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Mann wieder mordverdächtig

Kanalleiche von Waltrop: Gericht kippt Freispruch

Waltrop Eigentlich war der Mann eines Mordopfers in Waltrop schon freigesprochen worden - doch der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil am Donnerstag kassiert. Jetzt muss ein Gericht erneut klären, ob der Mann seine Frau getötet und dann in den Kanal geschmissen hat. Dass der BGH den Freispruch zurückgenommen hat, heißt nämlich nicht, dass die Richter den Mann für unschuldig halten.

Kanalleiche von Waltrop: Gericht kippt Freispruch

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Siegmund Benecken

Alles nochmal von vorne: Nach dem Fund einer Frauenleiche im Waltroper Kanal wird über die Täterfrage noch einmal neu verhandelt. Der Bundesgerichtshof kippt einen Freispruch – sieht aber „dünne“ Beweise.

Als am Donnerstag zur Mittagszeit am höchsten deutschen Strafgericht in Karlsruhe im Fall der Kanalleiche von Waltrop sinngemäß dieses Revisions-Urteil verkündet wurde, war die Hauptperson gar nicht vor Ort – musste das aber auch nicht sein. Denn verhandelt wurde vor dem vierten Senat ausschließlich unter Juristen.

Nach monatelanger U-Haft, anschließender Freilassung und danach sogar einem Freispruch, steht der Ehemann einer 25-jährigen Mutter aus Oer-Erkenschwick, deren Leiche am 10. Juni 2015 bäuchlings auf dem Kanal bei Waltrop treibend entdeckt worden war, nun erneut vor einem Wechselbad der Gefühle - ab sofort ist der 43-jährige Lkw-Fahrer nämlich wieder ganz offiziell der einzige Mordverdächtige.

BGH stuft Beweislage als dünn ein

Die Revision der Bochumer Staatsanwaltschaft hat der zuständige Senat sogar öffentlich verhandelt, was sonst eher selten vorkommt. Das Urteil: Der Freispruch des Bochumer Schwurgerichts vom 7. Oktober 2016 wird komplett aufgehoben. Gleichzeitig ordnete der BGH an, dass eine andere Strafkammer am Bochumer Landgericht den Wasserleichen-Fall noch einmal neu verhandeln und entscheiden muss.

Und was waren die Gründe dafür, dass der BGH den Freispruch „kassiert“ hat? „Die Richter haben im Bochumer Urteil mehrere, gravierende Lücken in der Beweiswürdigung bemängelt“, erklärte Rechtsanwalt Jens Tuschhoff im Anschluss an das BGH-Urteil. Der Anwalt aus Oer-Erkenschwick war als Nebenklage-Vertreter für die minderjährige Tochter des Todesopfers nach Karlsruhe gereist. Zwar hätten auch die Karlsruher Richter – wie zuvor schon die Bochumer Richter - die Beweislage gegen den Ehemann als „dünn“ eingestuft, so Tuschhoff. Aufgrund der rechtlichen Mängel habe aber an einer Aufhebung des Freispruch-Urteils kein Weg vorbeigeführt.

Mann ist nun wieder offiziell mordverdächtig

Ob der Lkw-Fahrer in einem neuen Prozess möglicherweise doch noch als Mörder überführt und verurteilt werden kann oder am Ende ein zweiter Freispruch erfolgt, ist offen. Eine Entscheidung über eine neuerliche vorläufige Festnahme des nun wieder offiziell mordverdächtigen Mannes wurde am BGH nicht getroffen.

Rückblende: Der ermittelnde Staatsanwalt Dietrich Streßig hatte im Bochumer Prozess bis zuletzt eine Verurteilung des Oer-Erkenschwickers zu lebenslanger Haft gefordert. Streßig ist hundertprozentig überzeugt: Für ein ungestörtes Leben mit seiner Geliebten wurde der 43-Jährige zum Mörder, erstickte seine Ehefrau und inszenierte danach einen Ertrinkungsunfall, indem er die Leiche in Waltrop von der Oberwieser Brücke im Kanal versenkte. Am 10. Juni 2015 wurde der Leichnam der Frau zufällig von Spaziergängern entdeckt.

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