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Kriegstagebuch erschienen

Überleben in den Schützengräben

AHAUS In Magdeburg geboren, in Kiel aufgewachsen, 1910 im Alter von 12 Jahren nach Halberstadt gekommen, 1915 zur Musterung und 1916 als Freiwilliger zur Westfront, nach Flandern und an die Somme, in den sinnlosen Vernichtungskrieg – auch der zweite Band der Trilogie des Ahausers Oliver Kock hat es in sich.

Überleben in den Schützengräben

Leutnant Kurt Nilius im Alter von 18 Jahren

Es schildert die Erlebnisse des späteren Leutnants Kurt Nilius im Ersten Weltkrieg – von der freiwilligen Meldung über die Ausbildung, den Kriegsalltag und die Novemberrevolution bis hin zur Demobilisierung. Verwendet wurden dafür die täglichen Aufzeichnungen und über 200 erhalten gebliebene Feldpostbriefe und Karten, die Nilius von 1916 bis 1918 an seine Familie geschickt hatte – seine inzwischen verstorbene Tochter Gisela hatte sie Oliver Kock zur Verfügung gestellt. Kock: „Wir hatten uns damals dazu entschieden, dieses Tagebuch als Mahnmal gegen den Krieg zu veröffentlichen.“ Und es sind erneut die Erinnerungen des „kleinen Soldaten“, der sich innerhalb kürzester Zeit vom „Einjährigen“ zum Leutnant hochdient und das mörderische System, in dem er als winziges Rädchen funktioniert, in keiner Form in Frage stellt. Ganz im Gegenteil: Die Begeisterung seiner Jugend für Militarismus, Kaiser und Vaterland („Die wichtigste Vokabel meiner Kindheit hieß: Soldaten!“) bleibt im Einsatz ungebrochen. Das strategisch völlig unsinnige Verharren in den Schützengräben des Stellungskriegs, in dem eine ganze Generation verblutet, wird nicht hinterfragt. Nichtsdestotrotz hat Nilius ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden, allerdings beschränkt es sich auf Geschehnisse, in denen er oder seine Kameraden sich ungerecht behandelt fühlen. Etwa bei Schindereien in der Ausbildung: „Solche Schweine, die zuhause aus dem Trog gefressen haben, glauben, als Vorgesetzte Leute schikanieren zu dürfen.“ Anrührend sind seine liebevollen Briefwechsel mit seiner Mutter, ihr immer wieder versichernd, dass er für die richtige Sache im Feld stehe und ihm daher auch nichts passieren werde. Mit der Novemberrevolution und den Soldatenräten will Nilius nichts zu tun haben – „Landesverräter“ – und geht weiter seinen Weg, der ihn Ende des Zweiten Weltkriegs im Januar 1945 als Kommandeur eines Volkssturm-Bataillons an die Ostfront nach Pommern führt.

Gesinnung lebte weiter

Insgesamt ein äußerst lesenswertes Buch nicht nur für Historiker, da es eindrücklich vor Augen führt, wie es kaum 20 Jahre nach diesen Erlebnissen zu einem weiteren Weltkrieg kommen konnte, dessen Opferzahl alles in den Schatten stellte. Denn die im Tagebuch deutlich gewordene Gesinnung lebte auch in dem Leutnant der Reserve Nilius weiter und bereitete den nationalsozialistischen Kriegstreibern ein leicht abzuerntendes Feld.

Das Tagesbuch des Leutnants Nilius, Autor: Oliver Kock, Scherzers Militaer-Verlag 2013; 221 Seiten Hardcover, reich bebildert; lieferbar ab sofort, Preis: 39 Euro, ISBN 978-3-938845-43-1

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