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Turbulente Übergangszeit

Kauftag: Lufthansa sichert sich Air-Berlin-Teile

BERLIN Es ist keine Überraschung: Vor allem der deutsche Marktführer Lufthansa kommt bei Air Berlin zum Zug. Konzernchef Spohr spricht von einem großen Tag - auch wenn die Übergangsfrist sechs bis neun Monate betragen werde und man in dieser Zeit improvisieren müsse. Fraglich ist, ob Easyjet den Rest bekommt.

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Lufthansa-Chef Carsten Spohr zieht eine Übernahme von Air Berlin derzeit nicht in Betracht. Foto: Daniel Bockwold

Eine Maschine der Lufthansa neben einer Maschine von Air Berlin. Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Beide Unternehmen unterzeichnen am Donnerstag einen entsprechenden Kaufvertrag, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag in Berlin ankündigte. „In der Tat ist das heute ein großer Tag, den wir in  mit der Unterschrift besiegeln“, sagte Spohr.

Während der Übernahme wird die Lufthansa im Betrieb noch mindestens ein halbes Jahr improvisieren müssen. „Wir werden das irgendwie hinbekommen“, so Spohr. Das werde aber nicht ohne „Ruckeleien“ gehen. Man habe Piloten aus dem Urlaub zurück geholt und fliege innerhalb Deutschlands auch mit Jumbo-Jets, um alle Passagiere aufnehmen zu können. Tausende Mitarbeiter müssten eingestellt werden, zugleich sei der Übergang der Air-Berlin-Flugzeuge beim Luftfahrbundesamt aufwendig. Ein stabiler Betrieb sei in sechs bis neun Monaten zu erwarten. 

Lufthansa übernimmt 81 Flugzeuge

Air Berlin - die nach Lufthansa bisher zweitgrößte deutsche Fluglinie - hatte Mitte August Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb seitdem war nur durch einen Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro gesichert. Die Geschäftsführung hatte drei Wochen lang exklusiv mit dem deutschen Marktführer Lufthansa sowie mit dem britischen Billigflieger Easyjet über den Verkauf von Teilen des hoch verschuldeten Unternehmens verhandelt. Fraglich war zuletzt, ob auch eine Einigung mit Easyjet gelingt. Spohr hatte der „Rheinischen Post“  gesagt, Lufthansa werde von Air Berlin „voraussichtlich 81 Flugzeuge übernehmen, 3000 Mitarbeiter einstellen und dafür in Summe 1,5 Milliarden Euro investieren“. Er bekräftigte damit Pläne des Unternehmens. 

Air Berlin hatte mitgeteilt, die Airline sehe gute Chancen, dass etwa 80 Prozent der 8000 Mitarbeiter bei anderen Unternehmen einen neuen Arbeitsplatz erhalten könnten.

Aus Sicht Spohrs wird das Aus für Air Berlin und andere Anbieter die Ticketpreise nicht nach oben treiben. „Denn der Wettbewerb wird sich in Europa und auch weltweit verschärfen“, sagte er. „Wir gehen von weiter sinkenden Preisen aus.“ Im Konzern werde man sich mit der Tochter Eurowings selbst Konkurrenz machen. „Da wo es bisher nur Lufthansa und Air Berlin gab, wie beispielsweise zwischen München und Köln, kommen nun Eurowings-Flüge als Ersatz für Air Berlin hinzu.“

Heimreise zu "fairen Preisen"

Spohr kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Aus Lufthansa-Kreisen hieß es dazu, es sei schwer zu schätzen, um wie viele Passagiere es dabei gehe. Seit 25. September ist bekannt, dass Air Berlin alle Langstreckenflüge am 15. Oktober einstellt.

Generell wird Air Berlin voraussichtlich ab Ende Oktober nicht mehr unter eigener Flugnummer fliegen, wie es in einem Brief der Firmenleitung an die Mitarbeiter vom Montag hieß. Der insolventen Gesellschaft sei ein eigenwirtschaftlicher Verkehr unter dem Airline-Code AB „nach gegenwärtigem Erkenntnisstand spätestens ab dem 28. Oktober nicht mehr möglich“. Tickets für spätere Flüge verlieren ihre Gültigkeit. Der Flugverkehr der nicht insolventen Töchter Niki und LG Walter soll weitergeführt werden.

Berlin/Frankfurt (dpa) Bei Air Berlin gehen allmählich die Lichter aus. In knapp drei Wochen dürfte letztmals eine Maschine mit AB-Flugnummer unterwegs sein. Wer Tickets für die Zeit danach besitzt, schaut meist in die Röhre.mehr...

von dpa

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Lufthansa-Chef Carsten Spohr zieht eine Übernahme von Air Berlin derzeit nicht in Betracht. Foto: Daniel Bockwold

Eine Maschine der Lufthansa neben einer Maschine von Air Berlin. Foto: Wolfgang Kumm/Archiv

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