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Ruderer im Interview

Maximilian Planer: „Es geht um Spitzensport“

Dortmund Maximilian Planer ist nicht zu übersehen. Knapp zwei Meter lang, breites Kreuz, dunkler Vollbart - der Ruder-Weltmeister, der mit dem Deutschland-Achter in diesem Jahr kein Rennen verlor, beeindruckt aber nicht nur durch seine Statur - er hat auch was zu sagen. Planer ist Mitbegründer von „Athleten Deutschland e.V.“, der neu ins Leben gerufenen Interessenvertretung deutscher Top-Athleten.

Maximilian Planer: „Es geht um Spitzensport“

Maximilian Planer gehört zu den Gründungsmitgliedern von Athleten Deutschland e.V. Foto: picture alliance / dpa

Im Interview äußert sich Planer über die Vereinigung, Trainingsbedingungen und die Zukunft.


Athleten Deutschland e.V. – Sie sind eines von 45 Gründungsmitgliedern. Warum machen Sie mit?

Ich habe durch meine Erfahrungen einen guten Einblick in die Strukturen des Leistungssports gewonnen. Und bei der Vorbereitung die Olympischen Spiele in Rio 2016 habe ich einiges erlebt, was mir nicht gefallen hat, zum Beispiel, was Nominierungen angeht oder wie mit Sportlern geredet wurde. Und auch bei den Spielen selbst war es für mich schockierend, was man als Athlet bei Olympia für eine kleine Nummer ist. Man spürt förmlich, dass es viel mehr um das große Spektakel geht als um den Athleten selber.


Und das war Ihre Initialzündung, sich zu engagieren?

Ja, auch deshalb war ich im Herbst 2016 bei der Vollversammlung der Athletenvertreter als Ruderer-Vertreter. Da wurde mir erstmals der Horizont geöffnet, wie Verbandspolitik zwischen Fachverbänden, dem DOSB, dem IOC abläuft. Ich bin in der Hinsicht auch jetzt noch grün hinter den Ohren, damals war ich aber megagrün. Ich habe mich vorher gefragt, warum kann man nicht schneller Dinge anschieben? Inzwischen weiß ich, das geht nur langfristig.


Es gibt im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) eine Athletenkommission. Wozu braucht es jetzt einen eigenen Athleten-Verein?

Mit dem neuen Verein wird die Kraft der Athleten gebündelt. Damals hat mich DOSB-Athletensprecher Max Hartung (Fecht-Weltmeister/die Red.) ins Boot geholt, vor zwei Wochen wurde ich in Köln nun auch in die DOSB-Athletenkommission gewählt. Die Kommission hat dann – endlich – „Athleten Deutschland e.V.“ gegründet. Und ich bin Gründungsmitglied, das macht mich schon stolz, auch wenn ich weiß, dass das erst ein kleiner erster Schritt ist, der aber über ein Jahr geplant wurde. Da sind viele Dinge im Hintergrund von uns Sportlern, die ja ehrenamtlich dabei sind, vorbereitet worden. Damit haben wir den DOSB offensichtlich auch etwas überrascht.


Fühlen sich die deutschen Spitzensportler vom DOSB denn nicht ernst genug genommen?

Ernst genommen schon, aber die Probleme, die in den letzten Jahren im Leistungssport entstanden sind, sind durch ehrenamtliche Arbeit in der Athleten-Kommission nicht mehr zu stemmen. Als Leistungssportler, der studiert und nebenbei noch dieses wichtige Amt hat, kann man der Aufgabe nicht mehr gerecht werden, die Athleten angemessen zu vertreten. Das haben wir bei der viel diskutierten DOSB-Strukturreform gemerkt, da wurde von beiden Seiten nicht genug Arbeit geleistet, bei den Athleten auch aufgrund von Zeitmangel. Deshalb jetzt unser Versuch, unsere Interessenvertretung zu professionalisieren, sonst wird das nichts.


Der neue Verein will seine Stimme auch im Anti-Doping-Kampf erheben ...

Gerade bei den Olympischen Spielen in Rio und dem aufgeflogenen russischen Staatsdoping, da hätten wir Sportler uns vom IOC eine klare Kante gewünscht. Das hat die Athletenkommission auch so kommuniziert, aber da fehlten auch die Ressourcen, das deutlicher klarzumachen. Da fehlte uns einfach die Schlagkraft. Diese Dinge haben letztendlich auch zur Vereinsgründung geführt.


Es geht Ihnen um bessere Trainings- und Lebensbedingungen, um die Planung der Karriere nach dem Sport, um bessere Bezahlung, mehr Eigenständigkeit – ist „Athleten Deutschland e.V.“ auch ein Schritt zur Emanzipation vom Funktionärssport?

Der DOSB war wohl schon etwas überrascht oder irritiert, dass wir den Verein tatsächlich hinbekommen haben. Es geht uns aber nicht darum, den DOSB zu verärgern oder in Konkurrenz zu treten, wir wollen mit anpacken, dass der Leistungssport in Deutschland wieder nach vorne kommt. Es muss sich was verändern, denn in den letzten 20 Jahren gab es einen Stillstand, andere Nationen haben uns überholt, das sieht man auch im Rudersport. Unsere Meinung muss noch mehr Gewicht bekommen. Es geht schließlich um Spitzensport. Wir sind die Akteure, das ist vielleicht ein bisschen in den Hintergrund geraten.


Die Athletenkommission hat der Spitzensportreform des DOSB zugestimmt, warum sind die Sportler dennoch nicht zufrieden?

Das lässt sich zum Beispiel an der vorgeschriebenen Zentralisierung an Stützpunkten festmachen. Wenn gestandene Kadersportler gezwungen werden, zur Ausübung ihres Sports und für die weitere Förderung den Wohnort zu wechseln, widerspricht das oft der Lebenswirklichkeit des Einzelnen. Er verlässt sein vertrautes Umfeld und die dort geschaffenen Strukturen, kann eventuell sein Studium am neuen Ort nicht nahtlos fortsetzen oder ist bei der Landespolizei abgestellt und kann dort gar nicht so einfach weg, er braucht eine neue Wohnung - das sind viele Faktoren, die nicht eben leistungsfördernd und eventuell auch teuer sind. Und wer dann nicht in der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist und nur auf die 150 bis 300 Euro der Sporthilfe – die wirklich einen tollen Job macht – monatlich angewiesen ist, der wird es schwer haben. Man muss den Spitzensportlern vor Ort ein Angebot machen, mit dem sie leben können. Sonst droht die Gefahr, dass sie dem Sport unwiderbringlich verloren gehen, wie es schon passiert ist. Bei besserer Kommunikation hätte das verhindert werden können.


Aber am Ruderleistungszentrum in Dortmund funktioniert das Prinzip, Sportler an einem Ort zu konzentrieren, doch offenbar bestens ...

Das Dortmunder Modell (lacht). Ja, im Rudern wird Dortmund als Paradebeispiel genannt, weil hier viele Sachen einfach gut laufen. Es gibt eine gute Kooperation mit den Unis in Dortmund und Bochum, die Mieten sind bezahlbar, es gibt einen Mietzuschuss vom Olympiastützpunkt, es gibt Ruderer-WGs, die die Integration von Zugezogenen wie mir sehr erleichtern, es gibt vom Sponsor Wilo Stipendien für junge Sportler. In Hamburg zum Beispiel hat man da mehr Probleme, wo ein WG-Zimmer gern mal 1200 Euro im Monat kostet.


Es gibt derzeit in vielen Ländern viele Autonomie-Bestrebungen, ist der Verein auch eine Art von Aufbruch im deutschen Sport?

Durchaus, denn es gibt so viele Themen, wo wir Sportler uns nicht einbezogen fühlen. Unsere Vereinsgründung ist weltweit eine einzigartige Sache. Wir wollen, dass sich möglichst alle Kadersportler bei uns anmelden, es geht ja darum, sie zu repräsentieren, ihre Probleme zu lösen, für sie ein Sprachrohr zu sein. Wir versuchen zu helfen, können aber tatkräftige Unterstützung jeglicher Art gebrauchen, auch finanzieller Natur, da wir uns ja hauptamtlich aufstellen wollen. Da hoffen wir auf die Unterstützung durch die Politik und freuen uns auf die Gespräche mit der neuen Regierung und dem neuen Sportausschuss. Die SPD hat schon öffentlich ihre Unterstützung verkündet. Es wäre toll, wenn die anderen jetzt nachziehen. Die Finanzierung unseres Vereins soll aber nicht von der normalen Förderung der Sportler abgezweigt werden, das ist uns wichtig,


Wie geht es jetzt weiter mit ihrem exklusiven Spitzensport-Klub?

Der Stein muss jetzt ins Rollen kommen, und wir sind alle hochmotiviert, etwas Gutes daraus zu machen. Das merke ich allein daran, dass ich bestimmt hundert Whatsapp-Nachrichten aus der Athleten-Gruppe auf dem Handy habe, wenn ich mal einen Tag nicht draufschaue. Das ist inzwischen fast ein Hauptjob (lacht). Unser Ziel ist es, dass es jeden Tag einen Ansprechpartner für die Sportler geben soll. Wir haben gerade ein Stück Geschichte geschrieben, und von außen kommt viel Ermunterung und Motivation. Bei uns steckt jede Menge Energie drin.


ZUR PERSON: MAXIMILIAN PLANER

Maximilian Planer, geboren am 28. Januar 1991 in Bernburg (Saale), gehört der Nationalmannschaft Männer Riemen an und gewann mit dem Deutschland-Achter am 1. Oktober in Sarasota (USA) Gold. Das Talent wurde dem Journalistik-Studenten in die Wiege gelegt: Seine Eltern gehörten zur Junioren-Weltspitze. Planer ist seit 2013 im Team Deutschland-Achter, ruderte im Vierer und im Großboot zu Medaillen. Bei Olympia 2016saß Maximilian Planer im Vierer ohne Steuermann. Am Mittwoch in Köln trifft sich Athleten Deutschland e.V. zur ersten großen Themensitzung.

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