer der Männer habe Reifenspuren auf der Brust gehabt, „seine Augen waren offen“. Ein Notarzt sei bei ihrem Anblick weiter gelaufen, um nach weiteren Opfern zu suchen. Sah er ihnen an, dass es für lebensrettende Maßnahmen zu spät war?

Laut Schilderung von Polizei und Bürgermeister Bill de Blasio kommt der von einem Heimwerkermarkt gemietete Lieferwagen bald darauf zum Stehen, als er einen Schulbus rammt - direkt vor der Stuyvesant High School. Die Insassen kommen offenbar mit dem Schock davon. Für Hunderte Schüler und deren Eltern müssen es Minuten der Angst sein, als sie auf ihren Handys und im Fernsehen die Nachrichten verfolgen.

"Schmerzhafter Tag" „Das ist ein schmerzhafter Tag für unsere Stadt“, sagt Bürgermeister de Blasio. „Eine schreckliche Tragödie auf der Westside.“ Es handele sich um einen „Terrorakt“ der feigesten Art und Weise. Polizeichef James O'Neill spricht von einer „Tragödie größten Ausmaßes“.

John Williams ist mit seinem Skateboard gerade auf dem Skate-Park, als ihm zwei Frauen mit Kindern entgegengerannt kommen. „Er hat eine Waffe“, habe jemand geschrien, sagt der 22-Jährige. Die zwei „Waffen“ entpuppen sich als aber ungefährlich - Williams und Duffy berichten trotzdem, bis zu zehn Schüsse gehört zu haben. Vermutlich sind es die Kugeln des Polizisten, der dem 29-jährigen Fahrer in den Bauch schießt, als dieser den Beamten gegenübersteht.

„Es ist schockierend“, sagt Duffy. „Ich wollte einfach nach Hause gehen und sehen, wie die Astros die World Series gewinnen. Es ist furchtbar.“ Die dunkelblaue Baseball-Cap trägt er immer noch. Deren Partie gegen die Los Angeles Dodgers will er trotzdem gucken, obwohl er heute Zeuge eines Terrorakts wurde: „Vielleicht wird mir das Spiel heute Abend helfen, es zu verarbeiten.“

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