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Russlands Baustellen vor der Fußball-WM

Moskau. Die erste Fußball-WM in Russland soll ein strahlendes Spektakel werden. Jahrelang hat die stolze Sportnation auf das Großevent hingearbeitet. Doch in den letzten Monaten bleibt viel zu tun.

Russlands Baustellen vor der Fußball-WM

Das Stadion in St. Petersburg teht als Sinnbild für die Korruptions-Debatte um die WM 2018 in Russland. Foto: Christian Charisius

Wenn der Weltverband FIFA am Freitag in Moskau die Gruppen der Fußball-WM auslost, beginnt für Russland der Endspurt für die Vorbereitungen.

Knapp 200 Tage bleiben dem WM-Gastgeber, Stadien auf Hochglanz zu polieren und bereit zu machen für hunderttausende Fans. Ein Überblick über die größten Herausforderungen: 

DOPING: Der russische Spitzensport wird den Vorwurf eines staatlich kontrollierten Doping-Systems nicht los. Nicht nur Leichtathleten und Wintersportler stehen unter Verdacht. Auch Anschuldigungen gegen den Fußball werden wieder lauter. Im Fokus steht das WM-Team von 2014. Schon beim Confederation Cup vergangenen Sommer hatte es Vorwürfe gegeben. Nun berichten britische Medien, dass der russische Doping-Kronzeuge Grigori Rodschenkow zu einer Aussage bereit sei.

Russlands Politiker haben nach Jahren der Doping-Debatte Routine entwickelt, Anschuldigungen abtropfen zu lassen. „Ich kann offen sagen, dass wir nichts zu befürchten haben“, sagte Fußball-
Verbandschef Witali Mutko drei Tage vor der Auslosung. Das russische Team sei 2014 in Brasilien kontrolliert worden. Generell sieht Moskau im Dopingskandal eine politisch motivierte Kampagne des Westens, um den russischen Sport zu diffamieren.

KORRUPTION: Russland lässt sich die erste Fußball-WM im eigenen Land einiges kosten. Nach offiziellen Angaben nimmt die Regierung 678 Milliarden Rubel (etwa 10 Milliarden Euro) in die Hand, um Stadien, Straßen und Hotels zu bauen. Experten schätzen, dass die Kosten durchaus doppelt bis dreimal so hoch ausfallen könnten.

Kritiker befürchten aber, dass ein beträchtlicher Teil des Geldes in den Taschen von Privatpersonen landen könnte. Auch die Vergabe von Aufträgen an Firmen bezeichnen Beobachter als undurchsichtig.

Als Sinnbild für die Korruptions-Debatte um die WM gilt das neue Stadion in St. Petersburg. Explodierende Kosten und Verzögerungen beim Bau hielten die Zenit-Arena in den Negativ-Schlagzeilen. Ein früherer Vize-Gouverneur aus Russlands „nördlicher Hauptstadt“ hatte Anfang November zugegeben, mehr als 50 Millionen Rubel (730 000 Euro) beim Bau unterschlagen zu haben. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.

BAUSTELLEN: Gut 200 Tage vor dem WM-Anpfiff laufen die Arbeiten an den Spielorten noch auf Hochtouren. Längst nicht alle Stadien sind fertig, die Zeit drängt. Größtes Sorgenkind: Samara an der Wolga. „Wir haben deutliche Verzögerungen beim Bau in mehreren Städten, vor allem in Samara“, sagte der mit WM-Vorbereitungen betraute Senator Andrej Kutepow der Zeitung „Sport-Express“. Zuletzt fehlte dort noch der Rasen.

Vizeregierungschef Witali Mutko bemüht sich seit Wochen, die Probleme zu lösen. „Insgesamt ist die Situation unter Kontrolle und kein Grund zur Besorgnis“, sagte er. Auch Präsident Wladimir Putin machte bei einer Sitzung seines Sport-Rates Druck: „Eine Verzögerung bei der Vorbereitung der Weltmeisterschaft ist nicht akzeptabel.“

HOOLIGANS: Gewaltbereite Fans haben Russlands Fußball mehrfach in Verruf gebracht. Unvergessen sind die Bilder von Ausschreitungen zwischen russischen und englischen Fans bei der EM 2016 in Frankreich. Bei der Weltmeisterschaft will Moskau das Problem im Keim ersticken. Russen, die bei der Europameisterschaft auffällig geworden sind, dürfen nicht zu WM-Spielen kommen. Mehr als 380 Namen stehen dem Innenministerium zufolge inzwischen auf einer schwarzen Liste. Zumindest beim Confed Cup, dem Testlauf für die WM, blieben Skandale mit Hooligans aus.

SBORNAJA: Selbst wenn die WM ein glänzendes Fußballfest wird, der sportliche Erfolg von Gastgeber Russland ist alles andere als sicher. Großartig wäre aus Expertensicht schon ein Weiterkommen der Sbornaja ins Achtelfinale. Zwar war zuletzt die Kritik an der Leistung des Teams leiser geworden. Doch Fußball-Chef Witali Mutko weiß um die negative Wirkung eines harschen Fan-Urteils. „Wir können das Land mit Fußballplätzen zupflastern, Millionen Leute in den Fußball bringen. Aber wenn morgen die Sbornaja verliert, werden alle sagen, dass unser Fußball schlecht ist“, klagt Mutko.

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