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Luftverschmutzung

Geld spielt keine Rolle - das Problem mit den E-Bussen

NRW Feinstaub, CO2, Stickstoffdioxid – im Kampf gegen Abgase setzt die Politik auf den Ausbau der Elektromobilität. E-Busse sollen dabei Vorreiter sein, Fördermittel fließen reichlich. Trotzdem gibt es kaum welche. Warum eigentlich? Wir zeigen, wo es hakt, wo die wirklichen Probleme liegen, in welchen Städten Deutschlands es Modellprojekte gibt und wie die Verkehrsbetriebe der Region mit E-Bussen umgehen.

Fehlende Reichweite und ein fehlendes Ladenetz: Das sind die gängigsten Argumente für viele Autofahrer gegen den Kauf eines Elektro-Autos. Für öffentliche Buslinien gelten diese Punkte vermeintlich nicht: Schließlich fährt ein Linienbus ja planbar eine feste Route. Außerdem nutzen Busse stinkenden Diesel. Der Umstieg lohnt sich eigentlich gerade deshalb in den abgasverseuchten Innenstädten.

So sieht es auch die Politik. Beim Diesel-Gipfel in Berlin beschlossen Bund und Länder, den Fördertopf auf 100 Millionen Euro zu erhöhen. Und auch laut NRW-Koalitionsvertrag wollten CDU und FDP „den Anteil von Elektrobussen erhöhen“. Die Realität: Im Jahr 2016 wurden in NRW 967 neue Busse zugelassen, 13 davon waren Elektrobusse.

E-Bus-Projekte in Deutschland

Auf dieser Karte sehen Sie alle E-Bus-Projekte in Deutschland. Dabei sind nur fahrende E-Busse vermerkt, geplante Projekte wurden nicht berücksichtigt.

Quelle: VDV

„Die betroffenen Städte brauchen schnelle Lösungen“, so Ministerpräsident Armin Laschet im September angesichts des drohenden Diesel-Fahrverbots. Eine rasche Umstellung auf E-Busse könne das nicht sein, sagt dagegen der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). „Mit Blick auf das Ad-hoc-Problem ist das nicht der richtige Weg“, so VDV-Sprecher Lars Wagner. Auch westfälische Verkehrsgesellschaften gehen davon aus, dass sie E-Busse erst in drei bis fünf Jahren kaufen werden, ergab eine Umfrage dieser Redaktion.

Der Förderanteil für E-Busse wurde beim Dieselgipfel von 60 auf 80 Prozent der Mehrkosten im Vergleich zu einem Dieselbus erhöht. Die Landesregierung verspricht, dass jedes Unternehmen die Förderung bekomme. „Sämtliche förderfähigen Anträge werden positiv beschieden“, sagt Maik Grimmeck, Sprecher des NRW-Verkehrsministeriums. Derzeit liegen dem Ministerium rund 80 Anträge für E-Busse vor. Die allermeisten kommen aber aus den wenigen nordrhein-westfälischen Vorreiterstädten wie Münster und Köln, das aktuell 50 zusätzliche Busse beantragt hat. Im Ruhrgebiet plant nur Oberhausens Stoag einen Test, beteiligt mit einem Bus dabei die Vestische. Andere große westfälische Verkehrgesellschaften wie DSW21 oder VKU planen hingehen erstmal keine Anschaffung.

Das ist der Stand in den einzelnen Verkehrsbetrieben der Region

Klicken Sie in der Karte auf die einzelnen Symbole.

„Es gibt eine Scheu bei den Verkehrsgesellschaften“, sagt Matthias Dürr, Leiter von ElektroMobilität.NRW, einer Initiative des Landes. An der Förderung alleine liege es nicht. „Geld allein ist nicht der Punkt“, so auch VDV-Sprecher Lars Wagner. Es fehlten verlässliche Vorgaben und Standards. Welche Ladestrategie? Welche Batterien? „Nahverkehrsgesellschaften – gerade im Ruhrgebiet – können keine Investitionsentscheidung in den blauen Dunst machen“, so Wagner.


Hier sehen Sie, wie ein E-Bus in Oberhausen aufgeladen wird:

Hauptproblem ist die Zuverlässigkeit

Hauptproblem bleibt aus Sicht der Gesellschaften jedoch die Zuverlässigkeit. Dieselbusse sind zu 95 Prozent verfügbar. Die Kölner Verkehrsbetriebe haben die Verlässlichkeit ihrer E-Busse auf 85 Prozent heraufgeschraubt. Nach Einschätzung des VDV ein „extrem guter Wert“, sonst ist die Zuverlässigkeit im Schnitt bei 70 Prozent, also nur 7 von 10 Fahrten finden statt. „Für den Kunden heißt es: Er steht auch mal länger und wartet, weil ein Bus ausfällt. Für die Unternehmen heißt das. Sie müssen mehr Busse kaufen als sie eigentlich brauchen“, so VDV-Sprecher Wagner.

Das sagen Menschen in NRW zum Thema E-Busse

„Mit E-Bussen wäre es ja ähnlich wie mit E-Autos – für die Umwelt einfach besser. Ich wohne in Herne, Grenze Castrop, und fahre regelmäßig Bus. In den letzten Jahren wurden die Ticketpreise ja häufiger mal erhöht. Bei 1,50 Euro haben alle gesagt: ‚Ich fahre nicht mehr.‘ Gefahren sind sie trotzdem. Ich würde schon etwas mehr für ein Ticket zahlen.“
Tim Schweden, Castrop-Rauxel
„E-Busse sind gut. Man sollte sie im Straßenverkehr aber hören.“ Sonja Daume, Ahaus
Simone Burkhardt, Montiererin: 
"Mit welchen Bussen ich fahre ist mir eigentlich egal, hauptsache sie fahren. Für die Umwelt wären E-Busse natürlich besser."
 „Eigentlich ist es mir egal, Hauptsache der Bus fährt“.
Elfriede Paradowski, Rentnerin aus Haltern

"Ich finde, dass nicht nur wir private Autofahrer uns auf E-Autos umstellen sollten. Auch die Busse sollten nach und nach umgerüstet werden." Irina Dil, Studentin der Sozialen Arbeit aus Lünen
„Die Einführung darf nicht zulasten der Steuerzahler gehen.“
Lars Lambers, Ahaus
 
"Ich fände E-Busse sehr gut, weil sie die Umwelt schonen. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass die Idee in der Umsetzung nicht funktioniert." Felix Busch (17), Schüler aus Lünen
„Ich finde es sinnvoll, weil es der Umwelt zugutekommt.“
 Marc Gerdes, Angestellter aus Haltern
 
"Für die Umwelt wären E-Busse natürlich besser, ich glaube aber, dass die Anschaffung davon sehr schwierig werden könnte, da sie sehr teuer sind." Dieter Donis, Frührentner aus Lünen
„Es soll ja fürs Klima gut sein. Also ist das eine gute Sache.“
 Wolfgang Plück, Ahaus
„Mir ist es als Gast erstmal nur wichtig von A nach B zu kommen. Für die Umwelt wären E-Busse aber wohl besser. Ticketpreise sind mir da momentan egal – erstmal dauert es ja noch, bis E-Busse überhaupt fahren, und außerdem bin ich auch nicht regelmäßig mit dem Bus unterwegs.“
 Marvin Roberg, Castrop-Rauxel hier mit 
 Ina-Maria Becker
„Es gibt nichts Besseres als E-Mobilität. Ich arbeite in dem Bereich.“ Darius Müller, Ahaus

"E-Busse fände ich super, denn durch den Antrieb mit Strom würde die Umwelt nicht so verpestet werden. Da es in anderen Städten schon funktioniert, könnte es auch in Lünen klappen." Ramona König, Mitarbeiterin in einer Caritas-Werkstatt aus Lünen
„Ich wäre bereit, fürs Busfahren ein wenig mehr zu bezahlen.“
Carolin Ehrensberger, Ahaus
"Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich für einen E-Bus entscheiden. Wo man den ökologischen Gedanken unterstützen kann, sollte man das auch tun, finde ich." Manuel Lachmann aus Capelle. Er nutzt regelmäßig den Bus, um von Capelle nach Nordkirchen zu fahren.
"Ein Beitrag für die Umwelt. Dafür würde ich auch etwas mehr zahlen."
Ingo Heise, Selm
"Ich würde mich über E-Busse und generell über mehr Busse freuen"
Marc Kämmerer, Selm
"Bisher habe ich mich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt."
Martin Jahns, Selm
"Ich finde sie gut, wichtig ist aber auf dem Land die Reichweite."
Peter Dördelmann, Olfen
"Das ist nur eine Übergangslösung, weil die Rohstoffe für die Akkus begrenzt sind", Student David Lourenco aus Schwerte
"Ich bin dafür. Die Dieselabgase sind ja so schädlich, die müssen weg." Kfz-Mechaniker Christoph Meinert aus Schwerte
"Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Außer dass es teurer wird, aber so ist das." Mutter Lilian Khaddour mit Tochter Samiha aus Schwerte
"Ich glaube, das Problem mit den Batterien ist noch nicht gelöst. Sonst eine gute Idee." Student Thomas Vogt aus Schwerte
" Ich muss schlucken, was die Busse ausspucken. Ich bin für E-Busse." Piotr Molek aus Dorsten
" E-Busse wären viel besser. Dadurch würden die Städte sauberer." Myriam Frohn aus Dorsten
"Ich finde das gut. So entstehen keine Abgase, und das ist besser für die Umwelt." Schülerin Nadine Nierychlo aus Schwerte
"Für die Umwelt wäre es besser, auf erneuerbare Energien umzusteigen." Aleksander Franiecuyk aus Dorsten
"Der Kartenpreis ist eh schon sehr hoch und sollte bezahlbar bleiben", Sarah Janich aus Dorsten
"Auch die Stromerzeugung verursacht CO2-Ausstöße." Wolfgang Heckmann, Dorsten

Klicken Sie auf die Fotostrecke und lesen Sie verschiedene Meinungen.

BERLIN Die Zeit drängt, im nächsten Jahr drohen Diesel-Fahrverbote in Städten. Nach einem Spitzentreffen bei der Kanzlerin sollen ab Mittwoch Fördermittel für Kommunen zur Verfügung stehen. Städte sehen aber vor allem die Autoindustrie in der Pflicht.mehr...

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