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Wulfener Markt

Glassplitter regnen vom Dach in die Passage

Wulfen-Barkenberg Der Verfall der Ladenpassage Wulfener Markt ist nicht aufzuhalten. Den Barkenbergern droht, das Glas-Dach auf den Kopf zu fallen. Was tut die Stadt? Diese Frage war Thema im Rat.

Glassplitter regnen vom Dach in die Passage

Die Feuerwehr riss am 21. Juli einige zersplitterte Glasscheiben ein, nachdem Unbekannte eine Nacht vorher darüber gelaufen waren. Das ist lebensgefährlich, weil das Glas mittlerweile mürbe ist.(A) Bludau Foto: Bludau

Gepflegt sieht anders aus: Wer die Passage Wulfener Markt vom Markt zur Marktallee durchquert, der muss höllisch aufpassen. Denn unverhofft kann von oben ein Glasregen niederstürzen. Das sagt der Barkenberger Jan Kolleczek. Er äußerte sich im Rat besorgt über den Zustand der seit Jahren leer stehenden Ladenpassage: „Splitter liegen herum, die Dachfenster sind nicht mehr dicht. Sie können sich aus ihrem Rahmen lösen.“

Was die Stadt unternehme, um für die Sicherheit der Barkenberger geradezustehen, fragte Kolloczek Bürgermeister Tobias Stockhoff und Stadtbaurat Holger Lohse. Der erwiderte, dass in solchen Fällen normalerweise der Eigentümer der Immobilie angeschrieben werde und Sicherheitsmaßnahmen angemahnt würden. „Das ist im Fall des Wulfener Marktes aber problematisch“, sagte der Stadtbaurat auch. Denn mit Reaktionen auf solche Schreiben sei eher nicht zu rechnen.

Überdimensioniert

Das 1983 eröffnete Zentrum und die im Laufe der Jahre schrittweise verwaiste Ladenpassage schreibt eine unendliche Geschichte in Dorsten. Einst als architektonisches Wunderwerk gepriesen, zeigte sich schnell, dass das Zentrum überdimensioniert ist: „Es sind nie annähernd so viele Menschen nach Barkenberg gezogen, wie geplant. Statt 50.000 sind es heute 8.000“, sagt der Barkenberg-Kenner Rainer Diebschlag.

Investoren des Medico-Fonds 18, der gute Renditen für die Investition in die Ladenzeile versprach, schauen heute in die Röhre. Denn das vorläufige Insolvenzverfahren um den Medico-Fonds 18 der Gebau-Gruppe, die Eigentümerin des Wulfener Marktes ist, ist 2015 eingeläutet worden. Seitdem zieht es sich unabsehbar in die Länge.

Bedenklicher Zustand

Wegen überzogener Preisforderungen nahmen potenzielle Investoren bislang Abstand, das marode Gebäude zu übernehmen und mit neuem Leben zu füllen. Selbst wenn sich ein Investor fände, müsste er zudem bereit sein, Forderungen der Entwicklungsgesellschaft Wulfen zu erfüllen. Die Essener Fakt AG steht mit der Stadt Dorsten in Verhandlungen um eine Zukunftslösung für das Gebäude. Das Problem: Die Investoren würden gerne Nutzungsrechte für sich allein beanspruchen. Das aber kollidiert mit Interessen der benachbarten Tempelmann-Gruppe, die die Nutzungsrechte hat. So ist und bleibt der Zustand des Wulfener Marktes problematisch.

Wie bedenklich der Gebäudezustand ist, zeigte sich, als Unbekannte am 21. Juli 2017 nachts über das Glasdach der Ladenzeile kletterten: „Zwei Sicherheitsglasscheiben wurden bei der Aktion zerstört, Splitter drohten, unkontrolliert in die Tiefe zu stürzen“, hieß es nach Meldungen der Feuerwehr Dorsten. Sie musste die massiven Scheiben mithilfe eines Einreißhakens entfernen.

Dazu ist mittlerweile keine Hilfe mehr nötig, denn die Scheiben bröckeln, wie Jan Kolleczek im Rat schilderte, von selbst. Die Dorstener Bauaufsicht wird sich, unabhängig von einer Reaktion der insolventen Eigentümerin, noch in dieser Woche vor Ort umsehen und „notfalls die Passage für Fußgänger und Radfahrer sperren“, wie Bürgermeister Stockhoff sagte.

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