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Kühe stören Nachbarfrieden

Streit am Weidezaun

WÜLLEN. Liegestühle, Blumenkübel, Profigrill: Im Garten des kleinen Einfamilienhauses an der Dykstegge hat sich die Familie Dalhaus-Wigger ein kleines Idyll geschaffen. „Hier erholen wir uns. Die Ruhe ist uns sehr wichtig“, sagt Martina Dalhaus-Wigger – auch mit Blick auf eine lange Krankengeschichte, die ihren Mann und sie begleitet. Seit einigen Wochen aber fühlt sich die Familienmutter gestört. Von den Kühen auf der Nachbarwiese.

Streit am Weidezaun

Darum geht der Streit: die Kuh mit ihrem Kalb auf der Wiese in Wüllen.

Stein des Anstoßes ist ein größeres Grundstück zwischen der Siedlung Dykstegge und dem katholischen Friedhof Wüllen. Seit rund zwanzig Jahren wird diese Fläche von Landwirt Andreas Kersting als Mähweide bewirtschaftet. Bis vor einigen Wochen produzierte er hier ausschließlich Heu. Weil ihm ein anderer Weideplatz weggebrochen ist, grasen hier nun aber Kühe. Anfangs drei, seit Kurzem nur noch zwei: eine Mutterkuh mit ihrem Kalb.

Nachbarn fühlen sich gestört

„Wir haben nichts gegen Tiere. Aber seitdem sie da sind, fühlen unsere Nachbarn und wir uns gestört. Die Kühe bläken den ganzen Tag, die Kuhfladen stinken und überdies haben wir auch mehr Fliegen und Bremsen in unserem Garten“, sagt Martina Dalhaus-Wigger. Ihr Mann sei bereits gestochen worden. „Für gesunde Menschen ist das vielleicht ungefährlich. Mein Mann und ich bekommen aber Zytostatika verabreicht. Jetzt haben wir Angst, dass es zu Komplikationen kommen kann, wenn die Fliegen erst auf den Kuhfladen und anschließend auf unserem Apfelkuchen sitzen.“

Ihre Sorgen hat sie nach eigenen Angaben zuerst der Stadt Ahaus mitgeteilt, sei aber an die Katholische Kirche verwiesen worden, von der Andreas Kersting das Grundstück gepachtet hat. Dass der Landwirt selbst im Kirchenvorstand sitzt, findet Martina Dalhaus-Wigger befremdlich. „Dass ein Kirchenvorstandsmitglied einen Pachtvertrag mit einer Gemeinde schließen kann, über dessen Inhalt der Kirchenvorstand selbst entscheidet, finde ich seltsam.“

Engagement darf nicht zum Nachteil werden

Dieser Sorge widerspricht Heinz Gewering, Leiter der zuständigen Zentralrendantur Ahaus-Vreden, vehement. „Es kann ja nicht sein, dass ein langjähriger Kirchenvorstand durch sein Engagement einen Nachteil hat und ein solches Grundstück per se nicht pachten kann. Und natürlich hat sich Andreas Kersting bei den Abstimmungen zu diesen Verträgen enthalten. Das ist doch selbstverständlich“, sagt Gewering.

Er sei überdies irritiert, dass „Frau Dalhaus-Wigger jetzt an die Presse gegangen ist. Denn es wird Mittwoch einen gemeinsamen Termin mit allen Beteiligten geben, um für diesen Streitpunkt eine Lösung zu finden.“ Irritiert ist auch Andreas Kersting über die Vorwürfe. Er hätte sich ein offenes und freundliches Gespräch gewünscht, um auf die Missstände hingewiesen zu werden. Zwar sei er vor einigen Wochen von einem ihm nicht bekannten Anwohner auf der Weide angesprochen worden.

Brief an die Zentralrendantur

„Ich habe aber kaum verstanden, worum es geht. Zudem war die Stimmung sehr aggressiv.“ Die tatsächlichen Beweggründe seien ihm erst vor zwei Tagen klar geworden, als er von der Zentralrendantur den Brief der Familie Dahlhaus-Wigger erhalten habe. „Jetzt möchte ich mit den Anwohnern erst mal persönlich sprechen, bevor ich etwas zu Lösungsansätzen sagen kann“, sagte Kersting am Freitag unserer Zeitung.

Besonders sauer ist der Landwirt über weitere Vorwürfe aus dem Schreiben an die Zentralrendantur. Darin stellt Martina Dalhaus-Wigger die Frage, ob Weidegras und Grundwasser in unmittelbarer Nähe zum Friedhof nicht belastet sein könnten. Wörtlich: „Ich frage mich, woher die Tiere ihr Wasser bekommen. Ich möchte die Milch ehrlich gesagt nicht trinken.“

Klärendes Gespräch

Kersting verweist auf regelmäßige Überprüfungen des Grundwassers. „Das Wasserwerk bestätigt, dass es sich hier um einwandfreie Qualität handelt. Ich finde es eine Frechheit, solche Vorwürfe in die Welt zu setzen.“ Überdies stellt sich Kersting, der regelmäßig mit Kindern Ausflüge auf seinen Hof und über die Weide unternimmt, die Frage, wieso sich plötzlich Anwohner über grasende Kühe ärgern. „Wüllen ist seit jeher landwirtschaftlich geprägt. Kühe gehören seit Jahrhunderten zum Dorfbild. Und plötzlich soll das alles schlecht sein? Ich kann das nicht verstehen.“

Licht ins Dunkel will nun Heinz Gewering am Mittwoch bringen. „Ich bin guten Mutes, dass wir die Gemüter besänftigen können. Meinungsverschiedenheiten lassen sich oft durch ein persönliches Gespräch klären.“

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