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Entscheidung am 25. Oktober

Glyphosat könnte auch in Nordkirchen verboten werden

NORDKIRCHEN Soll Glyphosat weiter erlaubt sein oder nicht? Das ist die Frage, die Politiker der Europäischen Union (EU) am Mittwoch, den 25. Oktober, bei einer Abstimmung beantworten müssen. Egal welche Entscheidung sie treffen, sie wird kontrovers diskutiert werden. Die Meinungen von Landwirten, Naturschützern und anderen Experten gehen weit auseinander – auch in Nordkirchen.

Glyphosat könnte auch in Nordkirchen verboten werden

Experten diskutieren über die Folgen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Nun stimmt die Europäische Union über den weiteren Einsatz ab. Foto: picture alliance / dpa

„Würde man das Mittel verbieten, würde das schwerwiegende Konsequenzen für uns haben“, sagt der Nordkirchener Ortslandwirt Alfred Stattmann auf Anfrage dieser Redaktion. Vor der Aussaat nutzen zahlreiche Landwirte in der Gemeinde den Unkrautvernichter, um möglichst optimale Anbaubedingungen zu erzielen.

Der Vorteil: Die angebauten Pflanzen können ohne Konkurrenz wachsen. Das Mittel erleichtert den Landwirten die Arbeit, weil es vorher „alles im genutzten Bereich tötet, was Grün ist“, sagt Stattmann. Genau hier setzen Naturschützer an, die das Mittel kritisieren, das auch unter dem Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Pflanzengift trägt zu Insektensterben bei

„Wer das einsetzt, begeht ein Verbrechen an der Natur“, sagt Horst Wollny vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) in Nordkirchen erbost. Das Glyphosat zerstöre den Lebensraum zahlreicher Tiere und töte Insekten. „Das ist eine Schweinerei für die armen Viecher“, so Wollny weiter. Die Zahl der fliegenden Insekten ist im vergangenen Vierteljahrhundert um rund 75 Prozent gesunken. Und das Pflanzengift, ist sich Wollny sicher, habe seinen Teil dazu beigetragen.

Rund um die Auswirkungen von Glyphosat gibt es einen großen Streit in der Wissenschaft, denn die Auswirkungen des Stoffes sind noch immer nicht komplett erforscht. Und genau hier setzt auch Stattmann an bei seiner Argumentation an.

„Die Wissenschaft muss entscheiden, welche Produkte wir einsetzen dürfen und welche nicht.“ Wichtig sei, dass die Landwirte sie unbedenklich einsetzen können. „Aber bisher gibt es keine festen Ergebnisse“, so Stattmann weiter. Für ihn sei ein Verbot also nur schwierig nachvollziehbar.

Landwirte kämpfen um Überleben

Das Verbot würde den Landwirten finanziell wehtun, denn sie müssten einen großen Teil ihrer Arbeit umstellen. „Durch das Glyphosat müssen wir weniger Maschinen einsetzen, benötigen weniger Diesel und sparen beim Einsatz von anderen Mitteln“, sagt Stattmann.

Kommt das Verbot durch, müsste der Pflug wieder häufiger zum Einsatz kommen und Unkrautbekämpfungsmittel müssten auf Unkraut und Saat individuell angepasst werden. Mehr Aufwand und mehr Kosten wären die Folge.

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Kunden sollen nicht unter den steigenden Kosten leiden. „Nur weil wir unseren Anbau verändern müssen, ändert sich der Marktpreis nicht“, so der Ortslandwirt. Er rechnet mit hohen Verlusten. „Wir müssten dann weiter schauen, wo Spar-Potenzial liegt“, sagt Stattmann. Denn sonst werde es eng für den einen oder anderen Landwirt. Das versteht auch Horst Wollny vom Nabu. Doch als Argument lässt er das nicht durchgehen.

„Was nutzt uns eine kaputte Natur?“

„Viele kleine Betriebe müssen sich abquälen. Für sie wird es immer schwieriger“, sagt Wollny. Doch die Natur dürfe unter den finanziellen Auswirkungen für Landwirte nicht leiden: „Was nutzt uns eine kaputte Natur?“ Genau deshalb sei es für ihn unverständlich, Glyphosat auch weiterhin einzusetzen.

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