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Pannen-Anlage Köln-Godorf

Giftige Stoffe in Shell-Raffinerie ausgelaufen

KÖLN Aus einer Rohrleitung der Shell Rheinland Raffinerie in Köln-Godorf sind giftige Chemikalien ausgelaufen und in den Boden gesickert. Dabei handelt es sich um Sovent Naphtha. Es enthält Stoffe, die als besonders umweltschädlich gelten. Sie verursachen unter anderem Unfruchtbarkeit und können das Erbgut schädigen.

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Rohranlagen auf dem Gelände der Erdölraffinerie von Shell in Godorf bei Köln

Schon mehrfach hat es in dem Werk gebrannt - dieses dramatische Bild stammt aus dem Jahr 2014, auch im Jahr darauf gab es mehrere Feuer in der Anlage.

Der Vorfall habe sich bereits vor einem Monat ereignet, teilten die Bezirksregierung Köln und das Unternehmen am Donnerstag auf Anfrage mit. Bei Isolierarbeiten an einer oberirdischen Leitung für Kohlenwasserstoffe sei eine Leckage festgestellt worden. Durch ein 0,5 Millimeter großes Loch seien bis zu 270 Liter des Stoffs Solvent Naphta ausgetreten, ein Stoff der auch als möglicherweise krebserzeugend eingestuft wird.

Shell habe den verunreinigten Bereich unverzüglich gesichert, um eine Ausbreitung zu verhindern, sagte ein Unternehmenssprecher. Betroffen sei eine lokal begrenzte Fläche von etwa vier Quadratmetern. Shell erklärte, dass keinesfalls eine Gesundheitsgefährdung für Belegschaft oder Bevölkerung bestanden habe. Die Bezirksregierung hat nach eigenen Angaben eine Sonderprüfung der Leitung und der benachbarten Pipelines veranlasst. Bis die Ursache für das Leck geklärt ist, bleibe die betroffene Leitung außer Betrieb. Der Boden rund um das Leck soll bis zu einer Tiefe von acht Meter untersucht und gegebenenfalls getauscht werden. 

Immer wieder Pannen in der Raffinerie

In der Vergangenheit hatte es bei der Shell Rheinland Raffinerie im Kölner Süden schon häufiger Pannen gegeben. Im Mai waren etwa 2000 Liter eines Kohlenwasserstoffgemischs ausgetreten. Einen großen Vorfall gab es 2012 im Werk Wesseling: Damals waren nach einem Pipeline-Leck wochenlang rund eine Million Liter Kerosin im Boden versickert. Der unterirdische Kerosinsee ist bis heute noch nicht vollständig abgepumpt. Damals wurden "unzureichende Inspektionsintervalle" für das Leck verantwortlich gemacht.

2014 war ein Tank mit krebserregendem Toluol explodiert. 2013 waren dort zwei Arbeiter bei einer Verpuffung schwer verletzt worden. Im Mai 2015 sorgte ein Feuer im Ofen einer Olefin-Anlage für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Im August 2015 brannte es erneut. 

15 Störfälle in 2016

Allein im vergangenen Jahr (2016) gab es 15 größere Pannen in den Werken in Godorf und Wesseling im Kölner Süden. Mehr als 100 Liter Erdölprodukte liefen aus. Weil es keine Auswirkungen auf die Anwohner der Raffinerie gegeben habe, habe man sie vonseiten des Unternehmens und der Bezirksregierung auch nicht veröffentlicht, berichtet der WDR. Im Mai 2017 traten zudem schon einmal größere Mengen einer umweltschädlichen Substanz ins Erdreich aus. Ursache waren technische Pannen.

Ein Grund für die Störfälle sind laut WDR veraltete Anlagen. Das Unternehmen investiert pro Jahr mehr als 100 Millionen Euro in die Erneuerung. Zudem will Shell die Wartung verbessern und Mitarbeiter besser schulen.

Erklärt: Das ist die Raffinierie Godorf

Die Rheinland Raffinerie liegt im Süden von Köln. Dort werden pro Jahr mehr als 16 Millionen Tonnen Rohöl verarbeitet. Sie ist nach Angaben von Shell die größte Raffinerie in Deutschland und beschäftigt rund 1600 Mitarbeiter. Zusätzlich sind regelmäßig bis zu 1300 Mitarbeiter von Partnerfirmen im Einsatz. Die Raffinerie besteht aus zwei direkt benachbarten Werken. In dem noch zu Köln gehörenden Stadtteil Godorf (Werk Nord) werden vor allem Otto- und Dieselkraftstoffe, Kerosin und Heizöl produziert. Im daneben gelegenen Wesseling (Werk Süd), in dem es 2015 gebrannt hat, werden zudem Grundstoffe für die petrochemische Industrie hergestellt. Beide Werke werden über eine Pipeline aus Rotterdam mit Rohöl versorgt. Wesseling ist außerdem über eine Rohrleitung mit dem deutschen Nordseehafen Wilhelmshaven verbunden.

Mit Material von dpa

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Rohranlagen auf dem Gelände der Erdölraffinerie von Shell in Godorf bei Köln

Schon mehrfach hat es in dem Werk gebrannt - dieses dramatische Bild stammt aus dem Jahr 2014, auch im Jahr darauf gab es mehrere Feuer in der Anlage.

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