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Beistand für 15-jährigen Flüchtling

Freund, Bruder und Elternersatz für Mohamad

AHAUS "Jan ist für mich wie ein Freund. Oder wie ein Bruder. Durch ihn fühle ich mich hier nicht so alleine." Mohamad schaut sein Gegenüber mit großen Augen an. Augen, in denen sich Trauer, Sorge, aber auch viel Leid widerspiegeln. Die mehr verraten, als Mohamad mit Worten sagen kann - oder will.

Freund, Bruder und Elternersatz für Mohamad

Plakate mit Rechtschreib- und Grammatikübungen haben Ehrenamtliche in der Küche der Unterkunft aufgehängt. Mohamad schaut sie sich immer wieder an, um zu lernen.

Der 15-Jährige ist seit Februar vergangenen Jahres in Deutschland, seit Mai lebt er in Ahaus. Einer von zahlreichen minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen, die damit in die Verantwortung des Jugendamtes fallen.

Erziehungsbeistandschaft übernommen

Das Jugendamt der Stadt Ahaus hat deshalb für ihn eine Erziehungsbeistandschaft installiert. Ausgeübt wird sie von Jan Woltering (29), Erzieher beim Berufsorientierungszentrum der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS). "Ich bin eine Art Vaterfigur, ein pädagogischer Begleiter für Mohamad", beschreibt Woltering seine Rolle. "In erster Linie ist es meine Aufgabe, den Jugendlichen hier zu integrieren." Heißt in der Praxis: Der Legdener versucht, seinem Schützling praktische Lebenshilfe zu leisten. Das fängt bei der Tagesstruktur mit Aufstehen, Frühstück, zur Schule gehen und Mittagessen an, hört bei Freizeitaktivitäten, erlebnispädagogischen Unternehmungen, Hausaufgaben bewältigen, Deutsch lernen und der Begleitung bei notwendigen Behördengängen auf.

Gemeinsame Gespräche

"Meine Rolle ähnelt der, die sonst die Eltern einnehmen", umschreibt es Jan Woltering. An diesem Nachmittag gehen die beiden miteinander einkaufen, wollen anschließend dann zusammen kochen. Und reden. Über die Vergangenheit, ein wenig auch vielleicht über die Zukunft.

Ganz alleine steht Mohamad auch ohne Jan Woltering nicht da. Mit ihm sind sein Bruder und seine Schwägerin aus Syrien geflohen. Aber auch sie müssen erst einmal Fuß in Deutschland fassen, können dem Jugendlichen also in praktischen Dingen kaum helfen. Zumal der 15-Jährige die Erlebnisse auf der langen Flucht auch emotional verarbeiten muss.

Vier Jahre dauerte der Weg von Syrien nach Deutschland. Gerade einmal elf Jahre alt war der Junge beim Aufbruch. Über Ägypten, Algerien, Marokko und Spanien führte die Route. Eine Kindheit ohne Halt, ohne feste Wurzeln. "In Ägypten und Algerien mussten wir jeweils ein Jahr bleiben", erzählt Mohamad. Was er dort erlebt hat - der junge Mann schweigt, schaut nur stumm mit großen Augen. Einige seiner Geschwister sind ebenfalls in Deutschland angekommen, seine Eltern noch auf der Flucht: "Ich vermute, sie sind derzeit in Algerien." Genaues weiß er nicht, will er vielleicht auch nicht erzählen.

Schon gut Deutsch gelernt

In den vergangenen Monaten hat Mohamad gut Deutsch gelernt. Er besucht mit 20 weiteren Jugendlichen verschiedener Nationalitäten die internationale Klasse auf dem Alexander-Hegius-Gymnasium. In der Küche der Unterkunft, in der noch zahlreiche weitere Flüchtlinge leben und in der er sich mit Bruder und Schwägerin ein Zimmer teilt, hängen zahlreiche Plakate mit deutschen Rechtschreib- und Grammatik-Übungen. Mohamad schaut sie nachmittags, wenn er aus der Schule kommt, immer wieder an.

Das Lernen macht ihm Spaß. "Ich gehe gerne in die Schule", sagt er. Deutsch, Mathe, Sport und Kunst sind seine Lieblingsfächer. Was er später machen möchte? "Ich weiß es noch nicht", sagt der 15-Jährige. Er möchte erst einmal ankommen.

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