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Hiss Golden Messenger: Der Lauf geht weiter

Berlin. Kaum eine US-Band verrührt derzeit Folk, Southern-Rock und Soul so souverän zu einer melancholischen Americana-Melange wie Hiss Golden Messenger. Auch das neue Album vermag wieder zu Tränen zu rühren.

Hiss Golden Messenger: Der Lauf geht weiter

Ein Mann fürs Herz: Hiss Golden Messenger. Foto: Elise Tyler

Er hat einen Lauf, dieser MC Taylor. Als wäre sein jüngster Album-Dreier seit 2013 nicht schon perfekt gewesen, legt er jetzt leichthändig eine Art Epilog zu dieser in prachtvolle Töne gegossenen Americana-Erzählung vor.

Unter dem Band-Alias Hiss Golden Messenger hatte der Singer-Songwriter aus North Carolina zuletzt mit „Haw“ (2013), „Lateness Of Dancers“ (2014) und „Heart Like A Levee“ (2016) begeistert. Taylors Songs orientierten sich am Folk-Sound von The Byrds, Bob Dylan und The Band oder Buffalo Springfield, aber auch an Südstaaten-Swamprock und erdigem Country-Soul der Memphis-Schule. Als jüngere Stil- und Geistesverwandte wären Bill Callahan, Kurt Wagner (Lambchop) oder Jeff Tweedy (Wilco) zu nennen.

Immer souveräner fand die zunehmend durch erstklassige Kollegen ergänzte Messenger-Truppe ihre ganz eigene Stimme - und zeigte bestechende Form im Studio und in heimeligen Clubkonzerten. Wer Ende vorigen Jahres zu Tränen rührende Balladen wie „Cracked Windshield“, groovige Rocker wie „Like A Mirror Loves A Hammer“ oder den inbrünstigen Southern-Soul von „Brother, Do You Know The Road?“ live hörte, war verzaubert. Von wegen klassische US-Gitarrenmusik ist out...

Von einer baldigen Fortsetzung des bisherigen Band-Highlights „Heart Like A Levee“ durfte man also träumen, konnte aber nach so kurzer Zeit noch nicht damit rechnen. Doch weniger als zwölf Monate ist es schon soweit: „Hallelujah Anyhow“ (Merge/Cargo) enthält zwar diesmal „nur“ zehn Songs in rund 36 Minuten, aber wieder hat Taylor jeden einzelnen Ton an der richtigen Stelle platziert.

Die Musik pendelt erneut zwischen zarter Folk-Melancholie auf Gitarre/Klavier/Mundharmonika-Basis und aufgekratzt bläsersatter Gospel-Seligkeit („Domino“). Allerdings sind Taylors reife, weise Texte im Jahr nach der Trump-Wahl noch etwas düsterer geworden als früher schon. „Whatcha gonna do when the wall comes down“ singt er im überwältigenden Schlusssong. Ratlosigkeit, auch Trauer zieht sich durch Lieder mit dylanesken Titeln wie „Harder Rain“, „Lost Out In The Darkness“ oder „John The Gun“.

Allerdings: Obwohl er Donald Trump im „Uncut“-Interview nur verächtlich als den „derzeitigen sogenannten US-Präsidenten“ bezeichnet, möchte Taylor „Hallelujah Anyhow“ nicht als Protestalbum verstanden wissen. „Ich mag Protestalben eigentlich nicht“, sagt der Songwriter. „Ich finde, sie altern nicht gut, auch wenn sie von guten Absichten getragen werden.“ Seine Familie und seine Freunde „mit ihrem ehrlichen und kreativen Spirit“ machten ihn letztlich doch einigermaßen hoffnungsvoll.

Hiss Golden Messenger sind eine dieser Bands, bei denen Kritiker und Fans sich gern fragen, warum sie nicht viel berühmter sind: hochklassige Musiker, berauschend schöne Songs und ja, sogar manche Melodien, die einst wohl Riesenhits gewesen wären (Bruce Springsteen oder der gerade erst gestorbene Tom Petty haben es in ihrer kommerziellen Hoch-Phase jedenfalls nicht viel anders oder besser gemacht). Dennoch bleiben MC Taylor und seine Mitstreiter vermutlich auf ewig ein Fall für Eingeweihte. Nach „Hallelujah Anyhow“ sind es aber hoffentlich ein paar Eingeweihte mehr.

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