Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.

Sanft schläft der Tod

Binz. Samt Segelboot werden die Kinder der Familie Mendt entführt. Doch der Täter meldet sich lange nicht. Parallelen zu einem mehr als 25 Jahre alten Fall liefern Hinweise - stürzen die Eltern aber auch in Angst und Sorge. Das Erste zeigt am Samstag einen packenden Psychothriller.

Sanft schläft der Tod

Matthias Brandt spielt in dem Psychothriller „Sanft schläft der Tod“ einen skrupellosen Entführer. Foto: ARD Degeto/ndf/Esteve Franquesa Parareda

So ruhig, so abgeklärt wie der Entführer spricht, wirkt sein Vorgehen noch brutaler, noch berechnender. „Ich bin eine treue Seele“, sagt er. „Und du, bist du eine gute Mutter?“

Die Mama der gekidnappten Kinder, Anja Mendt, gerät schier in Verzweiflung. Anzünden will er den sechsjährigen Finn und die elfjährige Leila. Ihre Mutter soll entscheiden, welches Kind sie lieber hat.

Es ist eine grausame Situation. Und durch das perfekt abgestimmte Schauspiel von Matthias Brandt als kalt wirkender Kindesentführer und Marleen Lohse als Mutter voller Angst wird der Thriller „Sanft schläft der Tod“ zu einem packenden Psychodrama. Das Erste zeigt den mehr als zweistündigen Film am Samstagabend (20.15 Uhr).

Die Urlaubsidylle der Familie Mendt wird jäh zerrissen, als plötzlich ihr Segelboot samt der Kinder spurlos verschwunden ist. Die örtliche Polizei auf Rügen nimmt zunächst schleppend die Arbeit auf, bis das Landeskriminalamt sich einschaltet. Der Chef der Ermittler, Werner Kempin (Bernhard Schütz), tritt als arroganter Beamter auf, der sich seiner Sache sicher ist. Eine Einstellung, die er noch bereuen wird.

Und dann taucht auch noch Herbert Winter (Manfred Zapatka) auf, der Vater von Frank Mendt (Fabian Busch), dessen Kinder entführt wurden. Die beiden haben seit Jahren nichts mehr miteinander zu tun. Mendt hat seinen Vater als Ex-Stasi-Spitzel angezeigt und seiner Familie erzählt, der Opa sei tot. Doch Winter lebt - vorzugsweise vom Alkohol. Und meldet sich zu Wort, als er die Fahndungsplakate mit den Fotos seiner Enkel sieht: Die Entführung zweier Kinder erinnert ihn an einen mehr als 25 Jahre zurückliegenden Fall, bei dem er selbst ermittelt hatte.

Fünf Parallelen zur aktuellen Entführung zählt Winter auf. Sein Ex-Kollege Kempin wischt sie rechthaberisch vom Tisch. Weil für die Eltern aber jeder Funken Hoffnung zählt, wird fortan in zwei Richtungen ermittelt. Das Vater-Sohn-Gespann geht alten Fällen von Kindesentführung nach, Mutter Mendt bleibt mit dem LKA-Stab in Binz. Dabei kommt ihr der Kidnapper ihrer Kinder immer, immer näher.

Brandt spielt den Täter brillant in all seiner Abgeklärtheit, in all seiner Skrupellosigkeit. Als er den Kindern auf dem Boot ein Medikament ins Getränk mischt und Leila fragt, was passiert, wenn sie nicht trinkt, antwortet er ganz ruhig, ganz sachlich: „Dann schmeiße ich deinen Bruder ins Meer.“ Und verzieht den Mund zu einem Lächeln. Lange Zeit bleibt das Motiv des Entführers im Unklaren.

Der mehrfach ausgezeichnete Regisseur Marco Kreuzpaintner inszeniert das fesselnde Werk von Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt kurzweilig und spannend. Luftaufnahmen vom Ostseebad wechseln sich mit Unschärfen ab. Mal blickt die Kamera durch spinnennetzbehangene Fensterscheiben, mal fährt sie den abbröckelnden Putz an den Wänden eines heruntergekommenen Kinderheims entlang.

Während Winter während der wieder aufgenommenen Ermittlungen neuen Elan bekommt und um das Vertrauen seines Sohnes kämpft, wird dem bewusst, dass er ohne seine Anzeige damals womöglich die Entführung seiner Kinder hätte verhindern können. Auf der anderen Seite schafft es Anja Mendt zu dem Verließ, in dem ihre Kinder gefangen sind. In einer ergreifenden Szene versucht sie durch einen schmalen Schlitz in der Tür ihren inzwischen auch noch vergifteten Sohn zu greifen. Das Psychospiel, das der Entführer mit ihr treibt, endet für mehrere Figuren tödlich.

Anzeige
Anzeige