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Vogelsterben

Usutu - ein Virus tötet viele Amseln in NRW

NRW Ein tropisches Virus sorgt in Deutschland für ein Vogelsterben – vor allem bei Amseln, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Woher kommt das Usutu-Virus? Was bewirkt es bei den Vögeln? Wie viele Tiere sind betroffen? Und wo genau? Hier die Antworten auf diese und andere Fragen.

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So sieht eine kranke Amsel aus.

Jutta Böhm-Wacker

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Diese Amsel ist gesund.

picture alliance / Frank Rumpenh

Um welches Virus handelt es sich?

Um das Usutu-Virus, das nach einem südafrikanischen Fluss benannt ist – nach dem Herkunftsgebiet. 2011 und 2012 kam es zu einem Massensterben von Amseln im Südwesten Deutschlands. Nach einigen ruhigeren Jahren häufen sich seit 2016 die Fälle wieder. Im Herbst 2016 starben innerhalb von zwei Wochen 600 Vögel in mehreren Gebieten in Deutschland. Übertragen wird das Virus durch Stechmücken – nicht nur durch tropische, sondern auch durch einheimische.

Wie ist die Lage 2017?

Mehr als 500 Verdachtsfälle aus NRW seien in diesem Jahr gemeldet worden, so der Vogelschutzexperte des Naturschutzbundes, Marius Adrion. Damit komme ein Großteil der insgesamt 1380 Meldungen bundesweit aus NRW. Viele Vögel in Deutschland seien bereits an dem Erreger verendet.

Am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin wurden bislang rund 130 tote Vögel auf das ursprünglich aus Südafrika stammende Virus getestet, erklärte ein Forscher. Nachgewiesen wurde es demnach bislang in 45 Vögeln. Etwa ein Drittel betrifft Vogelkadaver aus NRW.

Wo genau in NRW sterben die Tiere – und warum gerade dort?

Besonders stark betroffen sind Rheinland und Niederrhein sowie das Dreiländereck mit Belgien und den Niederlanden. Der Grund, den Naturschützer und Forscher vermuten: höhere Temperaturen und deshalb bessere Bedingungen für Mücken und Virus.

Woran erkenne ich die kranken Vögel?

Kranke Tiere fallen durch ihr Verhalten auf. Infizierte Amseln wirken nach Nabu-Angaben ungewöhnlich zutraulich, fliegen nicht weg oder torkeln. Viele Tiere haben im Kopfbereich ein zerzaustes Gefieder.

Kann ich den Tieren helfen?

Nein, laut Nabu nicht. Knapp eine Woche nach den ersten Symptomen sterben die Vögel.

Ebbt die Infektionswelle ab oder wird die Situation schlimmer?

Es dürfte im Herbst und Winter kaum neue Fälle geben. Da das Virus von Stechmücken übertragen wird, ist die Krankheit in Deutschland auf die warme Jahreszeit beschränkt, so die Experten. Der Nabu vermutete angesichts der Mückenplagen in einigen Regionen in diesem Sommer vermehrt Infektionen. Bürger waren aufgerufen worden, kranke und tote Tiere zu melden und Kadaver einzuschicken. Eine Meldung ist hier möglich.

Droht eine Gefahr für Menschen?

Bei den kranken Vögeln können sich Menschen oder ihre Haustiere nicht anstecken, durch Mückenstiche allerdings schon. Es kann zu Fieber, Hausauschlägen oder Gliederschmerzen kommen – vor allem bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist.

Dennoch: Zur Sicherheit sollten Menschen Handschuhe tragen, wenn sie kranke oder tote Vögel anfassen.

Warum ist es für Naturschützer und Forscher so wichtig, dass tote Tiere eingeschickt werden?

Dazu heißt es beim Naturschutzbund: „Der Ausbruch dieses für Deutschland neuen Virus stellt eine einmalige Chance dar, die Ausbreitung und Folgen einer neuen Vogelkrankheit zu verfolgen und zu analysieren.“ Und genaue Daten könne man nur erhalten, wenn die Menschen tote Vögel einschicken würden, damit man sie untersuchen könne. Es gehe darum, zu verstehen, wie und wo sich ein Virus ausbreite und welche Folgen das habe.

Die aktuelle Vermutung: 2017 hätten die Amselbestände in den betroffenen Gebieten stark unter der Krankheit gelitten, so Nabu-Experte Adrion. Er sieht die Infektionen als Fortsetzung des Ausbruchs von 2016.

Mit Material von dpa.

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So sieht eine kranke Amsel aus.

Jutta Böhm-Wacker

96750529
Diese Amsel ist gesund.

picture alliance / Frank Rumpenh

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