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Kriegsaufzeichnungen

Walter Dües schildert Erlebnisse bis ins Detail

AHAUS Wie haben einfache Soldaten aus Ahaus den Krieg erlebt? Eine Frage, die Oliver Kock aus Ahaus seit Jahren umtreibt. Jetzt erscheint ein neues Buch von ihm: Darin fasst er das Soldatenleben des Ahausers Walter Dües zusammen. Eine Zeit, die Dües bis ins Detail dokumentiert hat.

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Walter Dües 1941 in seiner Uniform an Bord des Minenschiffs „Brummer“. Im Juni ist er – einen Tag nach seinem 95. Geburstag – in Ahaus gestorben.

Durch die Münsterland Zeitung hat Kock im vergangenen Jahr Walter Dües erst kennengelernt. Dües hatte da im Rahmen unserer Serie seine Erlebnisse vom Ende des Zweiten Weltkriegs geschildert. In Dües hat Kock dabei selbst einen peniblen Sammler und genauen Beobachter gefunden: Lückenlos hat er zwischen 1938 und 1945 Tagebuch geführt.

Angefangen beim Reichsarbeitsdienst, über Einsätze auf See und an Land bis hin zu seiner Rückkehr nach Ahaus reichen die Erlebnisse. Genauso hat er auch Dokumente aus dieser Zeit gesammelt und aufbewahrt: tatsächlich von der Verpflichtungserklärung zur Marine-Hitlerjugend 1937 bis zur Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im August 1945.

Angst beim Minenlegen

So berichtet er zum Beispiel von einem seiner ersten Einsätze auf einem Minenleger in der Themsebucht vor England: Zunächst von dem Schreck, als der Kommandant des Schiffes den gefährlichen Auftrag verkündet. Und von der Erleichterung, als es über die Gegensprechanlage an Bord heißt, das Zielgebiet sei erreicht.

Genauso plastisch folgt dann die Beschreibung, als die ersten Minen vom Schiff ins Wasser geworfen werden. "Himmel, ist das laut", schreibt Dües 1941 in sein Tagebuch. Voller Ungeduld verfolgt der junge Funkmaat Dües das langwierige Manöver. Voll Angst, doch noch von britischen Schiffen entdeckt und angegriffen zu werden.

Begeistert von Zusammenarbeit

Während Oliver Kock von seinem Buch und der Zusammenarbeit mit Walter Dües erzählt, ist er immer noch begeistert: "Der hat wirklich alles gesammelt und aufgehoben", sagt er. So lasse sich die Laufbahn des Soldaten Dües lückenlos zusammensetzen. "Sogar einen Gutschein für einen Kinobesuch bei einem Aufenthalt in einem Lazarett hat er in einem Album aufbewahrt", sagt der Herausgeber.

Dementsprechend habe er eigentlich nur die Sammlung von Walter Dües hintereinander gestellt. "Das Buch war eigentlich da schon fertig", sagt er. Kock habe nur noch einzelne Fotos zusammentragen müssen oder technische Informationen ergänzt. "So eine genaue Dokumentation gibt es eigentlich gar nicht", sagt Kock. Bis ins Detail lasse sich jede Erinnerung von Dües durch Akten oder Einträge in den Kriegstagebüchern der Marine belegen.

Verlag beeindruckt

Auch der Verlag ist von dem Buch und den Aufzeichnungen beeindruckt. Das Buch sei ein Schatz der Zeitgeschichte, heißt es im Klappentext. Einen Zeitzeugen zu finden, der nicht nur den gesamten Zweiten Weltkrieg er- und überlebt habe, dazu noch begeistert fotografiert und Tagebuch geführt habe, und auch noch darüber Auskunft geben wolle, sei fast unmöglich.

Einen Wermutstropfen hat Oliver Kock zu schlucken. Bei aller Freude über das fertige Buch, das in diesen Tagen in den Handel kommt: Walter Dües hat es nicht mehr in die Hände bekommen. Am 5. Juni, einen Tag nach seinem 95. Geburtstag ist Walter Dües in Ahaus gestorben. "Er hat das Skript aber komplett gelesen", sagt Kock. Meine Kriegserlebnisse auf U-Boot-Falle "Schiff 40" und auf Minenschiff "Brummer", Oliver Kock (Hrsg.) Verlag Scherzer, 38,80 Euro, ist in der Buchhandlung Schaten oder direkt über den Verlag Scherzer erhältlich.

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Walter Dües 1941 in seiner Uniform an Bord des Minenschiffs „Brummer“. Im Juni ist er – einen Tag nach seinem 95. Geburstag – in Ahaus gestorben.

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