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Smart Vision EQ im Test: Raumkapsel für eine neue Zeit

Sieht so der Stadtverkehr der Zukunft aus? Wenn man den Strategen von Smart glaubt, dann schon. Denn in Stuttgart träumen sie von Roboterautos, die führerlos durch die Millionenmetropolen rollen. Und in Tokio probieren sie das jetzt sogar schon aus - beinahe zumindest.

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Den rund 2,70 Meter kleinen Wagen steuert man komplett mit einer App auf dem Smartphone. Foto: Daimler AG/dpa

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Fahrgäste finden statt eines Cockpits einen großen Bildschirm vor. Dort laufen Filme, die sie während der Fahrt unterhalten sollen. Foto: Daimler AG/dpa

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Der Smart Vision EQ ist auch ein Carsharing-Auto. Er schlägt den Insassen Mitfahrer mit ähnlicher Wegstrecke vor. Als Entscheidungshilfe spielt er deren Profil samt persönlicher Interessen ein. Foto: Daimler AG/dpa

Berlin (dpa-infocom) - Die Wirklichkeit vergessen wir jetzt besser für ein paar Minuten. Das, was hier und heute Nacht passiert, kann eigentlich erst in fünf bis zehn Jahren klappen. Doch weil die Gedanken schließlich frei sind, simuliert Daimler jetzt schon einmal den Stadtverkehr der Zukunft.

Daimler hat den Smart Vision EQ nur wenige Wochen nach der Weltpremiere auf der IAA in Frankfurt für ein paar Minuten kurz die Straßen Tokios entlassen - ein erster Test.

Neonbunte Glaskugel im Reich der Kei-Cars

Kleinwagen wie der futuristisch gestylte Smart sind in der Heimat der so genannten Kei-Cars freilich nichts Besonderes - selbst wenn sie so schillernd bunt leuchten wie die Neonreklamen an den riesigen Kreuzungen. Und wenn sie statt der üblichen Kastenform plötzlich kugelrund daher kommen wie ein Kaugummi-Automat auf Rädern.

In einer Stadt, in der sich die Menschen gerne mal im Manga-Kostüm ins Nachtleben stürzen, wundert sich auch niemand darüber, das ganze Filmszenen über die riesigen Displays der Stuttgarter Studie flimmern. Doch wenn die Passanten etwas genauer hinschauen, dann stockt ihnen kurz der Atem. Denn die Kabine ist leer und das Auto fährt wie von Geisterhand.

Robotaxen gegen den Verkehrskollaps

Wenn es nach den Strategen von Smart geht, werden sich die Städter nicht nur in Tokio bald daran gewöhnen müssen. Denn um den Verkehrskollaps zu begegnen und Mobilität für alle möglich zu machen, planen sie ab der Mitte des nächsten Jahrzehnts ganze Flotten solcher autonomer Winzwagen. Die können als Robotaxen durch die City surren und - wie heute ein Car2Go-Auto - per App gebucht werden.

Künftig muss man sich nach einer langen Nacht in einer Karaoke-Bar nicht mehr ein Taxi suchen. Man wartet eher darauf, dass einen das Taxi findet und lässt sich ein auf eine Fahrt in der Zeitmaschine. Sobald sich die großen Glastüren mit einem Dreh schließen, ist man der Technik völlig ausgeliefert: Man schnallt sich zwar pro forma noch mit einem Beckengurt an. Doch dann legt man das Schicksal in die Hände von ein paar Sensoren und Schaltkreisen, die automatisch ihren Weg durch das Verkehrschaos suchen.

Kein Lenkrad und Notfallknopf

Ein Lenkrad jedenfalls gibt es nicht mehr und auch keine Pedale. Selbst einen Knopf für den Notfall haben sich die Designer verkniffen. Stattdessen flimmert dort, wo früher mal das Cockpit war, nur ein riesiger Bildschirm. Doch es muss darauf schon ein ziemlich packender Film laufen, damit man sich mit der surrealen Situation anfreunden kann.

Immerhin bleibt man auf dieser Zeitreise nicht lange alleine. Während Laserscanner und Radaraugen in der Vision der Techniker einen sicheren Weg durch den dichten Stadtverkehr suchen, kümmert sich die zentrale Steuerung der Taxiflotte um die passende Begleitung. Wann immer jemand einen ähnlichen Weg hat, poppt auf dem großen Bildschirm eine Meldung auf, und man wird um eine Mitfahrgelegenheit gebeten. Damit man weiß, auf wen oder was man sich dabei einlässt, gibt es dazu ein ziemlich persönliches Profil des möglichen Passagiers. Da ist der Schritt zum Dating-Portal nicht mehr groß.

Gefangen zwischen Gegenwart und Zukunft

Zwar funktionieren Robotaxen wie der Smart in streng definierten Laborsituationen bereits und auf den ersten Teststrecken sind längst autonome Fahrzeuge im Nahverkehr unterwegs. Doch räumen selbst die Entwickler ein, dass es noch Jahre dauern wird, bis so ein Robosmart durch die Nacht von Tokio, New York oder Berlin rollen wird. Zu unübersichtlich ist dort der Verkehr, zu komplex sind die Regeln und zu unentschlossen ist die Politik, als dass man den Smart schon in die Stadt entlassen könnte. Von der Sehschärfe der Sensoren ganz zu schweigen.

Dagegen wirkt die Antriebstechnik des 2,70 Meter kurzen Zweisitzers fast schon banal. Nicht umsonst übernimmt der Vision EQ den 60 kW starken E-Motor samt der Lithium-Ionen-Akkus aus dem Smart ED. Das einzig Neue ist die induktive Ladeplatte, mit der die Entwickler auch die Boxenstopps des Robotaxis automatisieren wollen.

Fazit: Höchste Zeit für die Zukunft

Natürlich ist es ein ungewöhnliches Gefühl, sich allein auf die Technik zu verlassen und mit so einem Kleinwagen ohne Lenkrad und Pedale autonom durch die Stadt zu fahren. Doch wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, hat man in einem normalen Taxi auch nicht mehr Einfluss, aber viel weniger Spaß. Je länger die Fahrt dauert, desto besser kann man sie genießen. Umso härter trifft einen am Ende der Zeitreise die Realität: Spätestens wenn man sich das nächste Mal wieder selbst durch den Stau plagen muss, kann man die Zkunft kaum mehr erwarten.

Datenblatt: Smart Vision EQ

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Den rund 2,70 Meter kleinen Wagen steuert man komplett mit einer App auf dem Smartphone. Foto: Daimler AG/dpa

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Fahrgäste finden statt eines Cockpits einen großen Bildschirm vor. Dort laufen Filme, die sie während der Fahrt unterhalten sollen. Foto: Daimler AG/dpa

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Der Smart Vision EQ ist auch ein Carsharing-Auto. Er schlägt den Insassen Mitfahrer mit ähnlicher Wegstrecke vor. Als Entscheidungshilfe spielt er deren Profil samt persönlicher Interessen ein. Foto: Daimler AG/dpa

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