Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Rockerclub verboten

Razzia bei den Hells-Angels: Keine Festnahmen

DÜSSELDORF Das NRW-Innenministerium hat am Mittwochmorgen das Hells Angels Chapter in Erkrath sowie deren Unterstützerorganisation Clan 81 Germany verboten. Bei mehreren Razzien in 16 Städten in NRW beschlagnahmten Polizisten daraufhin Motorräder, Waffen und Bargeld.

Razzia bei den Hells-Angels: Keine Festnahmen

Polizisten vor der Wohnung eines Mitgliedes der Hells Angels in Erkrath. Foto: Roland Weihrauch

Mehr als 700 Polizisten sind im Einsatz und durchsuchen mehr als 50 Wohnungen und Geschäftsräume des Vereins und der Unterstützer. Die Durchsuchungen begannen zeitgleich um 6 Uhr in Erkrath, Wülfrath, Düsseldorf, Ratingen, Wuppertal, Köln, Leverkusen, Bergheim, Neuss, Pulheim, Kevelaer, Goch, Rösrath, Heiligenhaus, Krefeld und Warendorf. Lars Lindemann, Sprecher der Polizei Essen, geht davon aus, dass sich der Einsatz noch bis in den Nachmittag ziehen wird. „Aktuell gehe ich von einem störungsfreien Verlauf aus.“

„Das Vereinsvermögen wird beschlagnahmt“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf. Bis Mittag seien bei den Durchsuchungen neun Motorräder, 15 Kutten, 13 Messer, ein Gewehr, ein Revolver, eine Armbrust und mehr als 60.000 Euro Bargeld sichergestellt worden. Festnahmen gab es den Angaben zufolge nicht. 

Reul: "Es geht nicht um Motorradfahrer-Romantik"

Das Verbot betreffe die Hells-Angels-Gruppe MC Concrete City in Erkrath bei Düsseldorf und deren Teilorganisation Clan 81 Germany. „Es geht um Gewalt, Drogen, Waffen und Zwangsprostitution“, sagte Reul. „Dieser Club ist auffällig geworden.“ Die betroffenen Mitglieder des Rockerclubs seien nachweislich kriminell. Bei einer Massenschlägerei unter Beteiligung der Hells Angels seien in Erkrath unlängst auch Polizisten verletzt worden.

Hintergrund zu den Hells Angels

Eine Chronologie der verbotenen Hells Angels

DÜSSELDORF Die Hells Angels gelten als mächtigster Rockerclub der Welt. Als "Höllenengel" von Kriegsveteranen 1948 in Kalifornien gegründet, sind die Rocker heute in 56 Ländern mit 444 Regionalgruppen, so genannten Chaptern vertreten. Die Chronologie der verbotenen "Hells Angels"-Gruppen.mehr...

Auf 35 Seiten führt die Verbotsverfügung auf, welcher Straftaten die Rocker noch verdächtigt werden. So sollen minderjährige Mädchen aus dem Raum Trier von Rockern nach Erkrath gebracht, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden sein, um sie zur Zwangsprostitution zu zwingen. Aufgelistet werden Landfriedensbruch, Bedrohung und immer wieder Gewalttaten.

Reul setzte mit dem Verbot die Linie seines Vorgängers Ralf Jäger (SPD) fort. Wie in der Vergangenheit auch würden Rockergruppen verboten, sobald die Voraussetzungen vorliegen, sagte der Minister. „Es geht nicht um Motorradfahrer-Romantik. Es handelt sich um kriminelle Organisationen.“

Rechtsanwalt der Hells Angels kritisiert die Maßnahmen

Ein Rechtsanwalt der Hells Angels kritisierte die Maßnahmen. Die Polizei sei über das Ziel hinausgeschossen, sagte der Jurist Wolf Bonn auf Anfrage. „Da sind Dinge beschlagnahmt worden, die nicht vom Beschluss des Verwaltungsgerichts Düsseldorf umfasst sind.“ Der Gerichtsbeschluss erlaube zwar die Beschlagnahme von gewissen Beweismitteln, die Polizei habe aber auch Privateigentum wie etwa Motorräder, Uhren, Bargeld und sogar eine Bachelorarbeit mitgenommen. „Wir prüfen rechtliche Schritte gegen das Vereinsverbot“, kündigte der Anwalt an.

Reul widersprach: Bei den Motorrädern handele es sich um Vereinsvermögen. „Wenn die Damen und Herren aus diesem Club der Meinung sind, das wäre falsch, gibt es die Möglichkeit, das zu beweisen. Die sind jetzt bei uns und stehen sicher verwahrt.“

Polizei hält einige Rocker für gefährlich

Wegen der vermuteten Gefährlichkeit einiger Rocker setzte die Polizei am Mittwochmorgen auch Spezialeinsatzkommandos ein. Außerdem waren Einsatzhundertschaften, szenekundige Ermittler und zahlreiche Diensthunde vor Ort.

Hintergrund der Razzia ist das Verbot einer im Großraum Erkrath aktiven Gruppe der Hells Angels und deren Teilorganisation durch das Innenministerium, wie die Polizei in Essen mitteilte. Das Verbot des Innenministeriums trifft die Erkrather Hells Angels Ortsgruppe Hells Angels MC Concrete und die Unterstützerorganisation Clan 81 Germany bekanntgegeben.

Zweck und Tätigkeit des Rockerclubs und seiner Mitglieder verstießen gegen Strafgesetze, hieß es in der Begründung. "Der Rechtsstaat nimmt nicht hin, dass Parallelgesellschaften wuchern, in denen seine Autorität und das Gewaltmonopol missachtet werden", erklärte der NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) laut Mitteilung. Deshalb sei das Verbot ein wichtiges Signal.

Null-Toleranz-Strategie gegen kriminelle Rockerbanden

"Die Mitglieder des Vereins sind nachweislich kriminell. Ihr Alltag besteht aus Gewalt, Waffen, Drogen und Zwangsprostitution", so Reul weiter. Die Menschen versetze das in Angst und Schrecken. Das Verbot sei Bestandteil einer Null-Toleranz-Strategie der neuen Landesregierung gegen kriminelle Rockerbanden.

Die Hells Angels gelten als mächtigster und mitgliederstärkster Rockerclub der Welt. Die „Höllenengel“ wurden 1948 von Kriegsveteranen in Kalifornien gegründet, der Name stammt von einer Bomberstaffel. Aus der Gruppe von Harley-Davidson-Fans wurde eine straff geführte Organisation mit Mitgliedern in rund 30 Ländern. Der erste deutsche Ableger entstand 1973. 

dpa

Anzeige
Anzeige