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Multimedia-Reportage

Das ist der kürzeste Weg von Dortmund ans Meer

DORTMUND Alle wollen Meer. Nur ist es vom Ruhrgebiet bis zum herrlichen Wellenrauschen nicht gerade ein Katzensprung. Doch was, wenn einen die Sehnsucht packt? Von Dortmund ans Meer: Wir haben den Zirkel zur Hand genommen und zeigen den nächstgelegene Ort am Strand. Vom Münsterland aus ist der sogar noch schneller zu erreichen. Hier kommt eine Tagesration Urlaub.

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Sonne, Strand, Wasser – das Urlaubsgefühl ist nur zweieinhalb Autostunden entfernt.

Früher Fischer, heute (nebenbei) Touristenführer – und echter Urker: Das ist Jan van Urk.

Fällt direkt ins Auge: der Urker Leuchtturm.

Irgendwo da, in der Ijsselmeer-Brandung, liegt ein großer Stein. Als Kind habe man ihm erzählt, die Kinder kämen aus dem Stein, sagt Jan.

Auf den Marmorplatten am Denkmal in Urk stehen Name, Alter und Schiffsnummer der Männer, die auf dem Ijsselmeer umkamen. Einer von ihnen ist gerade einmal acht Jahre alt. Auch Jan hat Kollegen an das Meer verloren.

Viele Urker sind gläubige Christen. Auch Jan.

Wetter: gut. Ausblick: gut. Essen: gut. Der entspannte Teil des Touri-Tages in Urk.

Was sagen die Touristen zu Urk?

"Wir genießen die Ruhe und das Meerrauschen. Wir haben gerade auf einer Bank gesessen und auf's Meer rausgeguckt – ich gucke den Segelschiffen gerne zu, wie sie hin- und hersegeln. Wir sind hier wegen dem Ijsselmeer. An Urk speziell gefällt mir der schöne Hafen mit den schönen Segelschiffen. Aber, das war's eigentlich schon."

Michael Gerstner, Tourist aus Kaiserslautern

Und was sagen die Touristen in Urk?

"Es ist einfach schön als an deutscher Nordseeküste, weil es hier viel freier ist. Die Holläner sind einfach viel netter, viel offener, sie sind einfach zugänglicher. Sie kommen sofort an, fragen, ob man helfen kann – das ist einfach toll. Wir kommen Makkum und sind heute den ersten Tag richtig herumgefahren."

Tanja Greive, Touristin aus Hamm

Nur rund zweieinhalb Stunden fährt man bis nach Urk.

Jan Brokkelkamp ist zufrieden: Mit seiner heutigen Fang-Ausbeute kann der Fischer gut leben.

Ein langer Tag geht zu Ende.

Die Sommerferien in NRW gehen in die letzte Woche. Aber auch danach gibt es (hoffentlich) noch schöne Wochenenden und Tage, die man am Strand verbringen kann. Doch wie schnell kommt man eigentlich vom Ruhrgebiet und dem Münsterland ans Meer?

Ich will wissen, wo ist der nächstgelegene Ort am Meer. Und ich will hinfahren. Im Gepäck: Einen Tag Zeit, um die Gegend kennenzulernen. Was können Ein-Tages-Touristen vor Ort anstellen? Wo lohnt der Besuch, wo eher nicht?

Mit dem Zirkel auf der Landkarte

Nur rund zweieinhalb Stunden fährt man bis zum (Ijssel-)Meer. Foto: Silas Schefers

Die Suche beginnt mit dem Zirkel auf der Landkarte. Die Nadel steckt in Dortmund. Zugegeben: Keine sonderlich wissenschaftliche Methode. Aber sicher die einfachste. In den Niederlanden trifft die Bleistiftmine das erste Mal ins große Blau: ins Ijsselmeer. Nahe der Kreislinie liegt ein kleiner Ort mit einem kuriosen Namen: Urk. 

Doch nicht nur vom Ruhrgebiet aus ist es ein Katzensprung nach Urk – auch vom Münsterland aus lässt sich die kleine Stadt an der Westküste des Ijsselmeers gut erreichen. Rund zweieinhalb Stunden Fahrtzeit mit Auto kündigt mir das Navigationsgerät von Dortmund aus an. Knapp 240 Kilometer bis zum Urlaubsgefühl. Wer aus Münster oder Haltern losfährt, könnte sogar schon nach etwa zwei Stunden und 15 Minuten da sein, von Dorsten aus braucht man 2 Stunden und 3 Minuten und aus Ahaus geht es am schnellsten: 1 Stunde 50 Minuten. Also dann: Los geht's!

Im Video: Das ist Urk

Angekommen ist das Parken in Urk kein Problem. Ich rolle in das kleine Stadtzentrum – Schilder leiten mich direkt auf einen großen, kostenlosen Parkplatz am Hafen von Urk. Die Sonne scheint, der Wind geht. Gute Bedingungen für einen perfekten Ein-Tages-Urlaub.

Was ich in Urk zu sehen bekomme? So viel vorab: Ich habe in Urk den Leuchtturm, das Denkmal, eine Kirche, das Museum, den Hafen und einen Strand besucht. Auf dieser Karte sehen Sie meine Stationen.  

 

Gestatten? Jan van Urk

Früher Fischer, heute Touristenführer – und echter Urker: Das ist Jan van Urk. Foto: Silas Schefers

Bevor ich mich in Urk umsehe, möchte ich einen Urker kennen lernen. Ich treffe Jan van Urk. 20 Jahre war er selbst Fischer auf dem Ijsselmeer, anschließend Hafenmeister in Urk. Heute ist der 73-Jährige Touristenführer. Er kennt jede Gasse des kleinen Ortes, jeden Winkel, jeden Urker. Jan van Urk, das spüre ich schnell, ist ein echter Urker. So echt sogar, dass sein Nachname "van Urk" ist. Das sei eine große Familie auf Urk, wie er sagt. Ja, es heißt "auf Urk" – immer noch. Doch was ist der Grund dafür?

Wie Urk zu Festland wurde – kurz erklärt:
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Im Video erklärt Jan van Urk, wie es sich auf Urk lebt:

Als echter Urker weiß der 73-Jährige natürlich auch, was man als Tourist in Urk alles erlebt haben muss. Hier seine Empfehlungen:

  • Hafen in Urk
  • Ginkies-Tour (mehr Infos zu den geführten Touren durch die Urker Gassen finden Sie hier)
  • Denkmal für Schiffbrüchige
  • Leuchtturm
  • Fischhalle in Urk  

Der ehemalige Fischer hat Zeit, mir einige der Urker Sehenswürdigkeiten genauer zu zeigen. Wir zwängen uns durch die engen Gassen des alten Fischerdorfs und stehen vor einem kleinen Leuchtturm, unserer ersten Station.

Der Leuchtturm

 

DER LEUCHTTURM

Jan van Urk kennt jeden. Also wirklich: jeden. Auch den Herrn, der hinter der Kasse im alten Leuchtturm sitzt. Wir steigen keuchend die Stufen im engen Treppenhaus hinauf. Eine kleine Stahltür, dahinter: ein schmaler Balkon. Und vor uns: das Ijsselmeer. Der Wind peitscht laut um das kleine rote Bauwerk. Auch, wenn Urk nicht an der Nordsee liegt – eine steife Meeresbrise weht auch hier.

Fällt direkt ins Auge: der Urker Leuchtturm. Foto: Silas Schefers

 

Irgendwo da, in der Ijsselmeer-Brandung, liegt ein großer Stein mit einer Legende.  Foto: Silas Schefers

Oben auf dem Leuchtturm, dem Herzstück des Ortes, kann man über die Stadt blicken. Über die Altstadt, den Hafen, die kleinen Strände, den Deich, einen Windpark. Jan van Urk lehnt am Geländer. Er deutet auf einen Felsbrocken in der Ijsselmeer-Brandung. Um ihn, meint Jan van Urk, dreht sich eine Legende. "Früher hat man uns erzählt, die Kinder wären aus dem Stein gekommen", sagt er und lacht.

Hier ein Rundumblick von oben auf dem Leuchtturm:

Das müssen Sie zum Leuchtturm wissen





 

Das Denkmal

DAS DENKMAL

Ein paar Meter weiter weht der Wind ruhiger. Und ruhiger wird auch Jan van Urk. Vor uns steht ein Denkmal. Eine Frau, sagt er, die sich noch einmal zum Meer umsieht. Dem Meer, in dem ihr Mann, ihr Bruder, ihr Sohn, wer auch immer, gestorben ist. Denn auch das gehört zum Idyll des Fischerdorfes: Immer wieder kam es zu Unfällen auf dem Ijsselmeer. Auch heute noch kommen Fischer in Seenot. Inschriften verraten, wer wann und auf welchem Boot umgekommen ist. Einer der Toten war gerade einmal acht Jahre alt.

Auch Jan van Urk hat Kollegen an das Meer verloren. Foto: Silas Schefers

Hier zu sein, sei besonders für ihn, sagt Jan van Urk. Auch heute noch. Als die Schiffe "UK91" und "UK223" raus fuhren aufs Meer, an diesen stürmischen Tagen im Jahr 1967 und 1968, fuhr auch er auf See. "Kollegenschiffe" nennt er sie noch heute. Alles, was heute noch an die beiden Fischerboote erinnert, sind Inschriften auf einer Steinplatte.  Die "UK91" und die "UK223" kehrten nie zurück in den Hafen. Jan van Urk schon. "Es ist unglaublich, dass wir zurückgekommen sind", sagt er heute.  

Die Kirche

 

DIE KIRCHE

Die Urker sind gläubige Menschen. Auch Jan van Urk. 20 Kirchen gebe es auf Urk, regelmäßig seien sie voll, meint er. Egal, ob jung oder alt: Die Urker gehen in die Kirche. Wir bleiben vor einem großen Exemplar stehen. Über der Pforte der Schriftzug: Bethelkerk – Bethelkirche. Drinnen probt spielt jemand Orgel.  

 

Viele Urker sind gläubige Christen. Auch Jan van Urk. Foto: Silas Schefers

Warum sind die Urker so gläubig? Von der Kirchendecke hängt ein großes Schiffsmodell. Ein Symbol, so beschreibt es mir Jan van Urk. Für die Verbundenheit von Natur und Gott. Für die Gläubigkeit der Urker. Und wahrscheinlich auch: dafür, dass die Fischerei, von der Urk noch immer lebt, nicht bloß Arbeit ist. Dass dieser Beruf mehr bedeutet. Dass Gott seine Finger im Spiel hat.

Aber die Kirche ist mehr als das. Sie ist – auch auf Urk – Treffpunkt. Hier kommen die Bewohner zusammen, zum Reden, und häufig auch zum gemeinsamen Singen. Regelmäßig finden in der Bethelkirche rührende Chor- und Orgel-Konzerte statt. Auch heute. Später sei ein Konzert, meint Jan van Urk.

Wie es ist, bei einem Chorkonzert in der Bethelkirche? Hier ein Eindruck:

 

Chorkonzert in der Bethelkirche in Urk

Ein Beitrag geteilt von Ruhr Nachrichten (@rnlive) am 18. Aug 2017 um 6:20 Uhr

Das Museum

DAS MUSEUM

Nur ein paar Meter weiter steht das Museum "Das Alte Rathaus", das Heimatmuseum des Ortes Urk. Man sieht: alte Trachten, alte Dokumente, alte Bilder und vor allem: Schiffe, Schiffe, Schiffe. Vieles dreht sich im Museum um die alte Fischerei. Jan van Urk kann viel darüber erzählen – und er erzählt gerne über die Fischerei. Denn die Fischerei, das war sein Leben.

Hier ein Rundumblick im Heimatmuseum:

Für Touristen ist das Museum zwar spannend, aber sicher nicht die spannendste aller Urker Sehenswürdigkeiten. Wer herkommt, sollte sich Zeit nehmen für die Geschichte des kleinen Fischerdorfes. Und er sollte sich für Schiffe interessieren.

Das müssen Sie zum Museum wissen






 

Ich verabschiede mich von Jan van Urk und ziehe alleine weiter durch Urk, denn noch habe ich nicht alles vom Ort gesehen: Der Hafen fehlt noch, der Strand ebenso. Und gegessen habe ich auch noch nicht.  

Der Hafen

DER HAFEN

Es riecht nach Meer. Fischgeruch zieht über das Hafengelände. Vor einem großen Tor sammelt sich ein Pulk von Menschen. Früher Nachmittag in Urk, das heißt: Frischfischanlieferung im Hafen. Und im Sommer vor allem: Aale ohne Ende. Die Tiere landen in riesigen Eimern, werden gewogen und verkauft. Für die Touristen ein Spektakel. Für die Fischer: ein Knochenjob.

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Sonne, Strand, Wasser – das Urlaubsgefühl ist nur zweieinhalb Autostunden entfernt.

Früher Fischer, heute (nebenbei) Touristenführer – und echter Urker: Das ist Jan van Urk.

Fällt direkt ins Auge: der Urker Leuchtturm.

Irgendwo da, in der Ijsselmeer-Brandung, liegt ein großer Stein. Als Kind habe man ihm erzählt, die Kinder kämen aus dem Stein, sagt Jan.

Auf den Marmorplatten am Denkmal in Urk stehen Name, Alter und Schiffsnummer der Männer, die auf dem Ijsselmeer umkamen. Einer von ihnen ist gerade einmal acht Jahre alt. Auch Jan hat Kollegen an das Meer verloren.

Viele Urker sind gläubige Christen. Auch Jan.

Wetter: gut. Ausblick: gut. Essen: gut. Der entspannte Teil des Touri-Tages in Urk.

Was sagen die Touristen zu Urk?

"Wir genießen die Ruhe und das Meerrauschen. Wir haben gerade auf einer Bank gesessen und auf's Meer rausgeguckt – ich gucke den Segelschiffen gerne zu, wie sie hin- und hersegeln. Wir sind hier wegen dem Ijsselmeer. An Urk speziell gefällt mir der schöne Hafen mit den schönen Segelschiffen. Aber, das war's eigentlich schon."

Michael Gerstner, Tourist aus Kaiserslautern

Und was sagen die Touristen in Urk?

"Es ist einfach schön als an deutscher Nordseeküste, weil es hier viel freier ist. Die Holläner sind einfach viel netter, viel offener, sie sind einfach zugänglicher. Sie kommen sofort an, fragen, ob man helfen kann – das ist einfach toll. Wir kommen Makkum und sind heute den ersten Tag richtig herumgefahren."

Tanja Greive, Touristin aus Hamm

Nur rund zweieinhalb Stunden fährt man bis nach Urk.

Jan Brokkelkamp ist zufrieden: Mit seiner heutigen Fang-Ausbeute kann der Fischer gut leben.

Ein langer Tag geht zu Ende.

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