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Prozess gegen Ex-Drogeriemarktkönig

Urteil gegen Schlecker-Gründer erwartet

STUTTGART Fast sechs Jahre nach der Insolvenz der einst größten Drogeriemarktkette Europas spricht das Landgericht Stuttgart am heutigen Montag sein Urteil gegen Firmengründer Anton Schlecker. Wie wird das Gericht entscheiden?

Urteil gegen Schlecker-Gründer erwartet

Der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker (r) und seine Tochter Meike. Foto: dpa

Dem 73-jährigen Anton Schlecker wird Bankrott vorgeworfen. Vor der Pleite im Jahr 2012 soll er Millionen beiseite geschafft zu haben, um sie vor dem Zugriff der Gläubiger zu retten. Die Staatsanwaltschaft fordert dafür drei Jahre Haft.

Die Meinungen bei Anklage und Verteidigung gehen weit auseinander. Bislang haben die Richter des Landgerichts Stuttgart nicht zu erkennen gegeben, ob sie der Anklage folgen und den 73-jährigen Unternehmer, der auch privat insolvent ist, wegen Bankrottstraftaten zu einer Gefängnisstrafe verurteilen werden, oder aber ob sie der Argumentation des Angeklagten folgen ,schreibt die Wirtschaftswoche. Schlecker selbst hat im Prozess die Vorwürfe immer zurückgewiesen und stets betont, nie am Fortbestand seines Lebenswerks gezweifelt zu haben.

Kernfrage: Wann war die Insolvenz vorhersehbar

Angeklagt sind auch Schleckers Sohn Lars und Tochter Meike, die nach dem Willen der Anklagevertreter zwei Jahre und zehn Monate beziehungsweise zwei Jahre und acht Monate in Haft sollen. Die Verteidigung hält die Forderung für überzogen. Ausschlaggebend ist die Frage, wann Schlecker die Insolvenz seines Unternehmens vorhergesehen hat oder hätte vorhersehen müssen - und ob er dann trotz dieses Wissens das Geld verschob.

Der Schlecker-Konzern ging im Januar 2012 in die Insolvenz, Zehntausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Ein Strafverfahren wegen strittiger Beraterverträge gegen die Frau des früheren Drogeriemarktchefs, Christa Schlecker, wurde eingestellt.

Neuer Prozess gegen die Familie Schlecker

Unabhängig vom Urteil gegen Anton Schlecker muss sich dessen Familie und gut zwei Wochen erneut vor Gericht verantworten. Vom 12. Dezember an wird ein Zivilprozess gegen die Ehefrau und Kinder Schleckers am Landesgericht im österreichischen Linz verhandelt, berichtet die Wirtschaftswoche. Der österreichische Insolvenzverwalter der Schlecker-Nachfolgefirma Dayli fordert demnach von den Beklagten 20 Millionen Euro Schadenersatz. Ein weiteres Zivilverfahren gegen die Schlecker-Familie ist zudem vor dem Landgericht Zwickau anhängig. Insgesamt geht es laut dem Bericht um Forderungen in Höhe von 21,4 Millionen Euro.

Urteil gegen Schlecker-Gründer erwartet

Anton Schlecker geht in das Landgericht Stuttgart. Foto: dpa

Im Rampenlicht wider Willen

Mit der Schlecker-Insolvenz und der Prozess-Lawine ging es für den einstigen Drogeriemarktkönig Anton Schlecker rapide bergab. Doch den 73-Jährigen dürfte im Bankrottprozess nach der Insolvenz seiner Drogeriemarktkette noch etwas quälen: das Rampenlicht. Denn Anton Schlecker scheut die Öffentlichkeit - selbst zur Blütezeit seines Unternehmens galt er als Phantom.

Das letzte öffentliche Foto vor Beginn des laufenden Prozesses in Stuttgart datiert aus dem Jahr 1999. Es zeigt Anton Schlecker mit braunen Haaren, roten Wangen und exzentrischem Hemd. Ganz anders die Bilder aus dem Gericht: Sie zeigen einen vom Leben gezeichneten, schmalen und stets dunkel gekleideten Mann - mit schlohweißen Haaren.

Urteil gegen Schlecker-Gründer erwartet

Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker (M), aufgenommen am 25.02.1999 im Landgericht Ulm, wo er als Zeuge wegen einer gegen ihn verübten Erpressung aussagte. Foto: dpa

25.000 Mitarbeiter verloren ihren Job

Vor seinem tiefen Fall stand ein steiler Aufstieg: Der Metzgermeister aus Ulm eröffnete 1975 den ersten Schlecker-Markt. Er machte einen Konzern daraus, der zu Glanzzeiten mehr als 55.000 Menschen beschäftigte. Doch durch die Pleite rutschte der Unternehmer in die Privatinsolvenz. „Damals brach eine Welt für ihn zusammen“, verriet ein Insider einmal. „Er war der festen Überzeugung: „Ich kriege das schon noch hin.“ Doch er bekam es nicht hin, 25.000 Mitarbeiter verloren ihren Job.

Schlecker selbst betont, dass eine Insolvenz für ihn unvorstellbar gewesen sei - und er immer an sein Lebenswerk geglaubt habe. Andere Leute mitreden lassen - das kam aber nicht in Frage, wie Gewerkschafter vermuten. Auch der Vorwurf schlechter Arbeitsbedingungen haftet dem Schwaben an. Einen Blick auf den Chef erhaschen konnten einzig die Mitarbeiter, in deren Filialen Schlecker bei seinen Kontrollbesuchen Station machte. Sogar die einstige Gesamtbetriebsratschefin Christel Hoffmann bekam ihn nie zu Gesicht. „Wir haben ihn mehrmals zu Betriebsratsversammlungen eingeladen“, erinnert sie sich. „Er ist nie gekommen.“

Mit Material von dpa

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