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Unterwegs mit einem Jäger

Streit-Thema Jagd: "Wir schießen mit viel Bedacht"

CAPELLE Es ist ein Thema voller Kontroversen mit zwei verhärteten Fronten: die Jagd auf Wildtiere. Die Jäger finden es absolut notwendig, Naturschützer sehen darin reine Willkür. Unser Reporter Mario Bartlewski hat einen Jäger bei der Jagd begleitet, sich seine Sicht angehört und mit Tierschützern gesprochen.

Streit-Thema Jagd: "Wir schießen mit viel Bedacht"

Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.

Es ist 19 Uhr, als sich Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting mit einigen Jägern auf seinem Hof trifft. „Sie sind heute also auch zum ersten Mal bei der Fuchsjagd dabei?“, begrüßt mich Stefan Schulze Weischer und hat damit vollkommen recht. Er selbst hat erst im April seinen Jagdschein gemacht. Und das, obwohl er als Jugendlicher kaum verstehen konnte, was seinen Vater und seinen Großvater dazu trieb, auf die Jagd zu gehen. „Wissen Sie“, sagt er, „jetzt habe ich die Faszination für mich entdeckt. Irgendwie wurde ich da hineingeboren.“

Drei Generationen von Jägern in der Familie

Und so scheint es auch den anderen Teilnehmern zu gehen, die sich auf Pröbstings Hof treffen. Viele von ihnen sind durch ihre Eltern und Großeltern zur Jagd gekommen. Hubertus Pröbsting ist da keine Ausnahme: Sein Vater ist mit dabei und seine Kinder jagen ebenfalls – wenn auch nicht an diesem Tag.

Mehrere Hochsitze hat Pröbsting auf dem Pachtgebiet seines Vaters extra für die Fuchsjagd aufgestellt. Sein Hochsitz steht an diesem Tag unter einem Baum: die Werner Straße im Rücken, ein abgeerntetes Feld im Blickfeld. „Heute ist Westwind“, sagt der 53-Jährige. „Unsere Fährte wird also von den Tieren weggeweht.“ Dass die vor uns nicht zurückschrecken, wird schnell deutlich.

Pröbsting: "Wir haben eine große Verantwortung und schießen mit Bedacht"

„Da ist ein Reh“, sagt der Hegeringsleiter nach wenigen Minuten. „Ein schönes Tier, etwa zwei Jahre alt und gesund“, setzt er fort, während ich es noch immer verzweifelt versuche zu finden. Mit 18 Jahren hat Pröbsting seinen Jagdschein gemacht und geht seitdem knapp 30 bis 40 Mal im Jahr auf die Jagd. „Da bekommt man ein Auge für das, was vor einem passiert.

Auf der Fuchsjagd mit Hubertus Pröbsting

Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.
Hegeringsleiter Hubertus Pröbsting beim Ansitzen zur Fuchsjagd am 4. August in seinem Hochsitz.

Ob er das zweijährige Reh schießt, das gerade in seinem Sichtfeld frisst? „Wenn ich wollte, könnte ich. Bei der Distanz wäre das kein Problem.“ Doch er will nicht. Er sei nicht hier, um alles niederzuschießen, was ihm vor das Gewehr komme. „Wir haben eine große Verantwortung und schießen mit viel Bedacht.“ Das junge Tier, so Pröbsting, habe noch eine gute Zeit vor sich und könne noch „reifen“, wie er sagt. Vier Rehe dürfe er in einem Jahr in seinem Revier schießen – zwei davon habe er schon erlegt. Es gelte also genau zu überlegen, was sich lohnt zu schießen und bei welchem Tier er lieber noch ein Jahr wartet.

Jäger erlegen fünf Füchse an zwei Tagen

Also weicht die Anspannung wieder der Entspannung. Pröbsting lehnt sich in seinem Hochsitz zurück und genießt die Stille der Natur. „Ich muss nicht immer etwas schießen“, sagt er. „Manchmal bin ich auch einfach in der Stimmung, dass ich mir die Tiere nur ansehe.“ Denn das bedeutet Jagd für ihn auch: Ruhe, eine Auszeit vom Alltag als Landwirt und die Natur ganz bewusst zu genießen.

Und in der Tat: Vom Trubel durch den Verkehr, der nur einige Meter weiter auf der Werner Straße hinter uns tobt, ist hier draußen nichts zu spüren. Doch als andere Jäger um uns herum beginnen zu Schießen, ist es mit der Entspannung dahin. Sie haben Füchse gesehen und erlegt – insgesamt fünf Stück am Freitag und Samstag. Aber was ist, wenn plötzlich ein Fuchs vor uns auftaucht und Hubertus Pröbsting zum Gewehr greift?

Bund für Umwelt und Naturschutz kritisiert Fuchsjagd scharf

Wie ich mich fühlen würde, wenn Pröbsting ein Tier vor meinen Augen erlegt, bleibt an diesem Tag unbeantwortet. Chancen genug hätte der Jäger gehabt, immerhin entdeckte er gleich fünf Rehe und zahlreiche Hasen, die alle zum Abschuss freigegeben wären – nur ein Fuchs tauchte nicht in seinem Fadenkreuz auf.

Doch die Frage nach der Sinnhaftigkeit bleibt – besonders für Tierschützer. „Die Fuchsjagd ist kompletter Unsinn“, sagt Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in NRW. Auf das Thema Jagd ist er nicht gut zu sprechen. „Die Leute wollen einfach ihrer Tötungsfreudigkeit frönen“, fügt er hinzu und wird forscher in seinem Ton. Der Fuchs lebe bereits seit Hunderten von Jahren hier, wurde früher nicht gejagt und müsse das auch heute nicht.

Das Argument, dass die Fuchsjagd nötig sei, um den Bestand zu begrenzen und dadurch andere Tierarten zu schützen, lässt Dirk Jansen nicht zählen. „Die Natur hat sich schon immer selbst reguliert und das kann sie auch jetzt.“

Was der Naturschutzbund (Nabu) zur Fuchsjagd sagt, welche Erkenntnisse die Wissenschaft bringt und wie Pröbstings Freunde und Bekannte über die Jagd denken, lesen Sie auf Seite 2.

Dem stimmt auch Horst Wollny zu, der beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) für Nordkirchen zuständig ist. Füchse machten insbesondere Jagd auf Mäuse, die bei zu hoher Anzahl große Schäden in Wäldern anrichten können, weil sie Rinden und Wurzeln von Bäumen benagen. Andererseits regulierten sie den Bestand von Hasen, Fasanen oder Lerchen, weil sie kranke und schwache Tiere greifen. „Gesunde Tiere bekommen sie kaum zu fassen, dafür sind sie zu langsam“, sagt der Fachmann.

Landwirtschaft kostet den wilden Tieren den Lebenslauf

Doch gerade um diese Tierarten sorge sich Pröbsting, wie er auf dem Hochsitz erzählt. „Ja, die Zahl der Füchse reguliert sich natürlich automatisch, wenn das Angebot an Nahrung weniger wird“, sagt der Jäger, und bezieht sich damit auf eines der wichtigsten Argumente der Tierschützer gegen die Jagd.

Doch bis es so weit sei, könnte es aus seiner Sicht schon zu spät sein. Durch die immer intensiver betriebene Landwirtschaft ginge der Lebensraum der Fuchs-Beute immer mehr verloren. Um knapp 250 Prozent steige die Zahl der Füchse pro Jahr, während die Zahl von Kiebitzen, Rebhühnern oder Feldlerchen extrem sinke. „Da müssen wir eingreifen, die Zahl der Füchse begrenzen und die anderen Tiere unterstützen“, sagt der Jäger.

Rotfüchse passen sich an den eigenen Bestand an

Auch der Nabu berichtet im Internet, dass der Bestand der Rotfüchse in Nordrhein-Westfalen auf einem historischen Höchststand liegen. Wie die genauen Zahlen in Nordkirchen aussehen, ist nicht erfasst. Doch für Horst Wollny vom Nabu ist die Jagd kontraproduktiv, um die Zahl der Füchse einzudämmen.

Je mehr Füchse geschossen würden, desto mehr Nachwuchs bekäme auch die Fähe im kommenden Jahr. „Sie merkt, dass Teiles des Reviers unbesetzt bleiben, stellt sich hormonell darauf ein und kann so mehr Junge auf die Welt bringen“, sagt Wollny. Genau das hätten auch unterschiedliche wissenschaftliche Abhandlungen bestätigt.

Beurteilungen der Situation zu unterschiedlich für Annäherung

Bestreiten möchte auch Pröbsting nicht, dass die Fähe die Zahl des Nachwuchses an die Anzahl des Bestandes anpasst. Nur die Ansichten darüber, wie sich die Jagd auf die ökologische Entwicklung auswirkt, gehen bei Tierschützern und Jäger auseinander. Während Tierschützer sagen, dass sich die Zahl der Füchse durch die Verfügbarkeit der Nahrung früher oder später selbst reguliere, sagt Pröbsting, dass es dann schon für einige Tierarten zu spät sein könne. Angesprochen darauf, wie man die unterschiedlichen Ansichten unter eine Hut bekommen könne, sehen beide Parteien wenig Chancen dafür. Zu unterschiedlich seien die Beurteilungen der Situation.

Pröbsting: "Wir machen mehr, als viele immer denken"

Für Pröbsting ist die Kontroverse nicht neu: „Ich finde es in Ordnung, wenn Leute anders denken, aber Toleranz für das, was wir Jäger tun, sollte da sein.“ Auch in seinem Bekanntenkreis käme das Thema Jagd immer wieder auf. Viele seiner Freunde seien Jäger, trotzdem gebe es auch im Bekanntenkreis hin und wieder Vorbehalte.

„Die einen gehen zum Fußball, andere trainieren Hunde und ich gehe jagen“, so Pröbsting. In Nordkirchen gebe es aber nur wenige Jagd-Gegner – weil er mit den Anwohnern ins Gespräch kommt. „Wenn sie Hilfe mit Tieren brauchen, kommen sie zu uns. Wir machen halt mehr, als viele immer denken.“

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