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Fußball: Nur drei Prozent im Kreis sind weiblich

Kaum Frauen an der Pfeife

KREIS Der Name Bibiana Steinhaus war am Sonntag in aller Munde. Das 1:1 im Bundesligaduell zwischen Hertha BSC Berlin und dem SV Werder Bremen wurde zur Randnotiz, weil die 38-jährige Bad Lauterbergerin als erste leitende Schiedsrichterin im deutschen Fußball-Oberhaus in die Geschichte einging. Doch wie sieht es in Westfalen und im Kreis Ahaus/Coesfeld mit Frauen an der Pfeife aus? Wir haben nachgehakt.

Kaum Frauen an der Pfeife

Das Bundesliga-Debüt von Bibiana Steinhaus sorgte für großes Aufsehen.

„Bei uns im Verband und auch bei den Schiedsrichtern und den Vereinen ist das kein großes Thema“, macht Michael Liedtke klar. Der Vorsitzende des Verbands-Schiedsrichterausschusses im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sieht im Steinhaus-Debüt keine große Nachricht. „Man sollte keinen Hype darum machen. Das ist längst nichts Besonderes mehr“, ergänzt Liedtke.

Christoph Hanck, Vorsitzender des Kreis-Schiedsrichter-Ausschusses Ahaus/Coesfeld, findet es hingegen durchaus positiv, dass das Thema in diesen Tagen so präsent ist. „Bibiana Steinhaus eignet sich gut als Rollen-Vorbild. Vielleicht gibt es einen positiven Effekt und es entschließen sich Frauen und Mädchen, jetzt auch diesen Weg einzuschlagen.“

Sehr überschaubar

Aktuell ist die Zahl der weiblichen Referees sehr überschaubar: Unter den insgesamt 4975 Schiedsrichtern des FLVW sind es gerade mal 157. Das sind nur knapp über drei Prozent. Ein ähnliches Verhältnis liegt auf Kreisebene vor: Von rund 300 Unparteiischen sind lediglich neun weiblich. „Auch wenn wir im Verbands-Vergleich nicht so schlecht dastehen, sind das deutlich weniger als wir haben müssten“, sagt Christoph Hanck. Denn von den rund 500 Spielen im Frauen- und Mädchenbereich auf Kreisebene wurde nur knapp jedes vierte von weiblichen Schiedsrichtern geleitet. „Die Zahl der aktiven Fußballerinnen hat sich in den letzten Jahren positiv entwickelt, der Schiedsrichter-Bereich ist leider nicht mitgewachsen“, so Hanck.

Über die Gründe für das mangelnde Interesse kann Hanck nur mutmaßen. „Ich wüsste es auch gerne, denn meiner Meinung nach sind Frauen dafür grundsätzlich genauso gut geeignet wie Männer. Und ich habe noch von keiner unserer Schiedsrichterinnen gehört, dass sie nicht klargekommen wäre.“ Auffällig sei, dass auf Kreisebene hauptsächlich junge Schiedsrichterinnen aktiv seien und kaum welche, die sich nach ihrer Zeit als Fußballerin dafür begeistern können. Besondere Maßnahmen, um das zu ändern, gebe es auf Kreisebene bislang keine, „obwohl wir schon darüber nachgedacht haben, Lehrgänge speziell für Frauen anzubieten, um den Einstieg zu erleichtern“, so Hanck. Aber das sei mit viel Aufwand verbunden.

Kurzer Weg nach oben

Liedtke sagt für den Verband: „Schon seit einiger Zeit unterstützen wir Frauen und machen ihnen bewusst, dass es für sie schnell auf der Leiter nach oben gehen kann.“ Dass es manche bis nach ganz oben schaffen, hat ein Westfalen-Trio bereits bewiesen. Marina Wozniak (Herne) hat es bis in die Frauen-Bundesliga und auf die Fifa-Turniere geschafft. Auch Kathrin Heimann (Gladbeck) und Nadine Westerhoff (Castrop-Rauxel) pfeifen die höchste deutsche Frauen-Spielklasse und bei den Männern in der Oberliga.

In diesen Klassen sind die unparteiischen Frauen hier im Kreis noch nicht aktiv. Zwar ist Dorothea Wassong (Seppenrade) als Beobachterin bis zur zweiten Liga tätig. Die Aktiven aber pfeifen höchstens bis zur Frauen-Bezirksliga. Das trifft auf Brigitte Schmitz vom SC Südlohn und Gerdane Said von Union Wessum zu. Sie sind neben Lea Plümer (TuS Wüllen), Hannah Bönning (Wessum) und Laura Alies (Fortuna Gronau) die einzigen Schiedsrichterinnen im Nordkreis. Vielleicht hilft der Rummel um Bibiana Steinhaus, die Anzahl zu erhöhen.

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