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Rolling Stones: Neues Album mit alten Radioaufnahmen

London. Pünktlich zu Weihnachten veröffentlichen die Rolling Stones ein Album mit Radiomitschnitten des britischen Senders BBC. Die musikalische Zeitreise zu den wilden Anfängen der Band klingt erstaunlich gut.

Rolling Stones: Neues Album mit alten Radioaufnahmen

The Rolling Stones im Jahr 1964: Brian Jones (l-r), Keith Richards, Bill Wyman, Mick Jagger und Charlie Watts. Foto: Hulton Archive/Getty Images/Universal Music

Mick Jagger konnte ja nicht ahnen, welch große Karriere noch vor ihm und seiner Band lag.

In seinem allerersten Interview mit der Presse äußerte der Sänger der Rolling Stones eine Sorge, die im Nachhinein schmunzeln lässt. „Ich hoffe, sie halten uns nicht für eine Rock'n'Roll-Band“, soll er der Zeitung „Jazz News“ im Juli 1962 gesagt haben. Heute sind die Stones die wohl erfolgreichste Rock'n'Roll-Band der Welt und immer noch unterwegs. Ihr neues Album widmet sich aber den Anfangsjahren.

Von ausgedehnten Welttourneen, Auftritten in Fußballstadien und Reisen mit Privatjets konnten Jagger und Co. allenfalls träumen, als die Aufnahmen entstanden, die jetzt erschienen sind. „On Air“ (Untertitel: „A BBC Recording“) ist eine Sammlung von Radiomitschnitten aus dem Archiv des britischen Senders BBC, aufgenommen in den Jahren 1963 bis 1965. Selbst das ikonische Logo mit der roten Zunge gab es damals noch nicht und die Rolling Stones waren noch zu fünft. Neben Jagger, Keith Richards und Charlie Watts, die bis heute dabei sind, gehörten Gitarrist Brian Jones und Bassist Bill Wyman zur Band.

Die Titelliste auf „On Air“ ist eine Mischung aus späteren Klassikern der Band, darunter der Überhit „(I Can't Get No) Satisfaction“ oder „The Last Time“, und Coverversionen wie „Roll Over Beethoven“ von Chuck Berry oder Solomon Burkes „Everybody Needs Somebody to Love“, das dank Wilson Pickett (1967) und den Blues Brothers (1980) später noch bekannter wurde. Zu den Höhepunkten zählen die lässige Version von Berrys „Come On“ und das von offenbar überwiegend weiblichen Fans im Studio frenetisch bekreischte „I Just Want To Make Love To You“, geschrieben von Willie Dixon, ursprünglich gesungen von Muddy Waters.

Die Deluxe Edition von „On Air“ umfasst insgesamt 32 Aufnahmen und zeigt auch die große Vielfalt der Musiksendungen, die BBC schon damals im Programm hatte. „Saturday Club“, „Blues In Rhythm“ und „Yeah Yeah“ sind frühe Radio-Vorgänger der späteren, langjährigen TV-Erfolgsshow „Top Of The Pops“. Diese vor allem bei Jugendlichen sehr populären Sendungen erwiesen sich für die Rolling Stones als wichtige Plattform in Sachen Eigenwerbung. Auf dem neuen Album sind mitunter auch die Ansager des damaligen Radioprogramms zu hören, was das Nostalgie-Gefühl noch verstärkt.

Man kann erahnen, welche Faszination auf ihre Hörer die BBC-Sendungen damals gehabt haben müssen - Jahrzehnte vor der Einführung des eintönigen Formatradios und der flächendeckenden Musik-Verfügbarkeit durch Download-Plattformen und Streaming-Dienste. Mehr als 50 Jahre später klingen die meisten der Mitschnitte trotzdem erstaunlich modern und kraftvoll. Das ist zumindest der subjektive erste Höreindruck. Möglich war das laut Plattenfirma Universal, weil die Originalaufnahmen mehrspurig waren. Für die neue Veröffentlichung wurden sie in ihre Einzelteile zerlegt, verstärkt und neu abgemischt.

Parallel zu CD, Doppel-LP und Download-Variante erscheint das umfassend bebilderte Hardcover-Buch „Rolling Stones On Air In The Sixties - TV And Radio History As It Happened“, eine begleitende Chronik über die Bandgeschichte in den 60er Jahren. Dort ist auch Jaggers amüsante Aussage in den „Jazz News“ zu lesen. Den Satz soll er gesagt haben, nachdem die Rolling Stones erstmals im Londoner Marquee Club aufgetreten waren. Der galt damals nämlich noch als Jazz Club. Die Stones aber spielten den Blues, wie er jetzt auch auf „On Air“ zu hören ist. Und das ist natürlich purer Rock'n'Roll.

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