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Serie: Die Zeche Erin - Teil 5

So lief das auf dem Pütt unter Tage

Castrop-Rauxel Den Abbauhammer in der Hand, schwer malochend im Streb. Das ist das traditionelle Bild eines Bergmanns. Doch wie lange war das so und was passierte dort unter Tage eigentlich genau? Das klären wir im 5. Teil unserer Serie zum 150-jährigen Zechen-Jubiläum.

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Serie Erin Historische Fotostrecke (8)
Pferde hatten hier bereits ausgedient: Eine Grubenlok mit Dieselantrieb aus dem Jahr 1959.

Stadtarchiv Castrop-Rauxel

Serie Erin Historische Fotostrecke (7)
Schweres Gerät: Ein Walzenschrämlader mit Kohlenhobel.

Stadtarchiv Castrop-Rauxel

Serie Erin Historische Fotostrecke (14)
Eine Szene aus der Haspelkammer im Jahr 1979.

Foto: Stadtarchiv Castrop-Rauxel

Jürgen Zimmermann hat 35 Jahre lang unter Tage gearbeitet. „Kohle geschlagen“ hat er in dieser Zeit allerdings nicht. Als Schlosser reparierte der Obercastroper Maschinen, als Ingenieur war er dafür verantwortlich, dass die Gewinnungs- und Fördergeräte unter Tage am Laufen bleiben und die Produktion nicht zum Stillstand kommt. Eine komfortable Tätigkeit im Vergleich zum klassischen Bergmann, der mit Abbauhammer im Streb stand, Kohlenstaub atmete und sich den Rücken kaputt schuftete?

„Nein, überhaupt nicht“, sagt Zimmermann. Die Maschinenleute unter Tage hätten zu seiner Zeit genauso schwer und gefährlich gearbeitet wie die Bergleute. Man müsse sich nur einmal vor Augen führen, welche Bedingungen dort geherrscht hätten. „Als ich 1963 anfing, gab es noch Kohlehobel und Rammanlagen, mit denen konnte man nicht so gezielt fördern wie mit den späteren elektrischen Maschinen, die anfangs natürlich auch ziemlich anfällig für Störungen waren“, erklärt Zimmermann: „Und jetzt stellen Sie sich mal vor, eine 26 Tonnen schwere Walze bleibt bei gut 64 Gon (ein Gefälle von 57 Grad) nach 100 Metern Talfahrt im Streb stecken und Sie dürfen dann vier Tage lang unter diesem Koloss stehen und ihn reparieren. Und die ebenfalls tonnenschweren Ersatzteile da hinzubringen, ist auch nicht gerade einfach. Da unten passt nämlich leider kein Kran rein.“

Die Geschichte der Zeche Erin in Bildern

So sah Erin um 1890 aus. Zu diesem Zeitpunkt hatten auf dem Pütt bereits mehrere Schlagwetterexplosionen Totesopfer gefordert und die Anlage war mehrere Male abgesoffen. Ihr Gründer, William Thomas Mulvany, gab die Zeche deswegen auf. Friedrich Grillo nahm den Betrieb 1883 wieder auf.
Der Pütt um 1929: Die Fördermenge liegt bei fast 850.000 Tonnen, Kokserzeugung bei mehr als 230.000 Tonnen.
Das Gaskesselhaus im Jahre 1929.
Kohle wurde damals natürlich noch mit der Keilhaue abgebaut und per Hand verladen.
Kohle wurde damals natürlich noch mit der Keilhaue abgebaut und per Hand verladen.
Eine Szene unter Tage im Jahr 1939: Sogar Pferde kamen zum Einsatz - für den Personentransport.
Schweres Gerät: Ein Walzenschrämlader mit Kohlenhobel.
Pferde hatten hier bereits ausgedient: Eine Grubenlok mit Dieselantrieb aus dem Jahr 1959.
Das Unter-Tage-Büro der 1960er Jahre - mit Teuf- und späterem Förderhaspel auf der 5. Sohle.
Erin aus der Luft. So sah es auf dem Pütt im Jahr 1967 aus. Die Fördergerüste von Schacht I und II waren da schon längst Geschichte. Erin VII, hier mit dem Schriftzug in der Bildmitte, war zu dieser Zeit bereits der Hauptförderschacht.
Doch noch Pferde auf dem Pütt? Nein, dieser Gaul zieht lediglich den Karren des Schrotthändlers im Jahr 1966.
Dieses Bild von 1970... spricht eigentlich für sich.
Es geht abwärts - zumindest für die Teufmannschaft im Kübel.
Zurück in der Haspelkammer - diesmal allerdings im Jahr 1979.
Ausgepumpt: Kumpel nach der Schicht.
Nicht nur unter tage herrschte Hochbetrieb. Auch in der Waschkaue war man nicht allein.
Bloß eine Nummer? Nein. Unter den Kumpeln herrschte eine große Kameradschaft - auch wenn sich Über- und Unter-Tage-Leute nicht immer ganz einig waren.
Kontrastreich: Hier prallten Natur und Industrie aufeinander.
So sah es auf Erin um das Jahr 1980 aus.
So sah es auf Erin um das Jahr 1980 aus.
So sah es auf Erin um das Jahr 1980 aus.
So sah es auf Erin um das Jahr 1980 aus.
Eine Szene aus der Kokerei um 1980.
Ein Blick in die Maschinenhalle über Tage um 1980.
In den 1970er Jahren wurde auf Erin noch reichlich gefördert.
In den 1970er Jahren wurde auf Erin noch reichlich gefördert.
In den 1970er Jahren wurde auf Erin noch reichlich gefördert.
In den 1970er Jahren wurde auf Erin noch reichlich gefördert.
In den 1970er Jahren wurde auf Erin noch reichlich gefördert.
Tonnenweise wurde der Koks auf Güterwagons abtransportiert.
Erin kurz vor dem Abriss Anfang der 1980er Jahre.
Nach der Schließung der Zeche am 23. Dezember 1983 begannen zügig die Abrissarbeiten auf dem riesigen Gelände.
Nach der Schließung der Zeche am 23. Dezember 1983 begannen zügig die Abrissarbeiten auf dem riesigen Gelände.
Nach der Schließung der Zeche am 23. Dezember 1983 begannen zügig die Abrissarbeiten auf dem riesigen Gelände.
Nach der Schließung der Zeche am 23. Dezember 1983 begannen zügig die Abrissarbeiten auf dem riesigen Gelände.
Nach der Schließung der Zeche am 23. Dezember 1983 begannen zügig die Abrissarbeiten auf dem riesigen Gelände.
Nach der Schließung der Zeche am 23. Dezember 1983 begannen zügig die Abrissarbeiten auf dem riesigen Gelände.
Der ehemalige Hauptförderschacht VII wurde nach der Schließung Erins unter Denkmalschutz gestellt und anschließend restauriert. Um den Stahlkoloss herum ist ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden.
Der ehemalige Hauptförderschacht VII wurde nach der Schließung Erins unter Denkmalschutz gestellt und anschließend restauriert. Um den Stahlkoloss herum ist ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden.
Der ehemalige Hauptförderschacht VII wurde nach der Schließung Erins unter Denkmalschutz gestellt und anschließend restauriert. Um den Stahlkoloss herum ist ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden.
Der ehemalige Hauptförderschacht VII wurde nach der Schließung Erins unter Denkmalschutz gestellt und anschließend restauriert. Um den Stahlkoloss herum ist ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden.
Der ehemalige Hauptförderschacht VII wurde nach der Schließung Erins unter Denkmalschutz gestellt und anschließend restauriert. Um den Stahlkoloss herum ist ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden.
Der ehemalige Hauptförderschacht VII wurde nach der Schließung Erins unter Denkmalschutz gestellt und anschließend restauriert. Um den Stahlkoloss herum ist ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden.
Der ehemalige Hauptförderschacht VII wurde nach der Schließung Erins unter Denkmalschutz gestellt und anschließend restauriert. Um den Stahlkoloss herum ist ein Landschafts- und Gewerbepark entstanden.
Auch Schacht III auf Schwerin steht unter Denkmalschutz. Der Hammerkopfturm ist noch begehbar.
Auch Schacht III auf Schwerin steht unter Denkmalschutz. Der Hammerkopfturm ist noch begehbar.
Im Innern des Hammerkopfturms sind noch viele Relikte erhalten.
Im Innern des Hammerkopfturms sind noch viele Relikte erhalten.
Im Innern des Hammerkopfturms sind noch viele Relikte erhalten.
Im Innern des Hammerkopfturms sind noch viele Relikte erhalten.
Im Innern des Hammerkopfturms sind noch viele Relikte erhalten.
Im Innern des Hammerkopfturms sind noch viele Relikte erhalten.
Direkt neben dem Hammerkopfturm steht bis heute das ehemalige Bergbeamtenhaus.

Teamwork sei da gefragt gewesen. Und zwar nicht nur unter den Maschinenleuten: „Die Bergleute mussten erst einmal die Voraussetzungen dafür schaffen, dass wir dort unten überhaupt arbeiten konnten. Wir brauchten ja Platz und alles musste abgesichert werden. Man war aufeinander angewiesen. So etwas schweißt zusammen.“ Da sei das Verhältnis zu den Kollegen über Tage schon etwas anders gewesen – auch wenn ohne „die da oben“ die Förderung ebenfalls nicht funktioniert hätte. So eine Zeche sei schließlich ein komplexes System gewesen.

Man nannte Erin auch Micky-Maus-Zeche

Unter Tage habe man allerdings wesentlich mehr improvisieren und in die Trickkiste greifen müssen. „Wenn ich das jetzt alles erzählen würde, bekäme ich wahrscheinlich heute noch Ärger. Das war bestimmt nicht immer ganz regelkonform“, sagt Zimmermann und lacht. Improvisieren musste man auf Erin ohnehin schon genug – nicht nur bei einem Maschinenausfall. Denn die stark geneigte Lagerung der Kohleader machte den Abbau schwierig – einer der Gründe dafür, dass es Erin zu seinen Glanzzeiten „nur“ auf eine Tagesförderung von 6000 Tonnen brachte. Auf der Zeche Ewald hätten sie Erin deswegen auch „Micky-Maus-Zeche“ genannt, erklärt der Obercastroper. Dort, auf Ewald, habe die Tagesproduktion nämlich bei gut 15.000 Tonnen gelegen.

Andere Zechen profitierten jedoch durchaus von Erin – zum Beispiel von der auf dem Castrop-Rauxeler Pütt vorangetriebenen Entwicklung der Teilabspannungen für die bessere Gewichtsverteilung der Förderanlage. Dass man einen Wert wie 15.000 Tonnen in Castrop-Rauxel wohl nie erreichen würde, war Zimmermann stets klar, wenn er zu Schichtbeginn auf Schacht VII anfuhr, um die schweren Gerätschaften unter Tage zu begutachten – auch, wenn gar keine Störungen vorlagen. „Ich habe meinen Mitarbeitern immer gesagt: Durch Präventivmaßnahmen kann man die dicken Fehler vermeiden. Deswegen hatte ich meine Augen überall. Das war so ein bisschen meine Welt“, sagt Zimmermann.

Arbeiten wie ein Leibeigener

In dieser Welt machte der Ingenieur auch einige Meter. Für den Weg von Schacht VII zu Schacht III nahm er dabei auch schon mal die Lok, die mit einer Spitzengeschwindigkeit von knapp 30 km/h unter Tage ihre Runden drehte – um Zeit zu sparen. Denn die war knapp. In leitender Funktion sei man schließlich immer auf Abruf gewesen: „Man ist zwar gut bezahlt worden, aber man war auch ein wenig wie ein Leibeigener. Es gab Zeiten, da war man so sehr eingespannt, dass man noch nicht einmal dazu kam, sich ein Paar Schuhe zu kaufen.“

Deswegen sei sein Bestreben gewesen, früh in Rente zu gehen, noch etwas, von dem zu haben, was er sich unter Tage erarbeitet hat. „Das gebe ich gerne zu. Heute führe ich ehrlich gesagt ein ziemlich dekadentes Leben“, sagt Zimmermann augenzwinkernd. Ein Leben frei von Kohlenstaub, schweren Maschinen und engen Streben. Eines habe sich im Vergleich zu damals allerdings nicht geändert. Denn auch wenn er nach der Schließung Erins im Jahr 1983 weiter zu Schlägel und Eisen zog, sei er nach wie vor „im Herzen Eriner“.

CASTROP-RAUXEL Hart malochende und mit Kohle verschmierte Kumpel – das ist bis heute das prägende Bild eines Zechenarbeiters. Allerdings spielte sich auf dem Pütt auch über Tage eine Menge ab. Wir haben dem ehemaligen Leiter des Über-Tage-Betriebs auf der Zeche Erin anlässlich unserer Serie zum 150-jährigen Zechenjubiläum einen Besuch abgestattet, erklären den Weg dfer Kohle – und wie man sich im Falle eines zertörten Förderkorbs verhalten sollte.mehr...

SCHWERIN Im Schatten des Hammerkopfturms auf Schwerin erinnern ein paar kleine Häuser an die Bergbaugeschichte. Häuser mit kleinen hölzernen Fensterläden und Loren im Vorgarten. Doch was hat es mit diesen Häusern eigentlich auf sich? Wir haben bei unserer Spurensuche anlässlich des 150-jährigen Zechenjubiläums einem der Bewohner einen Besuch abgestattet.mehr...

Serie: Die Zeche Erin - Teil 2

Wie ein Förderverein die Fördertürme rettete

CASTROP-RAUXEL Vor genau 150 Jahren wurde in Castrop-Rauxel zum ersten Mal Kohle gefördert – auf Erin, der ersten und letzten Zeche der Stadt. Mit dem Fördergerüst am einstigen Schacht VII und dem Hammerkopfturm sind noch sichtbare Spuren der Bergbau-Ära erhalten. Doch wem ist das überhaupt zu verdanken? Das klären wir in der zweiten Folge unserer Erin-Serie. mehr...

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Serie Erin Historische Fotostrecke (8)
Pferde hatten hier bereits ausgedient: Eine Grubenlok mit Dieselantrieb aus dem Jahr 1959.

Stadtarchiv Castrop-Rauxel

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Serie Erin Historische Fotostrecke (14)
Eine Szene aus der Haspelkammer im Jahr 1979.

Foto: Stadtarchiv Castrop-Rauxel

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