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Putin akzeptiert Strafe im Dopingskandal

Lausanne/Moskau. Grünes Licht für Russlands Sportler auf dem Weg zu den Winterspielen in Südkorea. Präsident Putin will den Athleten nicht durch einen Boykott den Weg verbauen und nimmt die Strafen des IOC offensichtlich hin. Das wertet das internationale Lob fürs IOC noch auf.

Putin akzeptiert Strafe im Dopingskandal

Stellt den russischen Sportlern einen Start bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang frei: Präsident Wladimir Putin. Foto: Ivan Sekretarev

Russland verzichtet trotz der empfindlichen Strafen des Internationalen Olympischen Komitees im Dopingskandal auf einen Boykott der Winterspiele in Südkorea.

Präsident Wladimir Putin akzeptierte, dass seine Sportler unter neutraler Flagge und ohne russische Hymne antreten müssen. Wenn alle Auflagen des IOC erfüllt werden, kann Russland schon am 25. Februar mit der Schlussfeier in Pyeongchang in die olympische Familie zurückkehren.

IOC-Präsident Thomas Bach begrüßte das und hofft, dass nun eine neue Generation russischer Athleten eine Brücke in „eine saubere Zukunft des russischen Sports baut“. Er sei sicher, dass die russischen Sportler auf einer Versammlung im Sinne einer Teilnahme entscheiden.

Putin, der kurz zuvor in Nischni Nowgorod die Kandidatur für eine vierte Amtszeit ankündigte, sagte: „Wir werden zweifellos nicht diejenigen blockieren, die teilnehmen wollen.“ Er äußerte erneut Unverständnis: „Die meisten Anschuldigungen basieren auf Vorwürfen, die in keiner Weise bestätigt wurden und zumeist keine Grundlage haben.

Das politische Moskau reagierte am Mittwoch zunächst wütend auf die IOC-Entscheidung, dass die startberechtigten Athleten am 9. Februar bei der Eröffnungsfeier nicht als russische Mannschaft einlaufen dürfen.

Das hält das IOC für angemessen, stellte es wie schon der kanadische Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, Richard McLaren, fest: In Russland gab es ein mutmaßlich staatlich orchestriertes Dopingsystem vor und bei den Winterspielen in Sotschi 2014.

Vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne gingen Klagen von 22 russischen Wintersportlern ein, die vom IOC lebenslang für Olympia gesperrt sind. Auch das Nationale Olympische Komitee des Landes (ROC) könnte gegen seinen Ausschluss in Pyeongchang vor dem CAS klagen.

Dass der Dopingskandal auf die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Sommer übergreifen könnte, wiesen die russischen Organisatoren - wie schon zuvor der Weltverband FIFA - zurück. „Die Entscheidung des IOC hat keine Auswirkungen auf die Vorbereitungen für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018“, hieß es am Mittwoch auf dpa-Anfrage aus Moskau.

Der Chef des WM-OK, Witali Mutko, war wegen seiner Verwicklung in das Staatsdoping vor und nach den Winterspielen 2014 in Sotschi vom IOC lebenslang von Olympia ausgeschlossen worden. Die FIFA hatte Konsequenzen für Mutko abgelehnt. Der Vize-Regierungschef soll demnach das Turnier vom 14. Juni bis 15. Juli 2018 weiter verantwortlich organisieren.

Auf das IOC kommt auf jeden Fall eine Klagewelle aus Russland zu. Wie der CAS mitteilte, seien unter den Klägern gegen die lebenslangen Sperren und die Annullierung der Ergebnisse der Winterspiele 2014 in Sotschi die Olympiasieger Alexander Subkow (Bob), Alexander Legkow (Langlauf) und Alexander Tretjakow (Skeleton).

Das IOC hat bislang 25 russische Sotschi-Teilnehmer nachträglich gesperrt. Dabei wurden Russland auch elf Medaillen, darunter vier goldene, aberkannt.

Für das IOC und seinen Präsidenten gab es für die Entscheidung vom Dienstag viel Lob aus der Politik sowie von Funktionären und Athleten, aber auch Kritik, die Maßnahmen seien nicht ausreichend.

Selbst die ansonsten Bach-kritische Nationale Anti-Doping-Agentur der USA begrüßte das Urteil als einen „bedeutenden Sieg“ für saubere Athleten.

Der russische Kronzeuge im Dopingskandal, Grigori Rodschenkow, ist „stolz“ auf die IOC-Entscheidung, wie sein Anwalt Jim Walden dem Onlinedienst „insidethegames“ (Mittwoch) sagte.

Rodschenkow, der mit seinen Aussagen den Skandal ins Rollen gebracht hatte, war Anfang 2016 in die USA geflüchtet, weil er in seiner Heimat um sein Leben fürchtete. Er lebt nun unter dem Schutz des FBI an einem unbekannten Ort. Russland fordert seine Auslieferung.

Für Bundesinnenminister Thomas de Maizière ist der Fall Russland ein „bitterer Befund“. Der CDU-Politiker sagte: „In Anbetracht dieses Ergebnisses ist die Entscheidung des IOC konsequent.“

Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) und Exekutivmitglied im Weltverband IIHF, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Ich bin froh, dass es keine Kollektivbestrafung gegeben hat. Das Urteil lässt den sauberen Sportlern die Möglichkeit, bei Olympia zu starten.“

Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes (DSV), sagte der dpa: „In Anbetracht des schier unglaublichen Ausmaßes bleibt trotz alledem ein bitteres Gefühl.“

Auch Athleten halten wenig von einem kompletten Ausschluss Russlands. Biathlon-Sprint-Weltmeister Benedikt Doll sagte: „Wenn man nichts gemacht hat und nicht starten kann, dann ist das ein harter Schicksalsschlag.“

Konstantin Schad, Athletensprecher des Ski-Weltverbands FIS, ist zufrieden mit dem IOC-Urteil: „Das ist schon eine knackige Ansage und für Herrn Putin die ultimative Demütigung.“

Kritiker des IOC argumentieren ähnlich wie die Anti-Doping-Kämpferin Ines Geipel. Die Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfe-Vereins sagte: „Die Beweise liegen auf dem Tisch. Doch im Grunde sagt die Entscheidung: Egal, welches Staatsdoping ihr auflegt in dieser Welt, wir nehmen euch auf in die olympische Familie.“

Das Internationale Paralympische Komitees (IPC) will am 22. Dezember eine Entscheidung zu einem möglichen Ausschluss Russlands bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang treffen.

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