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Tod der Hanaa S.: Anwälte greifen „Ehrenmord-Hypothese“ an

Wuppertal. Zum geplanten Ende der Beweisaufnahme im Wuppertaler Mordprozess um den Tod der sechsfachen Mutter Hanaa S. haben die Verteidiger mehrere Anträge gestellt. Ihr Ziel ist es dabei, die „Ehrenmord-Hypothese“ der Anklage zu erschüttern. So beantragte ein Anwalt, Verwandte des Opfers aus dem Irak zu laden, um zu belegen, dass die Familie „kein Kollektiv jesidischen Glaubens“ sei. So seien in der Familie auch ein Konvertit und eine Muslima.

Tod der Hanaa S.: Anwälte greifen „Ehrenmord-Hypothese“ an

Ein Polizeifahrzeug vor dem Landgericht in Wuppertal. Foto: Jan-Philipp Strobel/Archiv

Ein Anwalt möchte einen Sachverständigen für internationales Strafrecht hinzugezogen sehen, um zu beweisen, dass die Familie nicht streng religiös sei. Es habe auch keine kollektive Ehrverletzung gegeben. Aus Sicht der Anwälte ist das Motiv ein Streit um Goldschmuck gewesen. Nach jesidischem Brauch habe Hanaa bei der Hochzeit das Familiengold bekommen, nach ihrer Trennung aber nicht zurückgeben wollen. Der Streit um den Schmuck sei schließlich eskaliert.

Nach 92 Verhandlungstagen will das Landgericht an diesem Dienstag die Beweisaufnahme schließen. Fünf Angehörige der Ermordeten sitzen auf der Anklagebank. Sie sollen die Irakerin umgebracht haben, „um die Familienehre wieder herzustellen“, wie es in der Anklage heißt. Die 35-Jährige hatte sich von ihrem Mann getrennt und in Solingen eine eigene Wohnung genommen.

Im Sommer hatte ein Schwager der Ermordeten überraschend gestanden, eine Mitverantwortung an dem Verbrechen zu tragen. Er führte die Ermittler zu einem Waldstück bei Bruchsal in Baden-Württemberg, in dem schließlich die Leiche gefunden wird.

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