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Havarie wegen „Herwart“

Frachter sitzt weiter vor Langeoog fest

Langeoog/Berlin Die meisten Trümmer sind beseitigt, Bäume von den Bahnstrecken entfernt, die Züge rollen wieder - doch das Sturmtief „Herwart“ wirkt nach: Vor der Insel Langeoog sitzt noch immer ein Frachter fest.

Frachter sitzt weiter vor Langeoog fest

Der Frachter „Glory Amsterdam“ liegt noch immer in der Deutschen Bucht vor Langeoog auf Grund. Foto: dpa

Vor der Nordseeinsel Langeoog bereiten die Auswirkungen des Sturmtiefs „Herwart“ auch einige Tage nach dem Abflauen der Orkanböen noch große Probleme. Dort kommt die Bergung des 225 Meter langen Schüttgutfrachters „Glory Amsterdam“ mit gut 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel in den Treibstofftanks nur langsam voran. „Wir hoffen, dass wir es vor dem Wochenende erledigt haben“, sagte der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees. Experten berieten am Dienstag darüber, wie und wann das Schiff von der Sandbank befreit werden kann. Umweltschützer und Fischer blicken derweil mit Sorge auf den gestrandeten Frachter.

Vier Tote in Deutschland

„Herwart“ hatte am Wochenende allein in Deutschland mindestens vier Menschen das Leben gekostet. Umstürzende Bäume richteten hohen Sachschaden an, doch am Dienstag lief der Bahnverkehr fast überall wieder rund. Auf der ostfriesischen Insel Wangerooge riss die Sturmflut ein großes Stück des Badestrandes weg - über Nacht entstand dort eine mehrere Meter hohe Steilküste.

Frachter sitzt weiter vor Langeoog fest

Ein Spaziergänger geht am 30.10.2017 auf dem Nordoststrand von Wangerooge, wo das Sturmtief „Herwart“ eine steile Abbruchkante an den Dünen verursacht hat. Der bei der Sturmflut weggespülte Strand soll im Frühjahr 2018 wieder aufgeschüttet werden. Foto: dpa

Ursprünglich sollten Schlepper die „Glory Amsterdam“ schon am Montagabend von der Sandbank ziehen. Doch das Havariekommando musste seine Pläne ändern, weil die Wassertiefe selbst bei Hochwasser dafür nicht ausreichte. Die Experten suchten am Dienstag deshalb nach einer Alternative. Nun wollen sie die 22.000 Tonnen Ballastwasser abpumpen, die das unbeladene Schiff stabil auf See halten sollten. Gleichzeitig sollen zwei Hochseeschlepper es mit rund 1000 Meter langen Schleppleinen sichern. Der Wind könnte den leichter werdenden Frachter sonst noch weiter aufs Land treiben, erläuterte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich.

Der Unglücksfrachter sei eine erhebliche Gefahr für den Nationalpark Wattenmeer, in dem zurzeit zahlreiche Watvögel, Enten und Gänse rasteten, teilte die Umweltschutzorganisation WWF mit. Die deutschen Kutter- und Küstenfischer befürchten, dass Öl die Fanggebiete über Monate verschmutzen könnte.

Treibstoffe sollen nicht abgepumpt werden

Dennoch haben sich die Bergungsspezialisten dagegen entschieden, die Treibstoffe vorsorglich abzupumpen. „Das Schiff ist sicher und weist keine Risse auf“, sagte Friedrich. Beim Abpumpen bestehe erst recht die Gefahr, dass Öl ins Wasser gelange. Ein Ölüberwachungsflugzeug fliegt regelmäßig über das Gebiet rund um den Frachter. Ausgetretenes Öl hat es nach Angaben des Havariekommandos bisher nicht entdeckt.

Berlin/Hamburg Der Sturm ist abgezogen, die Bahn räumt blockierte Gleise frei. Die Schäden reichen weit über die Schienenstrecken hinaus. Tote sind zu beklagen - nicht nur in Deutschland. Vor der Insel Langeoog lief ein Frachter auf Grund. mehr...

Die „Glory Amsterdam“ war am Sonntag in der Deutschen Bucht abgetrieben. Während des Sturms riss sich der Anker los. Schlepper versuchten zu verhindern, dass der manövrierunfähige Frachter auf die Sandbank zwei Kilometer vor Langeoog treibt. Doch die Schleppleine riss während des Sturms mit bis zu sieben Metern hohen Wellen immer wieder. 22 Seeleute sind auf der „Glory Amsterdam“. Ihnen geht es nach Angaben des Havariekommandos gut. Ein Mechaniker habe bisher erfolglos versucht, die Ruderanlage zu reparieren, sagte Friedrich. Diese sei blockiert, was die Bergung zusätzlich erschweren könne.

Schärfere Sicherheitsvorschriften gefordert

Niedersachsens grüner Umweltminister Stefan Wenzel forderte angesichts der schwierigen Bergung schärfere Sicherheitsvorschriften im Schiffsverkehr. Außerdem seien strengere Bauvorschriften vor allem für Tanks und Ruderanlagen nötig.

Zwei Tage nach Sturmtief „Herwart“ waren fast alle Bahnstrecken im Norden wieder befahrbar. Lediglich die Strecke zwischen Hamburg-Harburg und Cuxhaven war am Dienstag noch gesperrt, wie ein Bahnsprecher am Morgen sagte. Die wichtige Verbindung Hamburg-Berlin war am Montagnachmittag freigegeben worden.

Der Oktober 2017 dürfte vielen Menschen wegen der Herbststürme „Xavier“ und „Herwart“ in Erinnerung bleiben. Nach der vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war der Monat mit einer Durchschnittstemperatur von 11,1 Grad Celsius aber auch einer der zehn wärmsten Oktobermonate seit dem Beginn flächendeckender Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1881.

Mehrere Menschen fanden in dem Sturm den Tod. Am Sonntag ertrank ein Camper aus Nordrhein-Westfalen in der Sturmflut an der Nordsee. Ein 61-jähriger Jäger aus dem Emsland wurde am Montag in Prangendorf in Mecklenburg-Vorpommern laut Polizei unter einem umgestürzten Hochsitz tot aufgefunden. Ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern kamen zwei Menschen ums Leben, die trotz Sturmwarnung mit einem kleinen Motorboot auf den aufgewühlten Peenestrom hinausgefahren und gekentert waren. Die Suche nach einem dritten Bootsinsassen blieb zunächst erfolglos.

von dpa

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