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„Wer war Hitler“: Dokumentation über Nazi-Terror

München. Wer kann sich heute noch an den Nationalsozialismus erinnern? Viele der Zeitzeugen, waren damals Kinder. Ein Film holt die Schrecken des Nazi-Terrors in die Gegenwart. „Wer war Hitler“ gibt interessante Einblicke in eine schlimme Zeit.

„Wer war Hitler“: Dokumentation über Nazi-Terror

Adolf Hitler im Sommer 1938 bei einem Luftwaffenmanöver auf dem Darß (Mecklenburg). Foto: 2017 Epoche Media GmbH

Wer war Hitler? Ein Terrorherrscher, einer der schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte, ein Wahnsinniger? Ein ungewöhnlicher Kinofilm versucht, darauf eine Antwort zu geben. Allerdings nicht mit Hilfe von Einordnungen durch Historiker.

Der Publizist Hermann Pölking versucht einen anderen Weg, sich Adolf Hitler zu nähern: „Wer war Hitler“ zeigt historische Filmaufnahmen, unterlegt mit gesprochenen Zitaten aus Briefen, Tagebüchern, Reden und Büchern. Menschen aus Hitlers persönlichem Umfeld kommen ebenso zu Wort wie Politiker, Künstler, Schriftsteller, Widerstandskämpfer, aber auch einfache Soldaten und Bürger.

Herausgekommen ist ein gut dreistündiger monumentaler Dokumentarfilm mit interessanten Einblicken, vor allem in den Alltag der Menschen jenseits der großen Polit-Ereignisse. Pölking hat tief in Archiven nach Filmschnipseln aus dieser Zeit gegraben, darunter auch Amateuraufnahmen. Viele hat man so noch nie zu sehen bekommen.

Auch die von Sprechern vorgelesenen Zitate stammen zum Teil aus Briefen und Tagebüchern von Privatleuten. Mal erzählen sie begeistert von Begegnungen mit dem „Führer“, mal äußern sie sich auch kritisch. Besonders eindringlich sind die Erinnerungen von KZ-Häftlingen an den grausamen Nazi-Terror. Oder von den Alliierten, die gegen Kriegsende die Menschen in den Lagern befreiten.

So kommentiert die Kriegsberichterstatterin Martha Gellhorn: „Wir haben zwölf Jahre gebraucht, um die Tore zu öffnen. Wir waren blind, ungläubig und langsam. Wir müsen wissen, dass niemals Frieden herrschen kann, wenn Grausamkeiten wie diese in der Welt sind“.

Hin und wieder wäre eine Einordnung durch Historiker wünschenswert, auch weil die Frage, „Wer war Hitler“, nicht wirklich beantwortet wird. Trotzdem zieht der Film in seinen Bann, als Dokumentation einer Gesellschaft zwischen Verblendung, unsäglichem Leid und banalem Alltag. Seine Recherchen hat Pölking in einem Buch zusammengefasst, auf 784 Seiten. Wer tiefer einsteigen will, für den gibt es eine 7,5-stündige Festivalfassung, die im Sommer auf dem Filmfest München zu sehen war und nun auch in ausgewählten Kinos läuft.

Wer war Hitler, Deutschland 2017, 196 Min. (Kinofassung), FSK ab 12, von Hermann Pölking

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