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Jazz-Genie im Zwielicht: „Django - Ein Leben für die Musik“

Nürnberg. In „Django - Ein Leben für die Musik“ geht es um Jazz und den Wahn der Nazi-Zeit - und die Frage nach dem Umgang eines Ausnahmemusikers mit dem Bösen. Der Film liefert verstörende Antworten, versöhnt aber mit traumhafter Musik.

Jazz-Genie im Zwielicht: „Django - Ein Leben für die Musik“

Reda Kateb spielt im Film „Django - Ein Leben für die Musik“ die Titelfigur Django Reinhardt. Foto: Roger Arpajou/Weltkino Filmverleih

Die Nazis im Pariser Konzertsaal wippen begeistert mit, schon bald hält es viele nicht mehr auf den Sitzen. Dem Swing der Formation Quintette du Hot Club de France und den vor Witz sprühenden Gitarrensoli von Frontmann Django Reinhardt kann sich kaum jemand entziehen.

Einem Wehrmachtsoffizier wird das Ganze dann doch zu bunt, entrüstet verlässt er die Loge. Still saugt Reinhardt die Zuneigung der Menge auf und verschwindet mit einem schiefen Lächeln hinter die Bühne. Es ist eine der ersten Szenen in „Django - Ein Leben für die Musik“, ein Drama über den begnadeten Gitarristen und Bandleader, der als Pionier des europäischen Jazz gilt. Der Film des Franzosen Étienne Comar eröffnete die 67. Berlinale im Februar.

„Django“ spielt im besetzten Frankreich um 1943 und fragt nach der Haltung des Sinti-Musikers Reinhardt zu den Nazis, die ihn in Paris weitgehend unbehelligt ließen, während sie Sinti und Roma gnadenlos verfolgten und ermordeten. Mit anderen Worten: Darf ein Künstler Kompromisse mit dem Bösen eingehen, wenn seine Kunst dafür bestehen bleiben darf? Reinhardt (Reda Kateb) beantwortet die Frage in einem seiner ersten Gespräche mit seiner späteren Geliebten Louise (Cécile de France) gleich selbst: „Ich bin Musiker. Ich mach' Musik, das kann ich am besten. Wer meine Zuhörer sind, ist nicht mein Problem.“

Die verstörende Gelassenheit spielt Kateb mit durchweg teilnahmsloser und hölzerner Mimik, deren Kälte bisweilen irritiert - selbst wenn dieser Effekt vermutlich gewollt war. Dass Nazi-Musikwächter seine Kunst mit abstrusen Verboten an die Kandare zu nehmen versuchen, - etwa „nur fünf Prozent Synkopen“ oder maximal „fünf Sekunden“ lange Gitarrensoli vorschreiben - lächelt „Django“ kühl weg.

Und mit ebenso gleichmütiger Miene nimmt er Berichte über das Leid anderer Sinti und Roma auf. Es fällt schwer, mit ihm warm zu werden - auch wenn er am Ende den Nimbus des selbstverliebten Musikgenies abstreifen und der Realität im besetzten Frankreich ins Auge sehen muss.

Die Dramaturgie wirkt zum Teil schleppend, eher ungelenk kommen auch so manche Dialoge daher. Ein Lichtblick: Die herrlich kecke Bimbam Merstein, die Reinhardts Mutter spielt, die gute Gagen für ihren Sohn herauszuschlagen weiß.

Die stärksten Momente hat „Django“ denn auch, wenn Reinhardt in die Saiten haut. Hauptdarsteller Kateb nahm nach eigenen Angaben ein Jahr lang Gitarrenunterricht - auch um jene phänomenale Grifftechnik zu imitieren, die der echte Reinhardt sich aus der Not heraus aneignete, weil er wegen schwerer Verbrennungen bei einem Wohnwagenbrand nur noch drei Finger seiner linken Greifhand nutzen konnte. Kateb gebührt dafür Hochachtung, auch wenn bei den kniffligsten Musikpassagen wohl ein Handdouble aushalf. Die Musik in „Django“ bezwingt mit Charme und Melancholie. Und beweist einmal mehr, dass der Jazz nicht tot ist.

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