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Vor Klimakonferenz

Tausende demonstrieren in Bonn für Kohle-Ausstieg

BERLIN Es wird die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je in Deutschland gegeben hat. Mehr als 23.000 Menschen aus 197 Länder werden vertreten sein. Am Montag beginnt in Bonn die Weltklimakonferenz. Heftig diskutiert wird schon vorher, in Bonn demonstrieren tausende Menschen.

Tausende demonstrieren in Bonn für Kohle-Ausstieg

Tausende demonstrierten in Bonn für den Kohle-Ausstieg. Foto: dpa

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) setzt bei der am Montag beginnenden Weltklimakonferenz auch auf Lösungen unterhalb der nationalen Ebene. „Wir werden in Bonn nicht nur verhandeln, sondern auch viele konkrete Klimaschutz-Lösungen erleben - nicht zuletzt von Städten und Regionen“, sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). „Das Engagement vieler Städte und Regionen gerade in den USA zeigt, dass die Dynamik beim Klimaschutz nicht aufzuhalten ist, auch nicht von der Trump-Regierung“, die den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt hatte.

Eine dieser Kooperationen ist dem Bericht zufolge das von Baden-Württemberg und Kalifornien initiierte Klimaschutzbündnis „under2MOU“. 180 Regionen haben sich darin zur Reduzierung von Klimagasen verpflichtet. Zusammengerechnet kommen sie demnach auf 1,2 Milliarden Menschen und rund 40 Prozent der Weltwirtschaft.

Demos für den Klimaschutz

In Bonn haben mehrere tausend Menschen für den Kohle-Ausstieg und eine umfassende Energiewende demonstriert. Sie schwenkten Transparente mit Aufschriften wie „Klimakiller=Menschenkiller=RWE“ oder „Trump: Climate Genocide“ (Trump: Klima Genozid). „Ihr von der Kohle-Lobby, zieht euch warm an - wir lassen nicht mehr locker!“, rief eine Rednerin am Samstag in der Bonner Innenstadt.

Mehr als 100 Umweltschutz- und Bürgerrechtsorganisationen hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Die Veranstalter sprachen von 25.000 Teilnehmern. Etwa 1000 Radfahrer stießen von Köln aus zu der Kundgebung. Nach Angaben der Polizei verliefen die Aktionen ohne Zwischenfälle.

Zu den Blickfängern des Demonstrationszuges gehörte eine große Erdkugel von Greenpeace, auf der Kohlekraftwerke eine dunkelgraue Wolke mit dem Gesicht von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausstießen. Darunter stand die Forderung: „Raus aus der Kohle, Frau Merkel!“ Viel Aufmerksamkeit erregte auch eine Nachbildung der amerikanischen Freiheitsstatue mit rauchender Fackel und der Forderung nach „Freedom to pollute“ (Freiheit zum Verschmutzen).

Größte zwischenstaatliche Konferenz

Die am Montag beginnenden Gespräche in Bonn sind die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es je auf deutschem Boden gegeben hat. Mehr als 23.000 Menschen aus 197 Ländern treffen sich bis zum 17. November in der einstigen Bundeshauptstadt, um den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben. Dabei geht es darum, Regeln zu definieren, wie die in Paris 2015 vereinbarten Klimaschutzziele erreicht werden können.

Die schrittweise Verringerung der weltweiten Emissionen von Kohlendioxid (CO2) reicht nach Einschätzung der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) nicht aus, um das beschlossene Ziel der Weltgemeinschaft zu erreichen, den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Deshalb müsse die Politik mehr über umstrittene Verfahren nachdenken, der Atmosphäre aktiv CO2 zu entziehen, schrieb der SWP-Klimapolitik-Experte Oliver Geden in einem Beitrag für den „Bonner General-Anzeiger“ (Samstag). Der Weltklimarat tue dies bereits. Es sei beunruhigend, dass es dennoch darüber keine politische Debatte gebe.

Forderung nach Kohleausstieg

Der Potsdamer Klimaforscher Ottmar Edenhofer forderte die Jamaika-Koalitionsunterhändler auf, den Ausstieg aus der Kohleverstromung verbindlich festzuschreiben - so wie es die Grünen verlangen. Wenn Deutschland seine Klimaziele ernst nehme, müsse es seinen Ausstoß von Treibhausgasen verringern, sagte der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung der „Rheinischen Post“ (Samstag). „Das geht nur, wenn wir die Kohlenutzung beenden.“

dpa

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