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„Saukomisch“, poetisch, bissig: Bruno Jonas wird 65

München. Was wäre die Politik ohne Kabarett? Eine langweilige Angelegenheit. Wer die Kunst der Satire beherrscht, legt den Finger dahin, wo es weh tut. Einer, der das kann, ist Bruno Jonas. Am 3. Dezember wird er 65.

„Saukomisch“, poetisch, bissig: Bruno Jonas wird 65

Bruno Jonas wird 65. Foto: Matthias Balk

Bruno Jonas ist nicht gerade zimperlich. Egal ob Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft, scharfzüngig und mit viel Humor meldet sich der Kabarettist zu Wort, im Fernsehen und im Theater ebenso wie als Fastenprediger beim traditionellen Starkbieranstich am Nockherberg in München.

Derzeit ist er mit seinem Soloprogramm „Nur mal angenommen...“ auf Tour. Leicht haben es die Politiker nicht mit dem gebürtigen Passauer, der am 3. Dezember 65 Jahre alt wird.

Doch warum auch? „Satiriker sind nicht aufgerufen, Politikern das Regieren zu erleichtern“, sagte Jonas in einem früheren Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Aufgewachsen ist er in Passau. Die Eltern besaßen eine Metzgerei, in der ihr Sohn schon früh mithelfen musste. Doch Metzger wollte er nicht werden. Ihn zog es auf die Bühne, befeuert durch seine Erfahrungen als Ministrant in der katholischen Kirche.

„Am Ambo, also an diesem Rednerpult in der Kirche, habe ich meine ersten Erfahrungen gemacht, vor einer Gemeinde zu sprechen, vor einem größeren Publikum“, sagte er mal im Bayerischen Rundfunk (BR). „Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich dabei viel gelernt habe: wie man betont, wie man spricht und so weiter.“ Eine katholische Kindheit in Passau im tiefschwarzen Niederbayern - die „Süddeutsche Zeitung“ machte für seine kabarettistischen Neigungen deshalb die „Passauer Dreieinigkeit von Partei, Kirche und Monopolpresse“ verantwortlich.

Gleich zu Karrierebeginn erzürnte Jonas die Passauer, als er 1975 mit Sigi Zimmerschied das Stück „Die Himmelskonferenz“ zeigte, in dem die Gottesmutter Maria zum zweiten Mal schwanger wird. Der Bischof beschwerte sich, es gab ein Verfahren wegen Religionsbeschimpfung und sogar ein zeitweiliges Auftrittsverbot.

Seinem Erfolg schadete das nicht. Viele Auftritte folgten, etwa bei der Münchner „Lach- und Schießgesellschaft“ oder ab 1985 in der ARD-Kabarettsendung „Scheibenwischer“ mit Dieter Hildebrandt. Mit Monika Gruber und Rick Kavanian war er in der Satireshow „Klugscheißer“ zu sehen.

Eine Art bayerischen Ritterschlag für Kabarettisten erhielt Jonas 2004, als er Fastenprediger auf dem Nockherberg wurde. Drei Jahre lang las er als Bruder Barnabas in seiner Bußpredigt bayerischen, aber auch bundesdeutschen Politikern gehörig die Leviten.

Die Politszene - zumindest die bayerische - scheint Jonas trotzdem zu schätzen, auch wenn er 2015 in seinem Buch „Der Vollhorst“ gewohnt bissig verschiedene Typen von Politikern aufs Korn nahm. Der Titel lehnt sich an Bayerns Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) an. „Seehofer ist ein Vollhorst, wie er im Buche steht, keine Frage, aber er ist nur einer von ganz vielen“, sagte Jonas damals der Deutschen Presse-Agentur. „Sehr viele Horste täuschen uns seit Jahren mit Tarnnamen.“ Horst Gabriel, Horst Schröder oder gar Horst Putin.

Bayerns Staatsregierung würdigte Jonas 2015 dennoch mit dem Sonderpreis des Kulturpreises Bayern. Mit scharfem Blick und scharfen Worten analysiere er den altbayerischen Charakter und die politische Landschaft, lobte dabei Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU), der dem Kabarettisten offenbar gerne zuhört, wertete er seine Darbietungen doch als gelungene Mischung „zwischen saukomisch und poetisch-melancholisch“.

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