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Topsportler gründen Verein „Athleten Deutschland“

Köln. Der Verein „Athleten Deutschland“ soll die Interessenvertretung der Topsportler in Zukunft stärken. Auf der Vollversammlung der Athleten ist die Gründung des Clubs beschlossen worden - unabhängig vom Deutschen Olympischen Sportbund.

Topsportler gründen Verein „Athleten Deutschland“

Athletensprecher Max Hartung ist einer von 45 Gründungsmitgliedern der Sportvertretung. Foto: Henning Kaiser

Die deutschen Spitzenathleten wollen endlich auch in der Sportpolitik zu den Hauptdarstellern gehören. Um die Vertretung ihrer Interessen zu stärken, wurde auf der Vollversammlung der Aktivensprecher in Köln der Verein „Athleten Deutschland“ mit einhelligem Votum gegründet.

Damit wollen sie unabhängiger vom Deutschen Olympischen Sportbund und professioneller um ihre Anliegen kämpfen. „Wir haben das Gründungsprotokoll formal unterschrieben“, sagte Max Hartung, DOSB-Athletensprecher und einer von 45 Gründungsmitgliedern. „Wir erhoffen uns mit dieser ergänzenden Struktur Rückendeckung für die Athletenvertretung.“

Die Sportler werden auch zukünftig in der DOSB-Athletenkommission bleiben, glauben aber, die Stimme der Sportler eigenständiger und hörbarer in dem Verein formulieren zu können und zu müssen. Verbunden ist mit der Clubgründung die Schaffung einer Geschäftsstelle und die Anstellung von drei hauptamtlichen Mitarbeitern, die die Athletenvertreter fachlich beraten und ihnen zuarbeiten. „Die Meinungsfreiheit war weniger das Problem, sondern mehr die Meinungsbildung - zu Themen wie dem Anti-Doping-Gesetz oder dem systematischen Doping in Russland“, erklärte Hartung. 

Die Kosten für die Etablierung einer hauptamtlichen Geschäftsstelle wurden mit rund 400 000 Euro angegeben. Erster Ansprechpartner für Fördermittel in dieser Höhe ist der Bund. „Es hat sich in den vergangenen zwei Jahren ein neuer Bedarf für eine professionelle Athletenvertretung entwickelt“, sagte Hartung. „Dadurch ist auch eine neue Notwendigkeit der Unterstützung entstanden.“ Die Bedenken des DOSB, dass dieses Geld dem Leistungssport verloren gehen könnte, teilt er nicht: „Da kann ich selbstbewusst als Vorsitzender der Athletenkommission sagen, dass es Sinn machen würde, diese Mittel im nächsten Bundeshaushalt aufzusatteln.“

Die Vertreter des DOSB, die das Vereins-Vorhaben intern zuvor skeptisch („Zu fragen ist, was ist der eigentliche Sinn dieser Initiative“) beurteilten, waren nach der Diskussion in Köln und der vollzogenen Gründung nicht wirklich überzeugt. „Es ist ihr gutes Recht, einen solchen Verein zu gründen“, sagte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper, betonte aber auch: „Für uns ist die Athletenkommission, die satzungsgemäß für den DOSB entscheidend ist, unser Ansprechpartner.“ Es dränge sich nicht sofort auf, neben der Kommission, die alle Freiheit genießen würde, noch eine neue Institution zu schaffen. Vesper: „Wir haben eine aus unserer Sicht funktionierende Athletenvertretung.“

Die an der Vollversammlung teilnehmen Spitzensportler hatten hingegen das Gefühl, einen historischen Schritt gemacht zu haben. „Das ist ein besonderer Tag“, meinte Martina Strutz, Aktivensprecherin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Sie hoffe, dass die Athleten mehr in den Mittelpunkt rücken. „Ob es so sein wird, wird sich noch zeigen“, sagte die Weltklassefechterin Alexandra Ndolo und betonte: „Wir sind die Hauptakteure.“

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