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Standfester Solitär gesucht: Hausbäume und der Klimawandel

Haan. Wer einen Baum pflanzt, will sich einen Partner fürs Leben in den Garten holen. Doch welche Arten gedeihen langfristig gut - und trotzen den klimatischen Veränderungen?

Standfester Solitär gesucht: Hausbäume und der Klimawandel

Bärbel Faschingbauer ist Fachbuchautorin und Expertin für Landespflege aus Sulzfeld am Main. Foto: Carla Hauptmann/dpa-tmn

Ein Hausbaum ist ein Blickfang, der über Jahrzehnte das Bild eines Grundstücks prägen soll. „Ein Solitär, der einzeln steht und wirkt“, sagt Oliver Fink, Vorsitzender des Verbands der Gartenbaumschulen. Doch welcher Hausbaum trotzt in 50 Jahren noch den klimatischen Veränderungen?

„Wir müssen davon ausgehen, dass die Durchschnittstemperatur je nach Region um zwei bis vier Grad steigen wird“, sagt Volker Meng vom Forstbotanischen Garten und dem Pflanzengeographischen Arboretum der Universität Göttingen. Es drohen mehr sehr heiße Tage und längere Trockenphasen, außerdem neue Krankheiten und Schädlinge.

Platane, Sommer-Linde oder Bergahorn sind Beispiele für Bäume, die bei langen Trockenperioden Stress bekommen können. Sie werden als Stadtbaum je nach Standort nicht mehr gerne verwendet, sagt Bärbel Faschingbauer, Fachbuchautorin und Expertin für Landespflege aus Sulzfeld am Main.

Auch Hausbäume müssten vor dem Hintergrund des Klimawandels neu betrachtet werden, sagt Meng. Strahlungshitze aushalten und robust gegenüber Trockenheit sein: Das sind Attribute, die Bäume zukunftsträchtig machen. Es gibt einige heimische Arten, die aus seiner Sicht eine gute Perspektive haben, darunter der Feldahorn (Acer campestre), die Hainbuche (Carpinus betulus) oder hochstämmige Sorten von Birne und Kirsche.

Auch die Walnuss (Juglans regia) sei ein zukunftsfähiger Baum. „Mit höheren Temperaturen kommt sie sehr gut zurecht“, sagt Meng. Im Nordosten des Landes würde er aber zu einer sehr spät austreibenden Sorte raten. Dort sei häufiger mit Spätfrost im Frühjahr zu rechnen.

Sehr tolerant gegenüber Hitze und Trockenheit sei die Mispel (Mespilus germanica), ergänzt Faschingbauer. „Ein alteingesessener Baum, der gerade eine Renaissance erlebt.“

Als in jeder Hinsicht unglaublich resistent habe sich der ursprünglich aus China stammende Ginkgo (Ginkgo biloba) erwiesen, sagt Meng. Der aus Nordamerika stammende Lederhülsenbaum (Gleditsia triacanthos) kommt ebenfalls sehr gut mit Trockenheit und Hitze klar, habe eine schöne Herbstfärbung und „wunderbar lichtes Laub“.

Im Zusammenspiel mit dem globalen Handel bringt der Klimawandel neue Krankheiten und Schädlinge nach Deutschland, die sich auch langfristig halten. „Bei Pilzen und tierischen Schädlingen werden wir Zuwanderer bekommen“, sagt Meng. Die Rosskastanienminiermotte ist ein Beispiel.

„Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass einige von unseren heimischen Arten Probleme bekommen werden“, sagt Meng. Man werde künftig für den städtischen Bereich nicht um neue, aus wärmeren und trockeneren Klimabereichen stammende Arten herumkommen.

Im privaten Bereich sieht Fink die Lage nicht so kritisch: „Einen Hausbaum, der als Einzelbaum in eine vernünftige Umgebung im Garten kommt, sehe ich entspannter. Da kann man es flexibler halten als bei einem Straßenbaum, der viel mehr Stress aushalten muss.“

Das wichtigste Kriterium, damit ein Hausbaum gut gedeiht und lange steht, bleibt der Standort im Garten. Ist der Boden sauer oder alkalisch, feucht oder trocken, sandig oder lehmig? Liegt der Standort sonnig oder schattig? Wird der Baum dort starken Winden ausgesetzt sein, oder steht er geschützt?

Weil Grundstücke gerade in Ballungsgebieten immer kleiner werden, nimmt die Auswahl an kleinkronigen Bäumen zu, sagt Fink. Die Arten und Sorten sind Meng zufolge nicht weniger widerstandsfähig als ihre größeren Artgenossen.

Literatur:

Faschingbauer, Bärbel: „Der Hausbaum. Wie man den Baum fürs Leben findet“, 96 Seiten, 18 Euro, ISBN-13: 9783835417069

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Bärbel Faschingbauer ist Fachbuchautorin und Expertin für Landespflege aus Sulzfeld am Main. Foto: Carla Hauptmann/dpa-tmn

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