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Interview mit Harry Potter-Dirigent

„Du erlebst den Film in einer anderen Art und Weise“

NRW Der Film läuft auf einer Großbildleinwand, die Musik dazu kommt von einem Live-Orchester. Harry Potter in Concert geht in die zweite Runde. Am 3. Januar 2018 gibt es für die Fans der von J.K. Rowling kreierten Zauberwelt die Möglichkeit, „die Kammer des Schreckens“ ,begleitet von der Neuen Philharmonie Westfalen, live in der König-Pilsener-Arena in Oberhausen zu erleben. Wir haben mit dem leitenden Dirigenten Benjamin Pope über die Leidenschaft für Harry Potter und die Besonderheiten des Konzerts gesprochen.

„Du erlebst den Film in einer anderen Art und Weise“

Harry Potter und die Kammer des Schreckens – in Concert: Der Film läuft auf einer Großbildleinwand, dazu spielt ein Orchester live die passende Filmmusik.

Winterzeit ist Harry Potter-Zeit. Da sind sich viele Fans einig. Anstatt im Wohnzimmer können sich Fans nun am 3. Januar 2018 den zweiten Harry Potter-Film in der König-Pilsener-Arena bei Livemusik ansehen. Dann wird die Neue Philharmonie Westfalen unter der Leitung von Benjamin Pope die unvergessliche Filmmusik von John Williams zu Harry Potter und die Kammer des Schreckens aufführen. Währenddessen läuft der Film auf einer Großbildleinwand. Wir haben mit Benjamin Pope über die Leidenschaft für Harry Potter und die Besonderheiten des Konzerts gesprochen.

Benjamin Pope – sind Sie auch so ein großer Harry Potter-Fan wie ich?

Auf jeden Fall. Es ist eine lustige Geschichte: Meine Frau war vor 17 Jahren schwanger mit unserem ersten Kind. Aber wir hatten schon eine Tour durch Europa mit einem Campingvan geplant. Sie hatte aber wegen der Schwangerschaft Schwierigkeiten zu schlafen. Also habe ich ihr vorgelesen – aus den Harry Potter-Büchern. Das Ergebnis: Wir gaben unserem Sohn den Namen Harry. Die Geschichte hat immer einen besonderen Platz in unseren Herzen und ist immer Teil unseres Familienlebens. Unser Sohn und unsere Tochter sind nun auch große Fans. Mein Sohn hat die größte Zauberstab-Sammlung, die man sich vorstellen kann.

Lassen Sie uns über Ihren Job als Dirigent der Neuen Philharmonie Westfalen sprechen, mit der Sie in Oberhausen am 3. Januar auftreten. Arbeiten Sie mit diesem Orchester zum ersten Mal zusammen?

Ja. Es ist aber nicht das erste Mal, dass ich in Deutschland arbeite. Ich habe bereits viele Orchester dort dirigiert – die Staatskapelle in Dresden und Berlin sowie die Deutsche Oper. Es ist immer spannend, mit neuen Musikern zu arbeiten – man entwickelt eine Beziehung zueinander.


Was ist so besonders für das Publikum bei Harry Potter in Concert?

Es ist eine sehr besondere Erfahrung. Du erlebst den Film in einer völlig anderen Art und Weise als im Kino. Vor dem Konzert sage ich dem Publikum immer, dass es Geräusche machen darf. Es ist kein normales Konzert. Wenn sie ihren Lieblingscharakter sehen, dürfen sie ruhig jubeln. Wenn sie Malfoy sehen, dürfen sie ruhig buhen. Wenn Snape auftaucht oder Alan Rickman im Abspann erscheint, dann applaudieren die Leute. Das ist so berührend. Viele kommen auch verkleidet in ihren Umhängen – und verteidigen ihr Haus. Da kommt eine enorme Energie vom Publikum. Und die Livemusik wirkt einfach anders als im Kino. Sie ist viel präsenter. Du fühlst sie in deinem Körper.

Was ist die Herausforderung für Sie und das Orchester?

Wir spielen Livemusik. Da gibt es keine Unterbrecher, wie bei einer Studioaufnahme. Wir spielen es exakt genauso, wie John Williams es aufgenommen hat. Ich als Dirigent sehe den Film auf einem Bildschirm vor mir – und ich sehe Hinweise, die das Publikum nicht sieht. Wenn wir mal an ein Quidditch-Spiel denken: Die Musik ist exakt auf die verschiedenen Bewegungen zugeschnitten.

Wenn jemand einen Punkt macht oder getroffen wird, ändert sich die Musik. Wenn zum Beispiel Harry im ersten Film in seiner Kammer unter der Treppe zu sehen ist, endet die Musik mit einem „Ping“, wenn das Licht im Raum angeht. Momente wie diese zeigen: Du musst dir sicher sein, dass Musik und Film perfekt synchron sind. Das ist die Schwierigkeit, aber gleichzeitig ist es ja das Ziel des Konzertes.

Welches Musikstück gefällt Ihnen im zweiten Harry Potter-Film am besten?

Ich denke, es ist die Szene mit den Spinnen. Dieser Teil ist sehr stark und energisch. Und auch angsteinflößend. Er trägt viele Emotionen mit sich. Dieses Stück ist auch eins der schwierigsten, weil es sehr schnell ist. Da muss man wieder mit den Bildern mithalten können

Viele Fans kriegen Gänsehaut, wenn sie Filmmusik von John Williams hören. Was an seiner Musik für die Harry Potter-Filme ist so besonders?

Er hat ein wahnsinniges Talent für absolut perfekte Melodien, mit denen er genau die richtige Stimmung trifft. Man denke da nur an Hedwig’s Theme. John Williams hatte einfach eine so melodische und harmonische Idee für diese magische Situation. Die Musik ist völlig perfekt.

Er schreibt mit viel Emotion, er weiß genau, wie man ein Drama unterstreicht und wie man dem Publikum sagt, was es fühlen soll.

Er hat das Talent, dich zu bewegen. Es gibt eine Szene im ersten Film, wenn Harry in seiner ersten Nacht allein in Hogwarts ist. Es ist unglaublich berührend. Und das wäre es nicht so sehr ohne seine Musik. Sie ist so detailreich, das ist so faszinierend. Er ist einfach ein Genie.

Unterstützt die Musik den Film oder der Film eher die Musik?

Ich denke, die Musik unterstützt immer den Film – das ist der Zweck der Musik. Aber beim Livekonzert ist es viel mehr eine Partnerschaft als im Kino. Eben weil du viel mehr auf die Musik achtest, wenn sie live ist. Die Musik wird präsenter und ihre Rolle wichtiger.

Was hat Livemusik bei einem Film für eine Wirkung?

Die Musik hat eine direkte Wirkung auf das Publikum. Du fühlst die Musik und siehst sie auch in Form des Orchesters vor dir. Das ist eine ganz andere Energie. Ich habe mir das Konzert auch mal als Zuhörer angesehen – du vertiefst dich zwar in den Film, aber dann zieht wieder etwas im Orchester die Aufmerksamkeit auf dich.

Würden Sie gerne auch die nächsten Harry Potter-Filme in Concert dirigieren?

Ich würde es gerne machen. Mit den Filmen ändern sich auch die Komponisten – John Williams konnte nicht alle Filmmusiken komponieren. Das ist ein interessanter Wechsel – das mindert aber nicht die Qualität.

Wenn Sie könnten: Welchen Zauberstab würden Sie zum Dirigieren benutzen?

Rein vom optischen her würde ich wahrscheinlich Voldemorts Zauberstab benutzen. Der sieht einem Taktstock am ähnlichsten, denke ich. Aber so wie bei den Zauberern sucht sich wahrscheinlich auch hier der Taktstock den Dirigenten aus. Diesen Satz werde ich beim nächsten Konzert in meine kleine Rede einbringen. Ich versuche es auch auf Deutsch.

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