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Paloma Faith wünscht sich weinende Männer

London. Wenige Monate nach der schwierigen Geburt ihrer ersten Tochter kehrt Paloma Faith mit ihrem neuen Album „The Architect“ ins Rampenlicht zurück. Darauf wirbt die Sängerin für mehr Mitgefühl in Gesellschaft und Politik. Ihrem musikalischen Stil bleibt sie treu.

Paloma Faith wünscht sich weinende Männer

Paloma Faith ist nach der Geburt ihrer Tochter froh, dass sie die Schwangerschaft hinter sich hat. Foto: Facundo Arrizabalaga

An ihre Doppelrolle als Popstar und Mutter muss sich Paloma Faith erst noch gewöhnen. „Das ist schon komisch“, erklärt die britische Sängerin mit den extravaganten Outfits der Deutschen Presse-Agentur.

„Ich war neulich auf einer großen Mode-Gala. Und auf einmal finde ich einen Schnuller in meiner Manteltasche. Ich fühlte mich gerade so glamourös und schick, und dann das!“ Faith lacht herzlich. Die 36-Jährige ist erkennbar froh, nach längerer Pause wieder im Rampenlicht zu stehen.

Die Monate rund um die Geburt seien für sie nicht leicht gewesen, berichtet Faith. „An einer Schwangerschaft ist nichts glamourös“, sagt sie, „es ist im Prinzip die Hölle. Und ich finde, dass da nicht genug Menschen drüber sprechen, weil sie denken, dass man dann nicht dankbar ist, ein Kind zu haben. Aber natürlich bin ich dankbar. Es ist das beste, was ich je erlebt habe. Aber auch das schlimmste.“ Die Fruchtblase platzte zu früh, das Kind musste per Kaiserschnitt geholt werden, danach litt Faith an einer Infektion. Vier Monate lag sie im Krankenhaus und konnte nur unter Schmerzen aufstehen.

Vor ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der Schwangerschaft plagten die Sängerin nach eigenen Angaben „nervenaufreibende“ Selbstzweifel. „Ich dachte, dass die Leute mich vielleicht vergessen oder gar kein Interesse mehr an mir haben“, erzählt sie. Das Comeback in einer britischen TV-Show, in der Faith ihre neue Single „Cry Baby“ performte, sei dann aber ein „Eisbrecher“ gewesen. „Das ist der Grund, warum ich diesen Job mache“, betont sie, „weil ich schon immer gern aufgetreten bin und auf der Bühne stand.“

Nach der Geburt ihrer Tochter seien ihr die Auftritte nun sogar noch wichtiger, gibt Faith zu. „Als Elternteil ist man praktisch nur noch für sein Kind da und vergisst, sich um sich selbst zu kümmern. Aber ein Auftritt, das ist ein kleiner Moment, den man für sich persönlich hat.“ Im März gibt die gebürtige Londonerin, die einen spanischen Vater hat, 14 Konzerte in Großbritannien. Internationale Tourdaten stehen bisher noch nicht fest, sind aber in Planung. Es gilt schließlich, ihr viertes Album „The Architect“ vorzustellen.

Den Albumtitel hat Paloma Faith bewusst gewählt. „Es passt gut, weil ich schwanger war und mich als Architektin eines ungeborenen Menschen fühlte“, erklärt sie. Das optische Konzept von Menschen und Androiden will sie als Metapher verstanden wissen. „Es geht darum, was Natur ist, was aufgezüchtet und was erzeugt ist. Ich hab mein Kind gezeugt, aber die Frage ist, wie viel Einfluss die Medien, die Politik und soziale Konstrukte auf den Menschen haben.“ Bisher habe sie sich immer der Vergangenheit gewidmet, nun blicke sie in die Zukunft.

Das Video zur ersten Singleauskopplung „Crybaby“ erinnert an Science-Fiction-Filme wie „Flucht ins 23. Jahrhundert“ oder „Gattaca“. Im Text der groovigen Soul- und Disco-Nummer ermuntert Paloma Faith die Männerwelt, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen, sich mal auszuweinen. „Komm und wein, Baby, du musst es nicht zurückhalten“, singt sie. Weinende Männer findet sie nach eigener Aussage attraktiv. Außerdem seien Tränen wichtig für mehr Mitgefühl.

Das Mitgefühl vermisst Faith nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Politik. „Politiker brauchen bei ihren Entscheidungen mehr Empathie“, fordert sie. „Das ist das größere Bild, das ich zeichnen will.“ Auf ihrem Album widmet sich Faith nun nicht mehr den verflossenen und gescheiterten Beziehungen, sondern will globalere Themen ansprechen. Als Inspiration nennt sie Soulsänger Marvin Gaye und dessen Album „What's Going On“ aus der Zeit des Vietnamkriegs.

Ob die Botschaft bei allen Hörern ankommt, bleibt abzuwarten. Aber zunächst muss „The Architect“ musikalisch überzeugen. Und das tut es. Faith liefert erneut wuchtigen, radiotauglichen Pop mit leichtem Retrocharme und Kino-Atmosphäre. Auf das tanzbare „Crybaby“ folgte als zweite Single die Soulballade „Guilty“. Ein namhaftes „featuring“ darf heute wohl auch nicht mehr fehlen, so gastiert John Legend bei „I'll Be Gentle“. Dass der streicherlastige Titelsong nach James Bond klingt, ist auch kein Zufall. 007-Filmkomponist David Arnold („Casino Royale“) war gleich an mehreren Liedern beteiligt.

„Ich habe alles aus der Ich-Perspektive geschrieben“, erklärt Faith, „denn um mitzufühlen, muss man sich in die Person, die das singt, reinversetzen können.“ Nicht nur deshalb sind auch ihre neuen Songs weiterhin Liebeslieder. „Mein innerstes Gefühl, auf das ich bei jedem Thema immer wieder zurückkomme, ist Liebe“, erklärt Paloma Faith. „Denn Liebe macht uns menschlich. Das ist die positive Verbindung zwischen uns und allem anderen.“

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