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Mit Fotostrecke

Der Fledermausflüsterer zu Gast in Netteberge

SELM Irmgard Devrient und Reinhard Wohlgemuth aus Holzwickede haben ein etwas anderes Hobby. Das Paar pflegt kranke und verletzte Fledermäuse. Beim Sauerländischen Gebirgsverein in Netteberge haben sie ihre beiden Fledermausweibchen präsentiert und sich allen Fragen von Jung und Alt gestellt. Wir haben viele Fotos gemacht.

Der Fledermausflüsterer zu Gast in Netteberge

Reinhard Wohlgemuth kennt sich mit Fledermäusen aus.

Die pelzigen braunen Tierchen wollen nicht so recht ans Licht. In dem dunklen Holzkasten, in dem sie angereist sind, war es nämlich schön. Und auch in der Innentasche von Irmgard Devrient ist es gemütlich und warm. Doch die 79-Jährige bleibt eisern. Auch wenn die kleinen Abendsegler ihre Zähnchen fletschen und mit den Knopfaugen blinken. Gemeinsam mit Reinhard Wohlgemuth (78) zeigt Devrient Kindern und Erwachsenen, wie Fledermäuse aus der Nähe aussehen.

Das Paar aus Holzwickede pflegt verletzte und kranke Fledermäuse. Kürzlich waren sie zu Gast beim Sauerländischen Gebirgsverein. Auf einer Tischtennisplatte vor dem SGV-Heim in Netteberge haben sie den Kasten aufgebaut und die beiden Fledermausweibchen gezeigt.

Kinder und Eltern sind fasziniert

„Darf ich sie mal anfassen?“, fragt ein Junge. „Ja, du darfst sie streicheln“, sagt Reinhard Wohlgemuth. „Aber besser oben auf dem Rücken, sonst beißt sie dich vielleicht.“ Jetzt wollen auch Emil (5) und sein kleiner Bruder Felix einmal streicheln. Und so geht Wohlgemuth reihum.

Die Erwachsenen sind genauso fasziniert wie ihre Kinder. Handys und Kameras sind gezückt. Ein Mädchen fragt: „Warum haben diese Fledermäuse eigentlich nur so kleine Ohren? Manche haben viel größere.“ Andere wollen wissen, wie alt Fledermäuse werden. Auf alle Fragen gibt es eine Antwort.

Kaputter Flügel

„Wie heißen die beiden eigentlich?“ Der achtjährige Mats steht bei Irmgard Devrient und möchte ganz viel wissen. Sie lächelt. „Beide sind Weibchen. Eine heißt Henning, und die andere heißt Stacheldraht.“ Mats runzelt die Stirn, doch die 79-Jährige erklärt die – nun ja – unkonventionellen Namen ihrer Schützlinge. „Die eine wurde uns von einem Mann namens Henning gebracht. Die andere war in einem Stacheldrahtzaun hängengeblieben.“

Reinhard Wohlgemuth spreizt vorsichtig beide Flügel der Fledermaus ab, um zu zeigen, wo sie verletzt wurde. „So sieht ein gesunder Flügel aus, und hier ist der kaputte.“

Man wundert sich, wie der Mann es mit seinen großen Händen schafft, die zarten Flügel so sanft zu halten. Wenn die Tiere unruhig werden, pustet er ihnen sanft auf den Rücken. Dann halten sie still. „Er ist der Fledermausflüsterer“, sagt Devrient und lacht.

Fledermäuse können beißen

Dann wird es den beiden Abendseglern allmählich zu viel. „Sie beißen mich gerade“, sagt Wohlgemuth und lächelt dabei gelassen. Er öffnet die Holzkiste. Flink krabbeln die Publikumslieblinge hinein, verstecken sich hinter Tüchern und in einer Nische. Die Tür geht zu. Feierabend für die Abendsegler.

Doch das Staunen nimmt immer noch kein Ende. Denn jetzt sind die Fledermäuse des SGV „dran“. Aus den Fledermauskästen, die am Giebel des SGV-Heims hängen, fängt Wohlgemuth eine Fledermaus und bringt sie vorsichtig herunter.

Wer noch dachte, dass die Abendsegler klein waren, wird jetzt eines Besseren belehrt. „Das ist eine Zwergfledermaus“, verkündet Wohlgemuth. Das winzige Gesicht ist gerade einmal so groß wie sein kleiner Fingernagel. Der Knirps bringt stolze 4,8 Gramm auf die Waage. Zum Vergleich: Die beiden Abendsegler wiegen zwischen 50 und 65 Gramm.

Bis nach Madrid

Dann bekommt die Mini-Maus einen Ring um den Unterarm. So können die Experten feststellen, wie weit die Tiere reisen oder ob sie die gleichen Quartiere wieder anfliegen. „Eine dieser Fledermäuse ist mal bis nach Madrid geflogen“, weiß Wohlgemuth.

Behutsam drückt er den Ring zu, so dass er locker sitzt. Dann lässt er die kleine Fledermaus wieder fliegen. Und nicht nur die Kinder schauen ihr andächtig hinterher.

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