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Unesco wählt neuen Generaldirektor

Paris. Gesucht wird ein Konsens-Stifter: Die UN-Kulturorganisation wählt ihren neuen Chef. Eine richtungsweisende Personalie für die Unesco, die immer wieder wegen politischer Reibereien in den Schlagzeilen steht.

Unesco wählt neuen Generaldirektor

Das Hauptquartier der Unesco in Paris. Die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur wählt einen neuen Generaldirektor. Foto: Christophe Petit Tesson

Die scheidende Unesco-Chefin Irina Bokowa hat eine klare Vorstellung, welche Fähigkeiten ihr Nachfolger mitbringen sollte: Geld auftreiben können und eine einigende Persönlichkeit sein.

So hat es die Generaldirektorin der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur der französischen Zeitung „Le Monde“ geschildert. „Das ist eine Organisation, die ein Traum für die Welt ist, aber sie steht finanziellen und politischen Schwierigkeiten gegenüber“, sagte die Bulgarin.

Der Unesco-Exekutivrat stimmt in dieser Woche über ihren Nachfolger ab. Sieben Länder haben Kandidaten im Rennen. Einzige europäische Bewerberin ist die französische Ex-Kulturministerin Audrey Azoulay. Außerdem treten China, Vietnam, Aserbaidschan und drei arabische Länder an: Ägypten, Katar und der Libanon. Eine richtungsweisende Entscheidung für die Organisation - und darüber hinaus.

Ein Sieg des Chinesen Qian Tang etwa wäre ein Erfolg für das Bemühen Pekings um eine stärkere Rolle auf der internationalen Bühne. „China will seine globale Verantwortung erfüllen und zu Frieden und Entwicklung auf globalem Level beitragen“, sagte Tang in einem Interview der Zeitschrift „Foreign Policy“.

Eine wichtige Herausforderung für den neuen Chef sind politische Spannungen in der Organisation - die Unesco müsse „die Über-Politisierung ihrer Arbeit reduzieren, die aus ihr manchmal ein Pulverfass gemacht haben“, schrieb die libanesische Kandidatin Vera el-Khoury Lacoeuilhe.

Die Arbeit der Unesco stand in den vergangenen Jahren immer wieder im Schatten von Streit vor dem Hintergrund des Nahostkonflikts. Nach der Aufnahme Palästinas in die Organisation hatten die USA 2011 ihre Zahlungen an die Unesco gestoppt - dabei wären sie eigentlich der größte Beitragszahler. Im Sommer sorgte die Entscheidung, die Altstadt von Hebron zum palästinensischen Weltkulturerbe zu erklären, für Empörung in Israel.

Die Unesco ist vor allem für die Listen des Weltkulturerbes bekannt. Doch die Organisation mit 2100 Mitarbeitern und einem dreistelligen Millionen-Etat ist in vielen weiteren Feldern aktiv - von Bildung über Biosphärenreservate bis Gleichberechtigung. Ihr Auftrag ist es, das wechselseitige Verständnis zwischen den Nationen zu fördern.

Nominiert wird der neue Generaldirektor von den 58 Mitgliedern des Exekutivrats. Am Montag findet der erste Wahlgang statt - solange kein Kandidat auf die nötige Mehrheit kommt, kann es über die Woche verteilt bis zu vier weitere Runden geben. Spätestens am Freitag steht der Sieger fest. Er benötigt dann noch die Zustimmung der Generalkonferenz aller Mitgliedsländer am 10. November.

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